Inklusion und Bildung
Zahlen, Daten, Fakten
Wie inklusiv ist das deutsche Schulsystem? Aktuelle Daten zeigen: Mehr als die Hälfte der Schüler*innen mit Förderbedarf besucht weiterhin Förderschulen. Erfahre mehr zu zentralen Zahlen wie Inklusions- und Exklusionsquoten und den bestehenden Herausforderungen.

Welche Schulformen besuchen Schüler*innen mit Behinderung?

Von den insgesamt 581.265 schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf besuchte im Schuljahr 2022/23 mehr als jede*r Zweite (55,6 Prozent) eine Förderschule. 44,4 Prozent wurden an allgemeinen Schulen unterrichtet. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung zum Stand der Inklusion an deutschen Schulen.
Die Exklusionsquote, also der Anteil der Schüler*innen mit Förderbedarf, die eine Förderschule besuchen, bezogen auf alle schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen, lag damit bei 4,2 Prozent. Die Inklusionsquote, also der Anteil der Schüler*innen mit Förderbedarf an allgemeinen Schulen bezogen auf die Gesamtzahl aller schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen, lag im selben Schuljahr bei 3,4 Prozent.
Diese Quoten gelten als wichtige Indikatoren dafür, ob ein Land – in diesem Fall Deutschland – seinen Verpflichtungen zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) nachkommt und das Schulsystem inklusiv gestaltet.
Wie entwickeln sich Exklusions- und Inklusionsquoten?

Die aktuellen Zahlen zeigen, dass sich die Exklusionsquote gegenüber den Vorjahren nur langsam verändert. Laut Bertelsmann Stiftung ist die bundesweite Exklusionsquote in den vergangenen 14 Jahren nur um 0,6 Prozentpunkte gesunken. Im Schuljahr 2008/09 lag die Exklusionsquote noch bei 4,8 Prozent. Das sind nur 0,6 Prozent mehr als im untersuchten Schuljahr 2022/23.
Die stagnierende Exklusionsquote ist ein Beleg dafür, dass es keinen klaren Trend in Richtung inklusiver Bildung in Deutschland gibt. Nach wie vor bestehen die beiden Systeme – allgemeine Schulen und Förderschulen – parallel nebeneinander.
Allerdings gibt es in Bezug auf den Stand der inklusiven Bildung erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern: Während die Exklusionsquote in Bremen im Schuljahr 2022/23 nur 0,7 Prozent betrug, lag sie in Sachsen-Anhalt bei 6,4 Prozent. Vergleichsweise niedrig waren die Quoten auch in Schleswig-Holstein und Berlin (je 2,3 Prozent), während sie in Sachsen (5,3 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (5,2 Prozent) deutlich höher ausfielen.
Weitere Informationen findest du bei der Bertelsmann-Stiftung.
Wie viele Förderschulen und Förderschüler*innen gibt es?

Im Schuljahr 2024/25 gab es in Deutschland 2.811 Förderschulen. Diese Zahl ist in den letzten Jahren relativ gleich geblieben.
Die Zahl der Schüler*innen an Förderschulen ist dagegen nicht dauerhaft gesunken. In den frühen 2010er-Jahren war sie höher (367.747 im Schuljahr 2010/11). Danach sank sie auf 306.431 im Schuljahr 2017/18, stieg aber seither wieder kontinuierlich an. Im Schuljahr 2024/25 lag sie bei 340 309.
Quelle: Statistisches Bundesamt
Welche Verpflichtungen ergeben sich aus der UN-BRK?

Deutschland hat sich mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention 2009 zu einem inklusiven Bildungssystem verpflichtet (Artikel 24 UN-BRK). Aus Sicht der Vereinten Nationen besteht für Deutschland aber weiterhin ein erheblicher Nachholbedarf bei der inklusiven Schulbildung. Der UN-Fachausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen kritisierte in seiner zweiten Staatenprüfung (2023) insbesondere die weiterhin bestehenden separierenden Strukturen durch Förderschulen und Sonderklassen. Mit der Staatenprüfung wird der Stand der Verwirklichung der Rechte von Menschen mit Behinderungen überprüft.
Was muss für mehr inklusive Bildung getan werden?
Um eine hochwertige inklusive Bildung für alle Kinder und Jugendlichen zu gewährleisten, sind gemeinsame Anstrengungen von Bund und Ländern notwendig. Dazu gehören:
- strukturelle Reformen, insbesondere inklusiv gestaltete Schulen mit ausreichender personeller, räumlicher und organisatorischer Ausstattung
- eine verbesserte Ausbildung von Lehrkräften im Bereich Inklusion
- multiprofessionelle Teams an Schulen
- kleinere Klassen
- Verbesserungen in den Bereichen Barrierefreiheit, individuelle Förderung und digitale Unterstützung
Es bleibt also weiterhin viel zu tun, um das Ziel eines inklusiven Bildungssystems in Deutschland zu erreichen.
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