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Wohnen mit Assistenz

Wohnen mit Assistenz ermöglicht Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden. Erfahre, wie persönliche Assistenz und technische Hilfsmittel den Alltag unterstützen, welche Assistenz­modelle es gibt und wo du Beratung sowie finanzielle Unterstützung findest.

22. Mai 2024|6 Minuten Lesedauer|Stefanie Wulff
Aktion Mensch - 20180123 - Wohnmeisterei Dresden

Wohnen mit persönlicher Assistenz

Je nach Schwere der Behinderung unterstützen persönliche Assistent*innen Menschen mit Behinderung bis zu 24 Stunden am Tag in allen Dingen des alltäglichen Lebens: Von der Körper­pflege bis zum Einkauf, vom Putzen der Wohnung bis zur Begleitung in der Freizeit. So wird es für Menschen mit Behinderung möglich, selbstständig mit Assistenz zu wohnen. Bezahlt werden die Assistenzkräfte mit Mitteln des persönlichen Budgets. Seit dem 1. Januar 2008 gibt es in Deutschland einen Rechtsanspruch auf das Persönliche Budget für leistungsberechtigte Menschen. Wohnen mit Assistenz kannst du in der eigenen Wohnung, aber auch zum Beispiel in einer WG oder zusammen mit Partner*in oder Familie.

Es gibt zwei Möglichkeiten, mit persönlicher Assistenz zu wohnen:

  • Das Arbeitgeber­modell: Mit den Mitteln des persönlichen Budgets suchst du selbst Assistenzkräfte aus, stellst sie ein und bezahlst sie. Du wirst so zur Arbeiter­geberin oder zum Arbeit­geber deiner Assistenz­kräfte. Dieses Modell ist zwar mit einigem organisatorischen Aufwand verbunden. Aber es bietet viel Raum für Selbst­bestimmung.
  • Das Dienstleistungs­modell: Wenn du die organisatorische Arbeit als Arbeitgeber*in nicht machen möchtest oder kannst, kann das auch ein Hilfs­dienst oder ein Verein übernehmen. Menschen mit einer geistigen Behinderung oder Menschen mit weniger Zeit entscheiden sich oft dafür. Der Hilfsdienst sucht dann die Assistenz­kräfte für dich aus. Du hast dann allerdings weniger Mitsprache­recht, wer deine Assistenz­kräfte sein sollen.

Welches Modell für wohnen mit Assistenz passt zu mir?

Beim Abwägen, welches Assistenz­modell das richtige für dich ist, können dir diese Punkte helfen:

  • Wenn du mit Assistenz wohnen möchtest, bist du oft oder sogar immer von Angestellten umgeben: Deshalb möchten sich viele Menschen mit Behinderung die Personen selbst aussuchen, die ihnen im Alltag so nahe sind. Das spricht für das Arbeitgeber­modell.
  • Arbeitgeber*in zu sein, bringt aber auch viel Eigen­verantwortung mit sich: Du musst Assistenz­kräfte suchen, Vorstellungs­gespräche führen, Einsatzpläne erstellen, Gehälter überweisen, mit Ausfällen durch Krankheit rechnen und dich in die Rolle als „Chef*in“ einfinden: Traust du dir das (noch) nicht zu, spricht das für das Dienstleistungs­modell.

Budgetassistenz

Tipp: Eine Budget­assistenz kann dir helfen, das persönliche Budget zu organisieren. Du erhältst zudem Hilfe bei organisatorischen Dingen und beim Einstellen von Menschen für Wohn-Assistenz. Bezahlt wir die Budget­assistenz ebenfalls mit Mitteln des persönlichen Budgets. Mehr dazu erfährst du im Familienratgeber der Aktion Mensch.

Wie finde ich eine persönliche Assistenz?

Du kannst zum Beispiel Stellen­anzeigen aufgeben oder in Assistenz­börsen suchen. Eine gute Adresse ist unter anderem assistenzboerse.de. Beratung zur Assistenz bekommst du auch bei einer EUTB-Beratungsstelle in deiner Nähe. Auch die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. (ISL) berät zum Thema persönliches Budget und Assistenz.

Erfahrungsberichte von Menschen, die mit Assistenz wohnen

Hier findest du Einblicke in den Alltag mit Assistenz:

Digital unterstützt wohnen: Technische Hilfsmittel und Ambient Assisted Living

Technische Hilfsmittel sind neben der Wohn-Assistenz ein wichtiger Baustein, um eigenständig mit Behinderung wohnen zu können. Unter dem Stichwort „Ambient Assisted Living (AAL)“ versteht man zudem ein technisch unterstütztes Lebens­umfeld. Dabei übernimmt digitale Technik viele alltägliche Aufgaben in der Wohnung oder im Haus. Einige Beispiele: Lampen, Jalousien und technische Geräte lassen sich auf Zuruf oder per Klick an- und ausschalten. AAL-Systeme können auch die Sicherheit erhöhen, zum Beispiel wenn Sensoren im Raum Stürze registrieren oder erkennen, dass es der Person offensichtlich nicht gut geht. Diese Information wird dann sofort an Rettungs­zentralen weitergeleitet.

