
Job-Patenschaft und Behinderung
Für viele Menschen mit Behinderung ist die Suche nach einem (neuen) Job schwieriger als für Menschen ohne Behinderung. Eine Hilfe auf Augenhöhe bieten die Pat*innen der „Jobbrücke InklusionPLUS“ in Berlin. Sie hören zu, machen Mut, geben Tipps und packen mit an.
Mit Job-Patin zurück ins Arbeitsleben
Lisa Albrecht hat Psychologie studiert und das Studium mit einem Bachelor abgeschlossen. Nach dem Studium hat sie in einer Einrichtung für Suchtkranke gearbeitet. Daher plante sie, ihr Masterstudium in Teilzeit zu absolvieren und weiter für ihre Klient*innen da zu sein. Doch es kam anders: Durch eine Erkrankung war sie plötzlich auf einen Rollstuhl angewiesen. Ihr Arbeitsplatz war nicht barrierefrei. Sie fragte nach einer gleichwertigen Alternative, aber – so der Chef – die gab es nicht.
Die Suche nach einem neuen Job war schwierig, und Lisa Albrecht schwand so langsam der Optimismus, der ihr sonst so selbstverständlich ist: „Ich bin jetzt seit zwei Jahren Rollstuhl-Benutzerin. Aber ich denke nicht über mich, dass ich Rollstuhl-Benutzerin bin. Ich bin immer noch Lisa, so wie vorher.“ Sie meldete sich bei der Jobbrücke InklusionPLUS, und auch Projektkoordinatorin Lina Antje Gühne war sicher: „Mit ihrer Kompetenz hat sie in einem viertel Jahr einen Job. Der Markt im sozialen Bereich ist ja eigentlich sehr offen.“ Maria Schulz, die als Job-Patin gefunden wurde, meinte: „Wir waren optimistisch, weil Lisa Albrecht ein sehr positiver, super qualifizierter und motivierter Mensch ist.“ Die beiden Frauen trafen sich vier Monate lang je einmal pro Woche. Online natürlich, denn Corona machte die persönlichen Treffen unmöglich.
Job-Patin Maria Schulz und Lisa Albrecht berichten im Video von ihren Erfahrungen
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Erfahrungen teilen – Mut machen

Lina Antje Gühne, Projekt-Koordinatorin von Jobbrücke InklusionPLUS
So geht es im Moment vielen Tandems bei der Jobbrücke InklusionPLUS: 33 Klient*innen sind zurzeit im Projekt, jede*r mit einem Job-Paten an der Seite. Das sind Menschen, die selbst viel Erfahrung in verschiedenen Berufstätigkeiten mitbringen. Diese Erfahrung bringen sie ehrenamtlich ein, um anderen zu helfen und so für mehr Gerechtigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt zu sorgen. Es melden sich viele, so Projekt-Koordinatorin Gühne.
Zusätzlich zur Vermittlung der Pat*innen bietet die Jobbrücke InklusionPLUS Informations-Seminare zum Thema Bewerbung und Arbeitsmarkt, aber auch eine Peer-to-Peer-Beratung an. Da berichten Menschen mit Behinderung, die es auf den ersten Arbeitsmarkt geschafft haben, von ihren Erfahrungen und machen anderen Mut. Gerade mit psychischen Erkrankungen, so Lina Antje Gühne, sei es für die Leute oft schwer, genügend Selbstvertrauen für die Jobsuche zu sammeln. Das betrifft mittlerweile fast die Hälfte der Klient*innen.
Offenheit der Arbeitgeber*innen fehlt oft

Maria Schulz, Job-Patin bei Jobbrücke InklusionPLUS
Und wie ging es für Lisa Albrecht weiter? Nach vier Monaten und gut 30 Bewerbungen gab es nur Ablehnungen. Viele Arbeitsplätze in der sozialen Arbeit seien nicht barrierefrei, heißt es von den Arbeitgebern. Das Angebot der Frauen von Jobbrücke Inklusion PLUS, dass sie Beratung und finanzielle Unterstützung vermitteln könnten, nahm keiner an. Bevor der Frust überwältigend wurde, hat Lisa Albrecht zusammen mit ihrer Patin Maria Schulz einen neuen Plan gefasst: Sie wird nun ihren Psychologie-Master in einem Vollzeit-Studium absolvieren. „Als anerkannte Psychologin kann ich auch im klinischen statt nur im sozialen Bereich arbeiten. Da sollte es hoffentlich möglich sein, einen rollstuhl-gerechten Arbeitsplatz zu bekommen.“ Maria Schulz findet diese Entscheidung gut. Auf sie wartet inzwischen schon eine neue Tandem-Partnerin, diesmal eine Frau mit Flucht-Erfahrung. Dennoch, und auch da sind sich Albrecht und Schulz einig: Ein persönliches Treffen zum Eis-Essen steht auf jeden Fall noch an.
Zur Info
Jobbrücke Inklusion PLUS war ein Projekt der Diakonie Berlin-Brandenburg. Es endete Mitte des Jahres 2023. Ähnliche Projekte und Initiativen gibt es aber an verschiedenen Orten in Deutschland. Ziel ist dabei immer die Förderung der beruflichen Inklusion von Menschen mit sichtbaren oder unsichtbaren Behinderungen auf dem Arbeitsmarkt.
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