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REWE Supermartkbetreiber David Hegemann und sein Auszubildenden Achilleas Tsantekidis, der im Rollstuhl sitzt, vor den warenregalen im Supermarkt.

Inklusives Arbeiten bei Rewe in Düsseldorf

David Hegemann betreibt fünf REWE-Märkte in und um Düsseldorf. Seit 2018 sucht er gezielt auch Mitarbeitende mit Behinderung. Zehn hat er schon eingestellt. Sein Ziel ist es, diese Zahl zu verdoppeln.

6 Minuten Lesedauer
Wer arbeitet hier:
Achilleas Tsantekidis
Rollstuhlnutzer
Behinderung:
Job:
Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel
Unterstützung:
Ein Fahrdienst, eine pädagogische Unterstützung und eine Arbeitsassistenz für einige Stunden.

Drei Kandidat*innen. Wer es schafft, innerhalb von einer Minute die meisten Lebensmittel in den eigenen Einkaufswagen zu packen, bekommt den kompletten Inhalt geschenkt. Das ist eine der zahlreichen Ideen, die der Unternehmer David Hegemann auf seinem Instagram- und Facebook-Kanal umsetzt. Solche Aktionen machen ihm großen Spaß und bringen ihm einiges an Aufmerksamkeit. Hegemann nutzt Social-Media auch, um seinen etwa 60.000 Followern zu zeigen, dass ihm Inklusion wichtig ist. Beispielsweise indem er in zwei seiner Märkte eine Stille Stunde ankündigt für Kund*innen mit einer Autismus-Spektrum-Störung, mit psychischen Einschränkungen und für alle, die es einfach mögen. Auf seinen Kanälen finden sich außerdem Beiträge darüber, wie Hegemann gezielt Menschen mit Behinderung als Mitarbeiter*innen einstellt. In drei seiner Märkte hat er mittlerweile sogenannte Inklusions-Abteilungen gegründet. 2018 hat David Hegemann seinen ersten REWE-Markt eröffnet. 

Ausbildung mit Behinderung – es geht mehr als man denkt

Einer der zehn ist der 20-jährige Achilleas Tsantekidis. Er sitzt im Rollstuhl und hat im August dieses Jahres seine Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel angefangen. Er räumt Regale ein, sortiert das Obst aus und füllt nach, aber am liebsten sitzt er an der Kasse. Ein Jahr zuvor, als er auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz war, wäre er nicht auf die Idee gekommen, dass er einmal in einem Supermarkt arbeiten würde. Als er auf Empfehlung seiner Lehrer dann das Praktikum anfing, war aber schon nach einer Woche klar: Das ist es, was er will!
Genau so ging es seinem jetzigen Chef. Das Praktikum von Achilleas Tsantekidis war eigentlich auf sechs Wochen angelegt. Aber schon nach wenigen Tagen bot David Hegemann ihm eine feste Stelle an. Und sagt jetzt: „Er macht seine Sache super!“ Der Azubi ist glücklich: „Das ist ein gutes Gefühl, wenn der Chef zufrieden ist. So habe ich einen sicheren Arbeitsplatz und fühle mich hier im Team sehr wohl.“ 

Azubi und Chef

Jede*r hat eine Chance verdient

Inklusion spielte für David Hegemann schon von Anfang an eine große Rolle. Er findet, jede*r hat eine Chance verdient. Und er macht die Erfahrung, dass die Menschen dankbar, zuverlässig und äußerst motiviert sind. Der Einstieg verläuft immer über ein Praktikum oder eine Probearbeit. In dieser Phase wird klar, wo die Stärken und Schwächen der Bewerber*innen liegen. Wenn man das berücksichtigt, kann jede und jeder optimal eingesetzt werden. Für Hegemann klar: Es geht nicht nur um den sozialen Aspekt. Die Läden müssen auch wirtschaftlich laufen. Und das tun sie. Der Chef führt den Erfolg auch darauf zurück, dass der Leistungsdruck im Team nicht so groß ist wie woanders. Dafür wird das Miteinander groß geschrieben. Das ist spürbar und spricht sich herum. Die Teams fühlen sich wohl, die Kund*innen loben das Engagement, kommen gerne zum Einkauf und Hegemann freut sich über viele Initiativbewerbungen. Fachkräftemangel kennt er nicht.

Die positiven Erfahrungen trägt er weiter: So sind seine Märkte mittlerweile ein Vorbild für die 600 Filialen von REWE West. Gemeinsam mit Roderich Dörner, HR-Partner Inklusion motiviert er Kaufleute und Marktleiter*innen, Mitarbeitende mir einer Behinderung einzustellen und Inklusionsabteilungen aufzubauen. Mittlerweile sind knapp 30 Märkte der Region beteiligt, weitere bereits in Planung.

David Hegemann betreibt in Düsseldorf insgesamt fünf REWE- Märkte. Zehn der 170 Mitarbeitenden haben eine Schwerbehinderung. Bald sollen es 20 sein. 

Inklusionspreis der deutschen Wirtschaft

2024 wurden Hegemanns REWE- Märkte mit dem Inklusionspreis der deutschen Wirtschaft ausgezeichnet, in der Kategorie „mittelständische Unternehmen“. Marktleiter Hegemann wurde für sein Engagement geehrt, Menschen mit Behinderung gezielt auszubilden und auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt langfristig und sozialversicherungspflichtig zu beschäftigen. Auf Stadtebene ist Hegemann Mitglied der Düsseldorfer Initiative „Inklusives Unternehmensnetzwerk e.V.“.

Förderung für Inklusions-Abteilungen

Achilleas Tsantekidis sitzt an der Kasse des REWE-Supermarkts Hegemann.

In seinen Betrieben hat Hegemann die Struktur der Inklusions-Abteilungen eingeführt. Diese Abteilungen bestehen aus den Kolleg*innen, die Regale einräumen und an der Kasse sitzen. Jede*r Dritte von ihnen hat eine Schwerbehinderung. Die Abteilungen funktionieren wie ein kleiner inklusiver Betrieb im Betrieb. Für sie bekommt Hegemann finanzielle Förderung und passgenaue Unterstützung. Bei Achilleas Tsantekidis ist das ein Fahrdienst, eine Lohnunterstützung, pädagogische Unterstützung und eine Arbeitsassistenz für einige Stunden. 
Für Tsantekidis ist klar: Eines Tages möchte er selbst einen oder mehrere REWE-Märkte leiten. Der Chef hingegen vermisst gelegentlich den Kontakt zur Basis und zu den Kund*innen. Sie schauen sich an – und haben die gleiche Idee. Ganz bald tauschen sie mal die Jobs, zumindest für einen Tag. Und auch darüber werden sie ein Video für Instagram drehen.

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