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Mehrere Kinder stehen nebeneinander und klatschen in die Hände.

Inklusive Kita: Gemeinsames Lernen

Projekt FRED in Gütersloh

Wie gelingt der Übergang von der Kita in die Grundschule für Kinder mit und ohne Förderbedarf am besten? Das Projekt „FRED“ der Lebenshilfe Gütersloh zeigt, wie wertvoll die Zusammenarbeit ganz verschiedener Fachleute und Bildungseinrichtungen dabei sein kann. Kinder mit und ohne Förderbedarf spielen und lernen dabei gemeinsam.

5 Minuten Lesedauer
Name der Einrichtung:
Kita Teismannsweg in Gütersloh
Kinder mit und ohne Förderbedarf bis zum Schuleintritt
Zielgruppe:
Träger:
Stadt Gütersloh
Besonderheit:
Inklusive Betreuung in Kooperation mit der Lebenshilfe Gütersloh

Ein ganz normaler Vormittag in der Kita Teismannsweg in Gütersloh. Mehr als 50 Kinder toben im Außengelände herum oder spielen, basteln und lernen drinnen zwischen Puppenzimmer, Kreativraum und Bauecke. Die meisten haben einen Migrationshintergrund. Viele kommen aus armen Elternhäusern. Auch einige Kinder mit Behinderung spielen mit.

Für sechs Jungen und Mädchen ist heute ein besonderer Tag. Ortrud kommt! Und mit ihr die grüne Handpuppe FRED, der Frosch. Ortrud Fechtel ist Mitarbeiterin der Lebenshilfe Gütersloh und hat wieder eine tolle Spielidee dabei. „Kennst Du ein Körperteil?“ fragt sie die Kinder nach dem Begrüßungslied. Hände schnellen hoch. Ein Bein! Ein Kopf! Ein Kleid! „Und was ist unter dem Kleid, Sarah?“ Sarah mag erst mal nichts mehr sagen. Macht nichts. Aus vielen bunten Körperteil-Magneten entsteht an der Tafel allmählich das Bild eines Menschen. Alle Kinder machen begeistert mit, kramen in der Kiste mit den bunten Magneten, kleben ein Teil an die Wand und bestimmen, wer als nächstes dran sein darf. Auch Sarah ist mit Eifer dabei und vergisst, dass sie ja eigentlich nichts mehr sagen mochte.

Inklusion in kleinen Gruppen

Ein Kind in der Kita klebt eine bunte Figur auf eine Leinwand.

Foto: Julia Sellmann

In der Sprache der Pädagogen ist das, was Ortrud Fechtel und Melanie Bittner, Erzieherin in der Kita Teismannsweg, mit den Kindern machen, ein „Inklusives Gruppenangebot Wahrnehmung und Sprachbildung“. In kleiner Gruppe lernen die Kinder mit ihren ganz unterschiedlichen Stärken und Fähigkeiten von- und miteinander. So werden sie gestärkt in ihrer sprachlichen Entwicklung und der Wahrnehmung ihrer selbst.

Das Angebot ist Teil des Inklusionsprojekts FRED, mit dem die Lebenshilfe in den vergangenen drei Jahren mehr als 160 Kinder zwischen drei und sieben Jahren in Kitas, Schulen und in offenen Ganztagseinrichtungen in Gütersloh und Umgebung erreicht hat. In kleinen Gruppen mit Kindern mit und ohne Behinderung ging es spielerisch um Themen wie soziales Lernen, Sprache, Medienkompetenz oder künstlerisches Gestalten.

„Aus unseren Kontakten mit Eltern von Frühförderkindern und aus dem Offenen Ganztag wussten wir, dass Kindern der Zugang in eine neue Gruppe oft nicht leicht fällt“, sagt Stephanie Borghoff, Bereichsleiterin Frühförderung bei der Lebenshilfe. „Die volle Zugehörigkeit zur jeweiligen Kindergruppe ist jedoch eine wesentliche Voraussetzung für eine positive Entwicklung und für gute Bildungschancen von Kindern.“ Nicht nur für Kinder mit Behinderung, Entwicklungsverzögerung oder Sprachbarrieren sind die gemeinsamen Gruppenerlebnisse bereichernd. Jedes Kind macht in seinem Tempo mit. Jedes Kind ist an­ders. Jedes Kind kann etwas anderes. Alle lernen voneinander. Je früher das für alle selbstverständlich ist, desto inklusiver wird die Gesellschaft.

