
Inklusives Team in der Röstwerkstatt Tatico
Ob als ganze Bohne oder filterfein gemahlen: In einer kleinen, handwerklichen Rösterei im Kreis Höxter veredelt ein inklusives Team Kaffee aus Mittelamerika und vertreibt ihn unter der Marke Tatico. Das Inklusionsunternehmen in Brakel ist Teil des Kolping-Bildungswerkes Paderborn und bietet acht Menschen mit und ohne Behinderung feste, sozialversicherte Arbeitsplätze.
Zum Kolping-Bildungswerk Paderborn gehören neben der Kaffeerösterei noch weitere Inklusionsunternehmen, darunter Hotels, Wäscherein, ein Supermarkt und Gaststätten. „Unser Ziel ist es, möglichst viele Menschen mit Behinderung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu bringen, insbesondere Menschen aus den Werkstätten für Menschen mit Behinderung“, sagt der Geschäftsführer der Röstwerkstatt Thorsten Schulz. Das Kolping-Bildungswerk habe damit viele gute Erfahrungen gemacht: „Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, können Menschen mit Behinderung gute Arbeit leisten. Sie erhalten dafür bei uns ein vernünftiges Gehalt oberhalb des Mindestlohns.“
Inklusionsunternehmen sind gewöhnliche Betriebe, in denen Menschen mit und ohne Behinderung zusammenarbeiten. Sie haben aber keinen Sonderstatus, sondern müssen sich wie jedes andere Unternehmen auf dem freien Markt behaupten. Für den Auf- und Ausbau der Rösterei erhielt die Kolping Röstwerkstatt Brakel Fördermittel der Aktion Mensch und des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe.
Besondere Fähigkeiten entdecken und fördern

Thorsten Schulz ist überzeugt: „Menschen mit einem hohen Grad an Behinderung haben zwar Einschränkungen, aber in der Regel auch besondere Fähigkeiten. Es geht darum, diese Fähigkeiten zu entdecken und den Arbeitsplatz entsprechend zu gestalten.“ Das erfordert von Arbeitgeber*innen Umdenken und auch etwas Geschick: Statt den perfekten Bewerber oder die perfekte Bewerberin für eine klar umrissene Stellenbeschreibung zu suchen, muss man die neuen Mitarbeiter*innen erst einmal vieles ausprobieren lassen, die besonderen Stärken finden und dann die Arbeitsumgebung entsprechend anpassen.
Bei Tatico ist diese Strategie aufgegangen: Neben einem ehemaligen Mitarbeiter einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung haben zwei weitere Männer mit im Laufe des Lebens erworbenen Behinderungen passgenaue Jobs gefunden. Einer von ihnen war neben seinen körperlichen Einschränkungen langzeitarbeitslos und hatte bisher noch nie länger angestellt gearbeitet. Zu den Anpassungen der Arbeitsumgebung gehört zum Beispiel, dass ein Mitarbeiter seine Pausenzeiten weitgehend selbst bestimmen kann. Für einen anderen wurden Aufgaben ausgesucht, die sehr ruhig und gleichförmig sind, da er so am besten arbeiten kann.
Wertschätzung ist wichtig

„Es ist wichtig zu schauen, dass die Leute auch psychosozial gut zurechtkommen. Es kann eine Weile dauern, bis man herausgefunden hat, wie das funktioniert. Aber es lohnt sich“, so Thorsten Schulz. „Außerdem gehört Wertschätzung dazu: Wir kommunizieren ständig, dass jede Tätigkeit wichtig ist für das Endprodukt. Egal ob Kaffee rösten, Tüten zuschweißen oder Kisten für Kunden mit einem ordentlichen Klebestreifen verschließen. Wir sind relativ hochpreisig unterwegs. Das heißt: Die Qualität muss stimmen.“
Das Konzept der Röstwerkstatt hat bereits Nachahmer gefunden: Befreundete Röstereien, die bisher keine Mitarbeiter*innen mit Behinderung hatten, haben sich für Inklusion geöffnet.
Mehr über das Thema Fachkräfte mit Behinderung gewinnen erfahren.
Drei Fragen an Tatico-Mitarbeiter Marvin Tutsch
Steckbrief: Röstwerkstatt Tatico
- Die Rösterei ist ein Inklusionsbetreib und Tochter des Kolping-Bildungswerkes Paderborn und der Adolph-Kolping-Stiftung Paderborn mit Sitz in Brakel.
- In der Kaffeerösterei und im Vertrieb arbeiten acht Mitarbeiter*innen mit und ohne Behinderung, darunter auch ein honduranischer Süd-Nord-Freiwilliger, Sohn eines Kaffeeproduzenten.
- Den fair gehandelten und nachhaltig angebauten Tatico Kaffee gibt es schon seit 30 Jahren. Er ist aus einem Projekt der Entwicklungszusammenarbeit entstanden.
- Seit zwei Jahren röstet die Röstwerkstatt den Tatico Kaffee auch selbst.
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