Wohnen mit Assistenz
Wohnen mit Assistenz ermöglicht Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden. Erfahre, wie persönliche Assistenz und technische Hilfsmittel den Alltag unterstützen, welche Assistenzmodelle es gibt und wo du Beratung sowie finanzielle Unterstützung findest.

Inhaltsverzeichnis
- Wohnen mit persönlicher Assistenz
- Welches Modell für wohnen mit Assistenz passt zu mir?
- Budgetassistenz
- Wie finde ich eine persönliche Assistenz?
- Erfahrungsberichte von Menschen, die mit Assistenz wohnen
- Digital unterstützt wohnen: Technische Hilfsmittel und Ambient Assisted Living
- Erfahrungsberichte von Menschen, die mit Hilfsmitteln und digital unterstützt wohnen
- Wie finde ich eine Wohnung für mich?
- Wo gibt es Hilfe und Beratung?
Wohnen mit persönlicher Assistenz
Je nach Schwere der Behinderung unterstützen persönliche Assistent*innen Menschen mit Behinderung bis zu 24 Stunden am Tag in allen Dingen des alltäglichen Lebens: Von der Körperpflege bis zum Einkauf, vom Putzen der Wohnung bis zur Begleitung in der Freizeit. So wird es für Menschen mit Behinderung möglich, selbstständig mit Assistenz zu wohnen. Bezahlt werden die Assistenzkräfte mit Mitteln des persönlichen Budgets. Seit dem 1. Januar 2008 gibt es in Deutschland einen Rechtsanspruch auf das Persönliche Budget für leistungsberechtigte Menschen. Wohnen mit Assistenz kannst du in der eigenen Wohnung, aber auch zum Beispiel in einer WG oder zusammen mit Partner*in oder Familie.
Es gibt zwei Möglichkeiten, mit persönlicher Assistenz zu wohnen:
- Das Arbeitgebermodell: Mit den Mitteln des persönlichen Budgets suchst du selbst Assistenzkräfte aus, stellst sie ein und bezahlst sie. Du wirst so zur Arbeitergeberin oder zum Arbeitgeber deiner Assistenzkräfte. Dieses Modell ist zwar mit einigem organisatorischen Aufwand verbunden. Aber es bietet viel Raum für Selbstbestimmung.
- Das Dienstleistungsmodell: Wenn du die organisatorische Arbeit als Arbeitgeber*in nicht machen möchtest oder kannst, kann das auch ein Hilfsdienst oder ein Verein übernehmen. Menschen mit einer geistigen Behinderung oder Menschen mit weniger Zeit entscheiden sich oft dafür. Der Hilfsdienst sucht dann die Assistenzkräfte für dich aus. Du hast dann allerdings weniger Mitspracherecht, wer deine Assistenzkräfte sein sollen.
Welches Modell für wohnen mit Assistenz passt zu mir?
Beim Abwägen, welches Assistenzmodell das richtige für dich ist, können dir diese Punkte helfen:
- Wenn du mit Assistenz wohnen möchtest, bist du oft oder sogar immer von Angestellten umgeben: Deshalb möchten sich viele Menschen mit Behinderung die Personen selbst aussuchen, die ihnen im Alltag so nahe sind. Das spricht für das Arbeitgebermodell.
- Arbeitgeber*in zu sein, bringt aber auch viel Eigenverantwortung mit sich: Du musst Assistenzkräfte suchen, Vorstellungsgespräche führen, Einsatzpläne erstellen, Gehälter überweisen, mit Ausfällen durch Krankheit rechnen und dich in die Rolle als „Chef*in“ einfinden: Traust du dir das (noch) nicht zu, spricht das für das Dienstleistungsmodell.
Budgetassistenz
Tipp: Eine Budgetassistenz kann dir helfen, das persönliche Budget zu organisieren. Du erhältst zudem Hilfe bei organisatorischen Dingen und beim Einstellen von Menschen für Wohn-Assistenz. Bezahlt wir die Budgetassistenz ebenfalls mit Mitteln des persönlichen Budgets. Mehr dazu erfährst du im Familienratgeber der Aktion Mensch.
Wie finde ich eine persönliche Assistenz?
Du kannst zum Beispiel Stellenanzeigen aufgeben oder in Assistenzbörsen suchen. Eine gute Adresse ist unter anderem assistenzboerse.de. Beratung zur Assistenz bekommst du auch bei einer EUTB-Beratungsstelle in deiner Nähe. Auch die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. (ISL) berät zum Thema persönliches Budget und Assistenz.
Erfahrungsberichte von Menschen, die mit Assistenz wohnen
Hier findest du Einblicke in den Alltag mit Assistenz:
- Anastasia Umrik auf dem Portal ze.tt: „Ich bin der Kopf, sie sind meine Hände“
- Blog von Raúl Krauthausen: Ein Leben mit Assistenz: Niemals allein? Und: Auf der Suche nach der passenden Assistenz – 11 Tipps für behinderte Menschen
- Inklusionsaktivist Linus auf jugendstrategie.de: „Selbstbestimmt leben mit persönlicher Assistenz – wie schaut das aus?“
- Erfahrungsbericht von Enable me: Leben mit persönlicher Assistenz
Digital unterstützt wohnen: Technische Hilfsmittel und Ambient Assisted Living

