Inklusion im Arbeitsleben
Zahlen, Daten, Fakten
Menschen mit Behinderung haben nach wie vor deutlich schlechtere Chancen auf einen Arbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt als Menschen ohne Behinderung. Trotz positiver Beispiele und klarer gesetzlicher Vorgaben bleiben viele Potenziale ungenutzt.

Inhaltsverzeichnis
- Menschen mit Behinderung auf dem Arbeits
markt - Gründe für die hohe Arbeits
losigkeit unter Menschen mit Behinderung - Talente und Potentiale besser nutzen
- Erfüllt Deutschland die Vorgaben der UN-BRK zum inklusiven Arbeits
markt? - Wie ist die Entwicklung in den letzten Jahren?
- Darum lohnt es sich, Menschen mit Behinderung einzustellen
- Was muss politisch passieren, für einen inklusiven Arbeitsmarkt?
Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt
Für Menschen mit Behinderung ist es nach wie vor wesentlich schwieriger, einen Arbeitsplatz zu finden. Im vergangenen Jahr waren elf Prozent der Menschen mit Schwerbehinderung arbeitslos – fast doppelt so viele wie bei Menschen ohne Behinderung (Stand November 2025). Insgesamt waren zuletzt 175.236 Menschen mit Schwerbehinderung arbeitslos gemeldet (Quelle: Inklusionsbarometer Arbeit, Aktion Mensch).
Gründe für die hohe Arbeitslosigkeit unter Menschen mit Behinderung

Die hohe Arbeitslosigkeit lässt sich nicht allein mit der angespannten wirtschaftlichen Lage erklären. Laut des Inklusionsbarometer Arbeit kommen immer weniger Unternehmen ihrer gesetzlichen Verpflichtung nach, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen. Nur etwa ein Drittel der Arbeitgeber*innen erfüllt die vorgeschriebene Beschäftigungsquote. Ab 20 Mitarbeitenden sind Arbeitgeber*innen verpflichtet, mindestens fünf Prozent schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen. Ansonsten muss für jeden unbesetzten Platz eine Ausgleichsabgabe bezahlt werden. Offenbar ziehen viele Arbeitgebende es vor, die Abgabe zu bezahlen. Die Erhöhung der Ausgleichsabgabe im Januar 2024 zeigt kaum Wirkung.
Viele Unternehmer*innen befürchten offenbar, dass Mitarbeiter*innen mit Behinderung häufiger ausfallen könnten als andere oder schwerer kündbar sind. Außerdem vermuten sie, dass hohe Kosten entstehen, um Arbeitsplätze an die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung anzupassen. Oft fehlt ihnen auch das Wissen über Fördermöglichkeiten, die solche Kosten abfedern können. Zudem unterschätzen sie die Stärken und Potenziale von Menschen mit Behinderung sowie deren Beitrag zu einer inklusiven Unternehmenskultur.
Talente und Potentiale besser nutzen
Warum es sich lohnt, Menschen mit Behinderung einzustellen.
Erfüllt Deutschland die Vorgaben der UN-BRK zum inklusiven Arbeitsmarkt?

Mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention hat sich Deutschland dazu verpflichtet, einen offenen, inklusiven und für Menschen mit Behinderungen zugänglichen Arbeitsmarkt zu schaffen. Die Entwicklung der Werkstätten für Menschen mit Behinderung zeigt, dass viele Menschen mit Behinderung nicht nur Probleme haben, einen Job auf dem Arbeitsmarkt zu finden. Nach wie vor arbeiten viele in Sonderstrukturen, wie WfbM, und werden bei weit unterhalb des Mindestlohns bezahlt: Im Jahr 2024 waren rund 300.000 Menschen in Werkstätten beschäftigt. Durchschnittlich verdienten sie nur 233 Euro pro Monat. (Quelle: BAG WfbM e.V.)
Wie ist die Entwicklung in den letzten Jahren?

Nach einer leichten Erholung im Anschluss an die Corona-Pandemie verschlechterte sich die Beschäftigungslage von Menschen mit Behinderung im Jahr 2023 erneut. Sowohl die Zahl als auch die Quote arbeitsloser Menschen mit Schwerbehinderung stiegen wieder an. Deutschland ist somit weiterhin weit entfernt von einer gleichberechtigten Teilhabe am Arbeitsleben. Das zeigt das Inklusionsbarometer Arbeit, herausgegeben von Aktion Mensch und das Handelsblatt Research Institute.
Die Zahl der Werkstattbeschäftigten – also der Menschen, die nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten – sinkt bundesweit seit 2020 nur langsam. Sie ging im Jahr 2023 lediglich um 1,1 Prozent zurück. Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM) haben eine Brückenfunktion und sollen Menschen mit Behinderung eigentlich dabei unterstützen, den Weg auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden. In der Realität werden jedoch nur wenige Werkstatt-Beschäftigte auf den allgemeinen Arbeitsmarkt vermittelt. Die Übergangsquote liegt bei unter einem Prozent der Beschäftigten. (Quellen: BAGüS und BMAS)
Darum lohnt es sich, Menschen mit Behinderung einzustellen
Es gibt viele gute Gründe, Menschen mit Behinderung einzustellen. Viele verfügen über eine überdurchschnittliche Qualifikation und bringen wertvolle Fachkenntnisse mit. Zudem gelten sie als besonders loyal und tragen zur Vielfalt und Innovationskraft von Unternehmen bei. Arbeitgeber*innen können darüber hinaus von finanziellen Förderungen profitieren, wenn sie Menschen mit Behinderung beschäftigen. Dazu stehen verschiedene Instrumente wie Lohnkosten- und Eingliederungszuschüsse, Finanzierung der Arbeitsplatzanpassung oder Beratungsangebote zur Verfügung.
Untersuchung der Bundesagentur für Arbeit
Was muss politisch passieren, für einen inklusiven Arbeitsmarkt?

Viele Verbände und Interessenvertretungen von Menschen mit Behinderung setzen sich dafür ein, die Arbeitsmarktsituation von Menschen mit Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu verbessern. Dazu könnten vorhandene Instrumente, wie die Budgets für Arbeit und Ausbildung, vereinfacht und besser zugänglich gemacht werden. Das Netzwerk von Menschen mit Behinderungen, die nicht in einer Werkstatt für behinderte Menschen arbeiten (wollen) vorschlägt.
Die Lebenshilfe fordert beispielsweise eine bessere Entlohnung für Werkstattmitarbeitende und setzt sich dafür ein, dass Menschen mit Behinderung freien Zugang zum allgemeinen Arbeitsmarkt erhalten und dort gerecht entlohnt werden. Der Paritätische, die Diakonie und der Caritasverband verlangen rechtliche und finanzielle Reformen, um mehr inklusive Strukturen auf dem ersten Arbeitsmarkt zu schaffen. Die ISL betont, dass Gelder aus Sonderstrukturen wie Werkstätten in inklusive Arbeitsformen umgelenkt werden müssen, um mehr Selbstbestimmung zu ermöglichen. Gemeinsam fordern diese und viele weitere Verbände und Initiativen, dass Inklusion als Menschenrecht anerkannt und durch ausreichende Finanzierung und Abbau von Barrieren gesichert wird.
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