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Inklusion und Bildung

Zahlen, Daten, Fakten

Wie inklusiv ist das deutsche Schul­system? Aktuelle Daten zeigen: Mehr als die Hälfte der Schüler*innen mit Förder­bedarf besucht weiterhin Förder­schulen. Erfahre mehr zu zentralen Zahlen wie Inklusions- und Exklusions­quoten und den bestehenden Heraus­forderungen.

3 Minuten Lesedauer
Ein Junge mit Behinderung und Mädchen in der Schule lächeln in die Kamera

Welche Schul­formen besuchen Schüler*innen mit Behinderung? 

Eine Gruppe von Kindern in der Schule.

Von den insgesamt 581.265 schul­pflichtigen Kindern und Jugend­lichen mit sonder­pädagogischem Förder­bedarf besuchte im Schul­jahr 2022/23 mehr als jede*r Zweite (55,6 Prozent) eine Förder­schule. 44,4 Prozent wurden an allgemeinen Schulen unterrichtet. Das ist das Ergebnis einer Unter­suchung der Bertelsmann-Stiftung zum Stand der Inklusion an deutschen Schulen.

Die Exklusions­quote, also der Anteil der Schüler*innen mit Förder­bedarf, die eine Förder­schule besuchen, bezogen auf alle schul­pflichtigen Kinder und Jugend­lichen, lag damit bei 4,2 Prozent. Die Inklusions­quote, also der Anteil der Schüler*innen mit Förder­bedarf an allgemeinen Schulen bezogen auf die Gesamt­zahl aller schul­pflichtigen Kinder und Jugendlichen, lag im selben Schuljahr bei 3,4 Prozent.

Diese Quoten gelten als wichtige Indikatoren dafür, ob ein Land – in diesem Fall Deutschland – seinen Verpflichtungen zur Umsetzung der UN-Behinderten­rechts­konvention (UN-BRK) nachkommt und das Schul­system inklusiv gestaltet. 

Wie entwickeln sich Exklusions- und Inklusionsquoten?

Drei Jungs mit und ohne Behinderung in der Schule.

Die aktuellen Zahlen zeigen, dass sich die Exklusions­quote gegenüber den Vor­jahren nur langsam verändert. Laut Bertels­mann Stiftung ist die bundes­weite Exklusions­quote in den vergangenen 14 Jahren nur um 0,6 Prozent­punkte gesunken. Im Schul­jahr 2008/09 lag die Exklusions­quote noch bei 4,8 Prozent. Das sind nur 0,6 Prozent mehr als im unter­suchten Schuljahr 2022/23. 

Die stagnierende Exklusions­quote ist ein Beleg dafür, dass es keinen klaren Trend in Richtung inklusiver Bildung in Deutschland gibt. Nach wie vor bestehen die beiden Systeme – allgemeine Schulen und Förder­schulen – parallel neben­einander.

Allerdings gibt es in Bezug auf den Stand der inklusiven Bildung erhebliche Unter­schiede zwischen den Bundes­ländern: Während die Exklusions­quote in Bremen im Schuljahr 2022/23 nur 0,7 Prozent betrug, lag sie in Sachsen-Anhalt bei 6,4 Prozent. Vergleichs­weise niedrig waren die Quoten auch in Schleswig-Holstein und Berlin (je 2,3 Prozent), während sie in Sachsen (5,3 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (5,2 Prozent) deutlich höher ausfielen.

Weitere Informationen findest du bei der Bertelsmann-Stiftung.

Wie viele Förder­schulen und Förder­schüler*innen gibt es?

Jugendliche in der Klasse unterhalten sich.

Im Schul­jahr 2024/25 gab es in Deutsch­land 2.811 Förder­schulen. Diese Zahl ist in den letzten Jahren relativ gleich geblieben.

Die Zahl der Schüler*innen an Förder­schulen ist dagegen nicht dauerhaft gesunken. In den frühen 2010er-Jahren war sie höher (367.747 im Schul­jahr 2010/11). Danach sank sie auf 306.431 im Schuljahr 2017/18, stieg aber seither wieder kontinuierlich an. Im Schuljahr 2024/25 lag sie bei 340 309.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Welche Verp­flichtungen ergeben sich aus der UN-BRK? 

Zwei Jungs legen die Arme um die Schultern, einer hat das Downsyndrom

Deutsch­land hat sich mit der Ratifizierung der UN-Behinderten­rechts­konvention 2009 zu einem inklusiven Bildungs­system verpflichtet (Artikel 24 UN-BRK). Aus Sicht der Vereinten Nationen besteht für Deutschland aber weiterhin ein erheblicher Nachhol­bedarf bei der inklusiven Schul­bildung. Der UN-Fach­ausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen kritisierte in seiner zweiten Staaten­prüfung (2023) insbesondere die weiter­hin bestehenden separierenden Strukturen durch Förder­schulen und Sonder­klassen. Mit der Staaten­prüfung wird der Stand der Verwirklichung der Rechte von Menschen mit Behinderungen überprüft. 

Was muss für mehr inklusive Bildung getan werden?

Um eine hoch­wertige inklusive Bildung für alle Kinder und Jugend­lichen zu gewähr­leisten, sind gemeinsame Anstrengungen von Bund und Ländern notwendig. Dazu gehören:

  • strukturelle Reformen, insbesondere inklusiv gestaltete Schulen mit ausreichender personeller, räumlicher und organisatorischer Ausstattung
  • eine verbesserte Ausbildung von Lehr­kräften im Bereich Inklusion
  • multiprofessionelle Teams an Schulen
  • kleinere Klassen
  • Verbesserungen in den Bereichen Barriere­freiheit, individuelle Förderung und digitale Unterstützung

Es bleibt also weiterhin viel zu tun, um das Ziel eines inklusiven Bildungs­systems in Deutschland zu erreichen.

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