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Inklusion im Arbeits­leben

Zahlen, Daten, Fakten

Menschen mit Behinderung haben nach wie vor deutlich schlechtere Chancen auf einen Arbeits­platz auf dem ersten Arbeits­markt als Menschen ohne Behinderung. Trotz positiver Beispiele und klarer gesetzlicher Vor­gaben bleiben viele Potenziale ungenutzt.

4 Minuten Lesedauer
Eine junge Frau in Arbeitskleidung lächelt in die Kamera

Menschen mit Behinderung auf dem Arbeits­markt

Für Menschen mit Behinderung ist es nach wie vor wesentlich schwieriger, einen Arbeits­platz zu finden. Im vergangenen Jahr waren elf Prozent der Menschen mit Schwer­behinderung arbeitslos – fast doppelt so viele wie bei Menschen ohne Behinderung (Stand November 2025). Insgesamt waren zuletzt 175.236 Menschen mit Schwer­behinderung arbeitslos gemeldet (Quelle: Inklusionsbarometer Arbeit, Aktion Mensch).

Gründe für die hohe Arbeits­losigkeit unter Menschen mit Behinderung

Die hohe Arbeits­losig­keit lässt sich nicht allein mit der angespannten wirtschaft­lichen Lage erklären. Laut des Inklusions­barometer Arbeit kommen immer weniger Unter­nehmen ihrer gesetzlichen Verpflichtung nach, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen. Nur etwa ein Drittel der Arbeit­geber*innen erfüllt die vorgeschriebene Beschäftigungs­quote. Ab 20 Mitarbeitenden sind Arbeit­geber*innen verpflichtet, mindestens fünf Prozent schwer­behinderte Menschen zu beschäftigen. Ansonsten muss für jeden unbesetzten Platz eine Ausgleichs­abgabe bezahlt werden. Offenbar ziehen viele Arbeitgebende es vor, die Abgabe zu bezahlen. Die Erhöhung der Ausgleichs­abgabe im Januar 2024 zeigt kaum Wirkung.

Viele Unternehmer*innen befürchten offenbar, dass Mitarbeiter*innen mit Behinderung häufiger ausfallen könnten als andere oder schwerer kündbar sind. Außerdem vermuten sie, dass hohe Kosten entstehen, um Arbeits­plätze an die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung anzupassen. Oft fehlt ihnen auch das Wissen über Förder­möglichkeiten, die solche Kosten abfedern können. Zudem unter­schätzen sie die Stärken und Potenziale von Menschen mit Behinderung sowie deren Beitrag zu einer inklusiven Unternehmens­kultur.

Talente und Potentiale besser nutzen

Warum es sich lohnt, Menschen mit Behinderung einzustellen.

Erfüllt Deutschland die Vorgaben der UN-BRK zum inklusiven Arbeits­markt?

Mit der Unter­zeichnung der UN-Behinderten­rechts­konvention hat sich Deutsch­land dazu verpflichtet, einen offenen, inklusiven und für Menschen mit Behinderungen zugänglichen Arbeits­markt zu schaffen. Die Entwicklung der Werkstätten für Menschen mit Behinderung zeigt, dass viele Menschen mit Behinderung nicht nur Probleme haben, einen Job auf dem Arbeits­markt zu finden. Nach wie vor arbeiten viele in Sonder­strukturen, wie WfbM, und werden bei weit unterhalb des Mindest­lohns bezahlt: Im Jahr 2024 waren rund 300.000 Menschen in Werk­stätten beschäftigt. Durch­schnittlich verdienten sie nur 233 Euro pro Monat. (Quelle: BAG WfbM e.V.)

Wie ist die Entwicklung in den letzten Jahren?

Nach einer leichten Erholung im Anschluss an die Corona-Pandemie verschlechterte sich die Beschäftigungs­lage von Menschen mit Behinderung im Jahr 2023 erneut. Sowohl die Zahl als auch die Quote arbeits­loser Menschen mit Schwer­behinderung stiegen wieder an. Deutschland ist somit weiterhin weit entfernt von einer gleich­berechtigten Teil­habe am Arbeits­leben. Das zeigt das Inklusions­barometer Arbeit, herausgegeben von Aktion Mensch und das Handels­blatt Research Institute.

Die Zahl der Werkstatt­beschäftigten – also der Menschen, die nicht auf dem allgemeinen Arbeits­markt arbeiten – sinkt bundes­weit seit 2020 nur langsam. Sie ging im Jahr 2023 lediglich um 1,1 Prozent zurück. Werk­stätten für Menschen mit Behinderung (WfbM) haben eine Brücken­funktion und sollen Menschen mit Behinderung eigentlich dabei unterstützen, den Weg auf den allgemeinen Arbeits­markt zu finden. In der Realität werden jedoch nur wenige Werkstatt-Beschäftigte auf den allgemeinen Arbeits­markt vermittelt. Die Übergangs­quote liegt bei unter einem Prozent der Beschäftigten. (Quellen: BAGüS und BMAS)

Darum lohnt es sich, Menschen mit Behinderung einzustellen

Es gibt viele gute Gründe, Menschen mit Behinderung einzustellen. Viele verfügen über eine über­durchschnitt­liche Qualifikation und bringen wert­volle Fach­kenntnisse mit. Zudem gelten sie als besonders loyal und tragen zur Vielfalt und Innovations­kraft von Unter­nehmen bei. Arbeitgeber*innen können darüber hinaus von finanziellen Förderungen profitieren, wenn sie Menschen mit Behinderung beschäftigen. Dazu stehen verschiedene Instrumente wie Lohn­kosten- und Eingliederungs­zuschüsse, Finanzierung der Arbeits­platz­anpassung oder Beratungs­angebote zur Verfügung. 

Untersuchung der Bundesagentur für Arbeit

Unterstützung und Förderung für Arbeitgeber*innen

Vorteile, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen

Was muss politisch passieren, für einen inklusiven Arbeitsmarkt?

Viele Verbände und Interessen­vertretungen von Menschen mit Behinderung setzen sich dafür ein, die Arbeits­markt­situation von Menschen mit Behinderung auf dem allgemeinen Arbeits­markt zu verbessern. Dazu könnten vorhandene Instrumente, wie die Budgets für Arbeit und Ausbildung, vereinfacht und besser zugänglich gemacht werden. Das Netzwerk von Menschen mit Behinderungen, die nicht in einer Werkstatt für behinderte Menschen arbeiten (wollen) vorschlägt.

Die Lebenshilfe fordert beispiels­weise eine bessere Entlohnung für Werkstatt­mitarbeitende und setzt sich dafür ein, dass Menschen mit Behinderung freien Zugang zum allgemeinen Arbeits­markt erhalten und dort gerecht entlohnt werden. Der Paritätische, die Diakonie und der Caritasverband verlangen rechtliche und finanzielle Reformen, um mehr inklusive Strukturen auf dem ersten Arbeits­markt zu schaffen. Die ISL betont, dass Gelder aus Sonder­strukturen wie Werk­stätten in inklusive Arbeits­formen umgelenkt werden müssen, um mehr Selbst­bestimmung zu ermöglichen. Gemeinsam fordern diese und viele weitere Verbände und Initiativen, dass Inklusion als Menschen­recht anerkannt und durch aus­reichende Finanzierung und Abbau von Barrieren gesichert wird.

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