In jedem Fall muss die digitale Technik an die Bedürfnisse der jeweiligen Nutzer*innen angepasst werden. So benötigen zum Beispiel manche Rollstuhlfahrer*innen u.a. selbst öffnende Türen oder Treppen­fahrzeuge. Menschen mit Sehbehinderung dagegen brauchen zum Beispiel Alltags­hilfen mit Sprach­ausgabe oder andere akustischen Signaltöne. Für kleinwüchsige Menschen muss alles gut erreichbar sein, während gehörlose Menschen unter anderem von Licht­signalen profitieren.

Erfahrungsberichte von Menschen, die mit Hilfsmitteln und digital unterstützt wohnen

  • Die gehörlose Influencerin Cindy Klink stellt im Video vier Hilfsmittel vor, die ihr ein barrierefreies Wohnen zu Hause ermöglichen.
  • Room-Tour mit den Influencerinnen Fabie (blind) und Kübra (Rollstuhlfahrerin): Wie wohne ich?
  • In der SWR​-Sendereihe Room-Tour stellt ein junges Elternpaar aus Tübingen seine Wohnung vor. Die beiden haben nach dem Prinzip des Universal Designs Lösungen gewählt haben, die für alle praktisch sind und gleichzeitig auch noch schick aussehen.

Wie finde ich eine Wohnung für mich?

Zwei junge Frauen im E-Rolli sitzen nebeneinander in einer Wohnung

Wenn du auf der Suche nach einer passenden Wohnung mit ggfs. genügend Platz für deinen persönlichen Assistent*innen bist, gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte Nachricht: Es gibt viel zu wenig (barrierefreie) Wohnungen in Deutschland. Aktuell sind weniger als drei Prozent barrierefrei ausgestattet. Die gute Nachricht: Der Staat stellt Hilfen für die Beschaffung, den Umbau und den Erhalt barrierefreier Wohnungen zu Verfügung. In den Ländern und Gemeinden gibt es zudem zahlreiche Beratungs­angebote. Meistens ist die kommunale Wohnberatung eine gute erste Adresse, um sich über Förder­möglichkeiten zu informieren. Auch Online-Immobilien­börsen wie zum Beispiel ImmoScout24 sind geeignet, um barrierefreie und behindertengerechte Wohnungen zu suchen.

Wo gibt es Hilfe und Beratung?

EUTB-Beratungsstellen

EUTB steht für „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung“. Hier können sich Menschen mit Behinderung kostenfrei beraten lassen: unter anderem zum Thema ambulant betreutes Wohnen. Die Berater*innen haben oft selbst eine Behinderung und bringen so auch ihre eigener Erfahrung ein. Gegebenenfalls vermitteln dich die EUTB-Mitarbeiter*innen an andere Beratungsstellen weiter. In Deutschland gibt es rund 500 EUTB-Beratungsstellen. Mehr Informationen findest du auf www.teilhabeberatung.de/beratung/beratungsangebote-der-eutb.

Online-Wohnberatung

Der Verein Barrierefrei Leben e.V. bietet eine Online-Beratung zum Thema Wohnen an. Barrierefrei Leben ist ein gemeinnütziger Verein, der sich für ein möglichst eigenständiges und selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Behinderungen sowie älteren und pflegebedürftigen Menschen einsetzt. Mehr Informationen findest du auf www.online-wohn-beratung.de.

Wohnberatungsstellen

Die Mitarbeiter*innen von kommunalen Wohnberatungsstellen unterstützen Menschen mit Behinderung und Pflegebedarf, die eine neue Wohnung suchen, die ihre Wohnung barrierefrei umbauen wollen oder Fragen zur Finanzierung haben. Erkundige dich bei deiner Stadt oder Gemeinde am besten nach dem Kontakt zur Wohnberatung. Eine Linksammlung für die einzelnen Bundesländern gibt es zudem auf www.online-wohn-beratung.de.

Weitere Beratung

Es gibt viele weitere Initiativen, die dich unabhängig beraten können. Zum Beispiel die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. (ISL) zum Thema persönliches Budget und Assistenz. Zur weiteren Suche für Beratung rund ums Thema Wohnen kannst du auch die Adressdatenbank des Portals Familienratgeber nutzen. Die findest du auf www.familienratgeber.de.

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