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Was tun bei Diskriminierung und Gewalterfahrungen?

Menschen mit Behinderung sind häufig von Diskriminierung betroffen – ob auf der Arbeit, dem Wohnungs­markt oder in der Öffentlich­keit. Wir zeigen, wie du dich gegen solche Erfahrungen wehren kannst und was deine Rechte sind. 

5 Minuten Lesedauer|Marion Theisen
Aktion Mensch - 04.06.2025 - Verein ACT-e.V. - Führe Regie über dein Leben! - Berlin - Theatergruppe für Jugendliche mit Gewinnerin Hikmijeh Dünhaupt. Sie besucht heute in Berlin das Projekt: "SPOT ON". Einmal in der Woche treffen sich hier Jugendliche zum Theater-training. Dabei geht es auch um Mobbing und Ausgrenzung: Themen, die viele von ihnen selbst erlebt haben. Zwei Schauspieler der Theater-gruppe des Projektes "SPOT ON" diskutieren ihre gemeinsamen Dialoge während des Theatertrainings.

Eine abfällige Bemerkung, Benach­teiligung bei der Arbeit, fehlende Barrierefreiheit oder auch Ausgrenzung in der Schule. Für viele Menschen mit Behinderung gehören solche Erfahrungen zum Alltag. Diskriminierung und Gewalt können in unterschiedlichen Lebens­bereichen auftreten und haben oft weit­reichende Folgen: Betroffene fühlen sich verletzt, verunsichert oder ziehen sich aus bestimmten Situationen zurück.

Das Bewusstsein dafür wächst langsam, aber leider noch nicht genug, um das Problem zu lösen. Immerhin: Der Begriff „Ableismus“ wird immer bekannter. Er steht für die Benach­teiligung und Abwertung von Menschen mit Behinderung und chronischen Erkrankungen. Er leitet sich vom englischen Wort able („fähig“) ab und beschreibt die Idee, dass Menschen ohne Behinderung der gesellschaftliche Maßstab seien.  

Studien der Aktion Mensch zu Diskriminierung und Mobbing

Studien der Aktion Mensch zeigen, wie groß das Problem ist. Die Untersuchung zu „Diskriminierung als Alltagserfahrung“ zeigt: Sechs von zehn Menschen mit Behinderung haben schon Diskriminierung erlebt. In der Gesamt­bevölkerung sind es vier von zehn.  Besonders häufig berichten Betroffene von Benach­teiligungen im öffentlichen Raum, am Arbeits­platz oder im Gesundheits­system. Für mehr als ein Viertel der Befragten ist Diskriminierung sogar ein ständiges Problem.

Auch junge Menschen mit Behinderung sind häufig mit Diskriminierung konfrontiert. Die Mobbingstudie der Aktion Mensch zeigt, dass drei von vier Jugendlichen mit Behinderung schon Erfahrungen der Aus­grenzung gemacht haben. Aber die Betroffenen sprechen nur selten darüber, und die meisten setzen sich nicht zur Wehr. Gründe dafür können Angst oder Scham sein. Manche – so zeigt die Studie „Mobbing von Jugendlichen“ – haben auch das Gefühl, dass sich ohnehin nichts verändert. 

Diskriminierung und Gewalt nicht hinnehmen 

Dagmar Greskamp von der Aktion Mensch lebt selbst mit einer Behinderung und sagt: „Ich rege mich darüber auf. Aber man ist es irgendwie auch schon gewohnt: Die Leute gucken blöd; es gibt unverschämte Sprüche. An manchen Tagen habe ich nicht die Kraft, mich darauf einzulassen. An anderen Tagen wehre ich mich, indem ich es öffentlich mache.”  

Wer Diskriminierung oder Gewalt erlebt, fragt sich oft: „Was kann ich tun?”, oder „An wen kann ich mich wenden?”. Gerade wenn die Erfahrung belastend ist, kann es schwerfallen, Unterstützung zu suchen. Umso wichtiger ist es, mit den eigenen Erfahrungen nicht allein zu bleiben. Eine vertraute Person, eine Beratungsstelle, die Schwerbehindertenbeauftragten im Unternehmen oder eine Interessenvertretung können helfen, das Erlebte einzuordnen und gemeinsam nächste Schritte zu überlegen.

Je nach Situation kann es sinnvoll sein, Vorfälle zu dokumentieren. Wenn du betroffen bist, schreib auf, was passiert ist, wann und wo es passiert ist, wer beteiligt war und ob es Zeug*innen gibt. Du kannst auch eine Beschwerde einreichen oder rechtliche Möglichkeiten prüfen. Welche Schritte möglich und sinnvoll sind, hängt immer vom Einzelfall ab.

Mehr Informationen auf dem Familien­ratgeber

Der Familien­ratgeber der Aktion Mensch bietet ausführliche Informationen zu verschiedenen Formen von Diskriminierung und Gewalt. Außerdem werden Möglichkeiten aufgezeigt, sich zu wehren. Auf dem Familien­ratgeber gibt es zum Beispiel Infos zu diesen Themen:

Die eigenen Rechte kennen

Menschen mit Behinderung haben ein Recht auf Gleichbehandlung und Schutz vor Benachteiligung. Wer seine Rechte kennt, kann selbstbewusster entscheiden, wie mit einer Diskriminierungserfahrung umgegangen werden soll.

Die wichtigsten Gesetze in diesem Zusammenhang:

  • Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Es schützt Menschen mit Behinderung vor Benachteiligung und Diskriminierung, vor allem im Arbeitsleben und bei privaten Rechtsgeschäften.  
  • Das Strafgesetzbuch (StGB) regelt die Rechtslage bei körperlicher und sexueller Gewalt sowie bei schweren Bedrohungen.  
  • Außerdem können sich Betroffene bei Diskriminierung und Gewalterfahrung auf das Grundgesetz (GG) berufen. Es steht für den Schutz der Menschenwürde und die Gleichheit vor dem Gesetz.  
  • Das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) setzt das Benachteiligungsverbot des Grundgesetzes in die Praxis um.  
  • Die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK). Sie fordert unbedingte Teilhabe und Schutz vor Ausgrenzung.  

Unterstützung finden

Niemand muss Diskriminierung oder Gewalt akzeptieren. Beratungs­stellen unterstützen dabei, die eigene Situation zu verstehen, Handlungs­möglichkeiten zu entwickeln und passende Hilfen zu finden. 

Hier findest du Hilfe:

Diskriminierung und Gewalt dürfen nicht zur Normalität werden. Der erste Schritt ist es, über die eigenen Erfahrungen zu sprechen und sich Unterstützung zu holen. Wer seine Rechte kennt und Hilfe findet, kann sich besser gegen Benach­teiligung wehren und die eigene Selbst­bestimmung stärken.

Eine Aufgabe für die ganze Gesellschaft

Ein diskriminierungs­freies Miteinander ist vor allem eine gesamt­gesellschaftliche Aufgabe. Es braucht ein besseres Verständnis für die Situation von Menschen mit Behinderung und mehr Bildung zum Thema „Diskriminierung“ und „Respekt“. Das meint auch Dagmar Greskamp, denn: „Wer Erfahrungen mit Menschen mit Behinderung hat, hat meistens keine Berührungs­ängste und Vorurteile mehr“. Staat, Gesellschaft und Bildungs­einrichtungen müssen die Aufgabe gemeinsam angehen. Denn nur durch passende Aufklärung und Sensibilisierung sowie durch mehr Barrierefreiheit kann eine inklusive Gesellschaft entstehen.