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Inklusions­­baro­meter Jugend

Mit dem Inklusions­baro­meter Jugend legt die Aktion Mensch erstmals eine Vergleichs­studie über die Teil­habe­chancen junger Menschen zwischen 14 und 27 Jahren in Deutsch­land vor. Die Ergeb­nisse sind ernüchternd: Junge Menschen mit Beein­trächtigung haben in allen untersuchten Lebens­bereichen eine deutlich schlechtere Chance auf Teil­habe, machen häufiger Diskriminierungs­erfahrungen, und es treiben sie öfter Zukunfts­sorgen um. Auch fällt es ihnen deutlich schwerer, Freund­schaften zu schließen.

AKTION MENSCH Jugendshooting "Inklusionsbarometer Jugend" 05.05.2024 Köln ©Simin Kianmehr

Ähnliche Inter­essen, unterschiedliche Teil­habe­chancen

Über 1.400 junge Menschen wurden für die Studie in persön­lichen Inter­views befragt. Etwa die Hälfte von ihnen hat eine Beein­trächtigung. In den Ant­worten der Studien­teilnehmer*innen wird deutlich: Ihre Bedürf­nisse und Heraus­forderungen ähneln sich, unabhängig davon, ob sie eine Beein­trächtigung haben oder nicht. Jedoch sehen sich junge Menschen mit Beein­trächtigung in allen fünf untersuchten Teil­bereichen – soziale Beziehungen, Alltags­leben, Selbst­bestimmung, individuelle Ent­faltung und Diskriminierung – mit deutlich größeren Heraus­forderungen konfrontiert. So verbinden zwar junge Menschen mit und ohne Beein­trächtigung die gleichen Vor­lieben bei der Freizeit­gestaltung. Allerdings haben Erstere weniger Möglich­keiten, diese gleich­berechtigt wahr­zunehmen und dabei zu sein – beispiels­weise aufgrund des eklatanten Mangels an Barriere­freiheit. Dies gilt ebenso für ihren Schul-, Aus­bildungs- und Berufs­alltag.

Studie zum Download

Inklusions­barometer Jugend 

  • Veröffentlichung: 03.09.2024
  • 166 Seiten
  • 58 Abbildungen
  • 20 MB

Präsentation zur Studie als Kurzversion

In einer 18-seitigen Präsen­tation sind die wichtigsten Informationen zum Aufbau und den Ergeb­nissen der Studie zusammengefasst. Allen, die sich einen schnellen Überblick verschaffen wollen, bietet sie als Kurz­version einen guten ersten Eindruck.

Präsentation der Studie ansehen und herunterladen 

Im Hin­blick auf soziale Bezieh­ungen geben junge Menschen mit Beein­trächtigung als wichtigste Stütze mit 72 Prozent die Familie an. Für junge Menschen ohne Beein­trächtigung liegen dagegen Freund­schaften mit 86 Prozent auf Platz eins. Jungen Menschen mit Beein­trächtigung fällt es der Studie nach deutlich schwerer, neue Freund­schaften zu schließen, als jungen Menschen ohne Beein­trächtigung. Freund­schaften sind aber ein essenzieller Teil junger Lebens­welten, die die Persönlich­keits­entwicklung maß­geblich beein­flussen. Doch für den Aufbau von Freund­schaften ist es wichtig, dabei sein zu können, was in vielen Fällen an physischen Barrieren oder Hemmungen und Unsicher­heit scheitert. Infolge­dessen fühlen sich junge Menschen mit Beein­trächtigung mit 26 Prozent doppelt so häufig einsam, wie junge Menschen ohne Beein­trächtigung. 

Einige Ergebnisse aus der Studie

Darüber hinaus bemängelt mehr als die Hälfte, dass ihnen zu wenig zu­getraut wird – gegenüber lediglich 29 Prozent der Jugend­lichen ohne Beein­trächtigung. Das wirkt sich negativ auf das Selbst­bewusstsein und das Gefühl der Selbst­wirksamkeit aus. So glaubt die Hälfte der Befragten mit Beein­trächtigung, andere in ihrem Alter könnten viel mehr als sie selbst.

Mit ihrem Leben ins­gesamt zufrieden ist nur die Hälfte der befragten jungen Menschen mit Beein­trächtigung  – gegenüber mehr als drei Viertel derjenigen ohne Beein­trächtigung. Zudem treiben Erstere deutlich mehr Zukunfts­sorgen um.

Die Ergeb­nisse der vor­liegenden Studie zeigen: Eine gleich­berechtigte Teil­habe aller Teil­gruppen der Gen Z insgesamt sicher­zustellen, ist bislang nur un­zureichend ge­lungen. Ganz besonders gilt das im Hin­blick auf die in sich heterogene Gruppe junger Menschen mit Beein­trächtigung. Mehr als 15 Jahre nach Inkraft­treten der UN-Behinderten­rechts­konvention ein beschämendes Zeug­nis und gleich­zeitig ein Weck­ruf, Angebote für Jugend­liche endlich inklusiv zu denken. Es ist eine gesamt­gesellschaft­liche Aufgabe, alle jungen Menschen in die Gestaltung der für sie relevanten Lebens­bereiche einzubeziehen.  

Drei Wege zu mehr Teilhabe: Interview mit Gramoz Krasniqi

Gramoz Krasniqi, 28, lebt in Düsseldorf und arbeitet als Sozialarbeiter an einer inklusiven Realschule. In seiner Freizeit rappt er unter dem Namen „Rolling G“. 2023 nahm er zusammen mit Eko Fresh und Onita Boone für die Aktion Mensch den Song „Neue Wege“ auf.

Handlungsansätze und Schlussfolgerungen

Abgeleitet von den Kern­ergebnissen der Studie lassen sich Gelingens­faktoren und Handlungs­ansätze als Schluss­folgerungen für verschiedene Akteur*innen formulieren, die im Jugend­kontext tätig sind. Diese Hebel sind wichtige Faktoren für eine inklusive Gestaltung junger Lebens­welten und müssen intensiver als bislang verfolgt werden:

  • Diskriminierung vorbeugen und abbauen.
  • Inklusive Begegnung ermöglichen
  • Freizeit­angebote inklusiv und barriere­frei ausrichten
  • Bildungs­wege inklusiv öffnen und aus­bauen
  • Familien stärken und entlasten
  • (Soziale) Medien verstehen und kompetent nutzen
  • Selbst­bestimmte Lebens­führung individuell unterstützen
  • Persönlichkeits­entwicklung fördern und stärken
  • Beteiligungs­angebote jugend­gerecht gestalten

Über die Studie

Durch­geführt wurde die Studie von der Aktion Mensch in Zusammen­arbeit mit dem Sozial­forschungs­institut Ipsos Public Affairs und einem Kreis von Ko-Forschenden. Er bestand aus einer jungen, divers zusammengesetzten Gruppe von Menschen mit und ohne Beein­trächtigung im Alter der Befragten, die von der Planung bis zur Aus­wertung die Arbeit an der Studie in allen Phasen begleitet und mit­bestimmt haben. So war sichergestellt, dass die Perspektive der Beforschten von Anfang an in die Studien­entwicklung eingebunden war.

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