Technische Hilfsmittel sind neben der Wohn-Assistenz ein wichtiger Baustein, um eigenständig mit Behinderung wohnen zu können. Unter dem Stichwort „Ambient Assisted Living (AAL)“ versteht man zudem ein technisch unterstütztes Lebensumfeld. Dabei übernimmt digitale Technik viele alltägliche Aufgaben in der Wohnung oder im Haus. Einige Beispiele: Lampen, Jalousien und technische Geräte lassen sich auf Zuruf oder per Klick an- und ausschalten. AAL-Systeme können auch die Sicherheit erhöhen, zum Beispiel wenn Sensoren im Raum Stürze registrieren oder erkennen, dass es der Person offensichtlich nicht gut geht. Diese Information wird dann sofort an Rettungszentralen weitergeleitet.
In jedem Fall muss die digitale Technik an die Bedürfnisse der jeweiligen Nutzer*innen angepasst werden. So benötigen zum Beispiel manche Rollstuhlfahrer*innen u.a. selbst öffnende Türen oder Treppenfahrzeuge. Menschen mit Sehbehinderung dagegen brauchen zum Beispiel Alltagshilfen mit Sprachausgabe oder andere akustischen Signaltöne. Für kleinwüchsige Menschen muss alles gut erreichbar sein, während gehörlose Menschen unter anderem von Lichtsignalen profitieren.
Erfahrungsberichte von Menschen, die mit Hilfsmitteln und digital unterstützt wohnen
- Die gehörlose Influencerin Cindy Klink stellt im Video vier Hilfsmittel vor, die ihr ein barrierefreies Wohnen zu Hause ermöglichen.
- Room-Tour mit den Influencerinnen Fabie (blind) und Kübra (Rollstuhlfahrerin): Wie wohne ich?
- In der SWR-Sendereihe Room-Tour stellt ein junges Elternpaar aus Tübingen seine Wohnung vor. Die beiden haben nach dem Prinzip des Universal Designs Lösungen gewählt haben, die für alle praktisch sind und gleichzeitig auch noch schick aussehen.
Wie finde ich eine Wohnung für mich?

Wenn du auf der Suche nach einer passenden Wohnung mit ggfs. genügend Platz für deinen persönlichen Assistent*innen bist, gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte Nachricht: Es gibt viel zu wenig (barrierefreie) Wohnungen in Deutschland. Aktuell sind weniger als drei Prozent barrierefrei ausgestattet. Die gute Nachricht: Der Staat stellt Hilfen für die Beschaffung, den Umbau und den Erhalt barrierefreier Wohnungen zu Verfügung. In den Ländern und Gemeinden gibt es zudem zahlreiche Beratungsangebote. Meistens ist die kommunale Wohnberatung eine gute erste Adresse, um sich über Fördermöglichkeiten zu informieren. Auch Online-Immobilienbörsen wie zum Beispiel ImmoScout24 sind geeignet, um barrierefreie und behindertengerechte Wohnungen zu suchen.
Wo gibt es Hilfe und Beratung?
EUTB-Beratungsstellen
EUTB steht für „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung“. Hier können sich Menschen mit Behinderung kostenfrei beraten lassen: unter anderem zum Thema ambulant betreutes Wohnen. Die Berater*innen haben oft selbst eine Behinderung und bringen so auch ihre eigener Erfahrung ein. Gegebenenfalls vermitteln dich die EUTB-Mitarbeiter*innen an andere Beratungsstellen weiter. In Deutschland gibt es rund 500 EUTB-Beratungsstellen. Mehr Informationen findest du auf www.teilhabeberatung.de/beratung/beratungsangebote-der-eutb.
Online-Wohnberatung
Der Verein Barrierefrei Leben e.V. bietet eine Online-Beratung zum Thema Wohnen an. Barrierefrei Leben ist ein gemeinnütziger Verein, der sich für ein möglichst eigenständiges und selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Behinderungen sowie älteren und pflegebedürftigen Menschen einsetzt. Mehr Informationen findest du auf www.online-wohn-beratung.de.
Wohnberatungsstellen
Die Mitarbeiter*innen von kommunalen Wohnberatungsstellen unterstützen Menschen mit Behinderung und Pflegebedarf, die eine neue Wohnung suchen, die ihre Wohnung barrierefrei umbauen wollen oder Fragen zur Finanzierung haben. Erkundige dich bei deiner Stadt oder Gemeinde am besten nach dem Kontakt zur Wohnberatung. Eine Linksammlung für die einzelnen Bundesländern gibt es zudem auf www.online-wohn-beratung.de.
Weitere Beratung
Es gibt viele weitere Initiativen, die dich unabhängig beraten können. Zum Beispiel die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. (ISL) zum Thema persönliches Budget und Assistenz. Zur weiteren Suche für Beratung rund ums Thema Wohnen kannst du auch die Adressdatenbank des Portals Familienratgeber nutzen. Die findest du auf www.familienratgeber.de.
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