Inklusive Angebote in Kita, Grundschule und Offenem Ganztag

In den vergangenen drei Jahren knüpfte das FRED-Team Kontakte zu Bildungseinrichtungen und zu Eltern in und um Gütersloh. Die Mitarbeiter*innen entwickelten passgenaue inklusive Module und gingen mit den Angeboten in den Alltag von Kita, Grundschule und Ganztag hinein. Immer mit dabei: der grüne Frosch als Maskottchen und Wiedererkennungszeichen, benannt nach dem Kinderbuch „Fred, der Frosch, und eine Schule für alle“ von Wiltrud Thies.

Und so macht FRED seit mehreren Jahren in Kitas, Schulen und im Offenen Ganztag (OGS) die Runde – zur Freude der Kinder. Theaterspiele, Experimente, kreative Angebote wie Tanz und Projekte, die Teamarbeit und Kooperationsfähigkeit stärken: FRED hat viele Facetten. Und die Kinder sollen mitreden, mitentscheiden und gestalten können.

Mitbestimmung in der Kita

Ein Mädchen und ein Junge im Vorschulalter sitzen auf dem Fußboden und lachen.

Um Mitbestimmung geht es auch beim heutigen Gruppenangebot mit Ortrud Fechtel in der Kita Teismannsweg. „Wie hat es Dir heute gefallen? So richtig gut und Daumen hoch? Oder war es eher schlecht und Daumen runter?“ fragt Ortrud Fechtel zum Schluss. Jedes Kind kann entscheiden und Feedback geben. Ein Daumen nach dem anderen geht hoch. Und am Ende kleben sechs lächelnde grüne Smileys an der Magnettafel.

Nicht nur bei den Kindern, auch bei ihren Eltern kommt FRED gut an. Eine Elternbefragung der Lebenshilfe ergab, dass das Projekt nach ihrer Einschätzung das Selbstbewusstsein, Sprachvermögen, die Motorik und sozialen Fähigkeiten der Jungen und Mädchen sehr positiv beeinflusst hat.

Dass die Module von FRED weiter genutzt werden, ist gewollt. Auch die Zusammenarbeit zwischen den Pädagog*innen und einzelnen Einrichtungen soll weitergehen. „Auf dem Weg in Richtung Inklusion ist es wichtig, dass die Professionen voneinander lernen“, sagt Ortrud Fechtel von der Lebenshilfe. „Genauso wichtig ist es, dass sich die Bildungseinrichtungen an den Bedarfen der Kinder orientieren.“ Je besser sich interne und externe Fachleute austauschten, desto besser funktioniere das. „Die Erfahrungen, die wir hier machen, sind ein Schatz für alle Beteiligten“, sagt sie.

Selbstbewusstsein der angehenden Schulkinder stärken

Erfahrungen aus der frühen Förderung auch in den Primarbereich weitergeben, damit alle Kinder gut in der Schule ankommen, ist ein weiteres Ziel des Projekts. Gelungen ist eine solche „Transitionsbegleitung“ unter anderem an der Blücherschule in Gütersloh. Kinder aus ganz verschiedenen Herkunftsfamilien und Nachbarschaften besuchen die Grundschule in Zentrumsnähe. Für das FRED-Kunstprojekt „Gut ankommen und bleiben“ wählte das Team sechs Erstklässler aus – manche eher schüchtern und noch ohne Anschluss in der neuen Schule, andere eher laut und extrovertiert. Mit Ortrud Fechtel und Anna Berg, Mitarbeiterin der OGS, wuchs die Gruppe rasch zusammen und gestaltete gemeinsam ein Kunstwerk. Die Collage zeigt das Schulgebäude, das eingerahmt wird von plastischen Figuren der beteiligten Kinder. Eine bunte, runde Sache. Und scheinbar nebenbei hat FRED den Kindern wertvolle Impulse gegeben für ihr Selbstbewusstsein, für den Umgang mit Unsicherheiten und für ihre neue Rolle als Schulkind.

Buchtipp

Das barrierefreie Kinderbuch „Die Bunte Bande - Das gestohlene Fahrrad“ versammelt drei verschiedene Lesearten in einem einzigen Buch: Alltagssprache, Leichte Sprache und Brailleschrift. Zudem ist das Buch besonders gestaltet: Schriftgröße, Farbgebung und Illustrationen sind den unterschiedlichen Lese- und Kommunikationsmöglichkeiten von Kindern mit Lernschwierigkeiten, Sehbehinderung oder mit geringen Deutschkenntnissen angepasst.

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