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Studie zu schulischer Inklusion

Auch nach Inkrafttreten der UN-Behinderten­rechts­konvention ist noch viel Arbeit nötig, um ein inklusives Bildungs­system zu verwirklichen. Nach wie vor wird das Thema kontrovers diskutiert. Wie ist die Einstellung zu schulischer Inklusion heute? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert die repräsentative Studie des infas Instituts für angewandte Sozialwissenschaft im Auftrag von DIE ZEIT und Aktion Mensch aus dem Jahr 2029.

Aktion Mensch - 06.06.2019 - Rudi Cerne, Botschafter der Aktion Mensch, trifft die beiden Freunde Paul und Nick in der Ernst-Barlach-Schule in München.

Hintergrund der Studie

Am 26. März 2019 wurde die in Deutschland verabschiedete UN-BRK 10 Jahre alt. Aus diesem Anlass hat die Aktion Mensch gemeinsam mit der Wochen­zeitung DIE ZEIT und dem infas Institut für angewandte Sozial­wissenschaft eine Studie zum Thema „Schulische Inklusion“ durchgeführt.

Die repräsentative Umfrage setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Zum einen hat infas im Februar 2019 eine bevölkerungs­repräsentative Stich­probe von rund 1.500 Erwachsenen nach ihren Einstellungen zu gesellschaftlicher und schulischer Inklusion und deren Folgen befragt. In der Stich­probe waren Eltern über­proportional vertreten, darunter auch Eltern schulpflichtiger Kinder mit und ohne Inklusions­erfahrung.

Zum anderen wurden für die Studie bestehende Daten des Nationalen Bildungs­panels (NEPS) ausgewertet. Für die NEPS-Studie wurden von 2009 bis 2016 unter anderem insgesamt 11.755 Schüler*innen mehrfach befragt.

Zentrale Fragen der Studie

  • Wird die (schulische) Inklusion als wünschens­wertes Ziel in unserer Gesellschaft anerkannt?
  • Welche Erwartungen bestehen hinsichtlich der Auswirkungen von inklusivem Unterricht?
  • Wie wird die gegenwärtige Umsetzung schulischer Inklusion bewertet?
  • Wie entwickeln sich Schüler in unterschiedlichen Lern­umfeldern tatsächlich?

Studie zum Download

  • Veröffentlichung: März 2019
  • 34 Seiten
  • 10 Abbildungen und 5 Tabellen

Download Kurzfassung der Studie

Download Grafikblatt zur Studie

Auswirkungen schulischer Inklusion

Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung ist von positiven Effekten schulischer Inklusion überzeugt. Die Befragten geben an ein inklusives Schul­system

  • führe zu mehr Toleranz,
  • einem besseren Miteinander 
  • sowie zu höherer Engagement-Bereitschaft und
  • wirke sich positiv auf die Persönlichkeits­entwicklung aus.
  • Zurückhaltender wird der inklusive Unterricht jedoch dann beurteilt, wenn es um Fragen der Leistungs­förderung der Kinder geht: Lediglich 60 Prozent der Gesamt­bevölkerung sind der Meinung, dass ein inklusives Schul­system gut auf das Berufs­leben vorbereitet.

Zudem besteht die Einschätzung, dass Kinder mit unterschiedlichen Leistungs­niveaus nicht gleichermaßen gefördert werden können: Rund die Hälfte (52 Prozent) der Befragten glaubt, das besonders leistungs­starke Kinder im fachlichen Lernen gebremst werden. Bemerkenswert ist, dass Eltern, die eigene Erfahrungen mit Inklusions­schulen gemacht haben, die Leistungs­förderung in einem inklusiven Schul­system differenzierter sehen als Eltern ohne Inklusions­erfahrung.

55 Prozent der Eltern mit Inklusions­erfahrung meinen, dass ein inklusives Schul­system besonders leistungsstarke Kinder im fachlichen Lernen bremse. Dieser Meinung sind nur 47 Prozent der Eltern ohne Inklusions­erfahrung. Lediglich 48 Prozent der Eltern mit Inklusions­erfahrung erwarten eine Verbesserung der Bildungs­chancen für weniger leistungs­starke Kinder. In der Gruppe der Eltern ohne Inklusions­erfahrung liegt dieser Anteil bei 64 Prozent.

Umsetzung schulischer Inklusion

Während die Bevölkerung die Auswirkungen von inklusivem Unterricht auf das soziale Miteinander positiv einschätzt, ist sie mit Blick auf die Umsetzung schulischer Inklusion skeptischer. 40 Prozent aller Befragten bezweifeln, dass Lehrer*innen die Heraus­forderungen des Unterrichts an Inklusions­schulen bewältigen können. 57 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Lehrer*innen nicht ausreichend für die Heraus­forderungen schulischer Inklusion ausgebildet sind und 63 Prozent der Befragten meinen, dass die Klassen für inklusiven Unterricht zu groß sind. Ein weiteres Problem wird in fehlendem Personal gesehen. 55 Prozent aller Befragten sind der Ansicht, dass es an Inklusions­schulen nicht ausreichend Sozial- und Sonder­pädagog*innen sowie Schul­psycholog*innen für die Gestaltung des Unterrichts gibt. 68 Prozent der Befragten glauben sogar, dass es an den Schulen nicht genügend Lehrer*innen für die Gestaltung inklusiven Unterrichts gibt.

Drei Fragen an Christina Marx

Christina Marx ist Sprecherin der Aktion Mensch. Im Interview erklärt sie die Herausforderungen, vor denen schulische Inklusion steht und wie die Aktion Mensch sich für dieses Thema einsetzt. (Stand 2019)

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