Paralympics
Leistungssport und Motor für Inklusion
Nach Olympia ist vor den Paralympics. Die Paralympics sind zwar keine inklusiven Wettkämpfe, doch sie treiben Inklusion voran: Die Spiele, indem sie das Thema Barrierefreiheit in den Austragungsorten fördern. Die Sportler*innen, indem sie durch Leistung und Präsenz in den Medien dabei helfen, Vorurteile und Berührungsängste beim Publikum abzubauen. Die Paralympionik*innen werden zu Vorbildern und Mutmachern und inspirieren Menschen auf der ganzen Welt. Drei Expert*innen erklären, warum die Paralympische Spiele ein Motor für Inklusion sind.

Para-Schwimmerin Maike Schwarz

Maike Schwarz ist Silbermedaillengewinnerin in Rio über 50 Meter Freistil und gehört zum Kader des deutschen Para-Schwimm-Teams.
„Die Bedeutung der Paralympics für Inklusion ist nicht zu unterschätzen. Seit einigen Jahren gibt es ein großes Medieninteresse. Die Spiele finden auf einem sehr hohen, professionellen Niveau statt. Eigentlich gibt es keinen wesentlichen Unterschied zwischen dem olympischen und dem paralympischen Sport. Beide Seiten haben den gleichen Ehrgeiz, sie trainieren genauso viel und genauso hart. Nur die Voraussetzungen sind etwas anders. Dadurch nehmen die Menschen den Para-Sport ernster, der Respekt in der Öffentlichkeit nimmt zu und Berührungsängste verschwinden. Wichtig ist auch die Bedeutung von sportlichen Vorbildern. Wenn man als junger Mensch diese Vorbilder sieht, will man ihnen nacheifern.“
Sportwissenschaftler Thomas Abel

Thomas Abel hat eine Paralympics-Professur an der Deutschen Sporthochschule Köln.
„Ich sehe die Paralympics als wichtiges Ereignis für den inklusiven Sport, weil sie Lust auf Begegnung machen. Sie tragen dazu bei, die mitleidige Haltung gegenüber Menschen mit Behinderung abzubauen und die Dynamik zu verändern: Man redet von Faszination, Respekt, Spannung, von allen Emotionen des Sports. Kinder und Jugendliche sehen die Paralympics im Fernsehen und fühlen sich inspiriert, wollen mit dem Sport beginnen oder fangen an, sich dem Thema zu öffnen. Ob Inklusion gelingt oder nicht, ist für mich nicht davon abhängig, ob Athlet*innen mit und ohne Behinderung im Rahmen der Olympischen Spiele bei gemeinsamen Wettkämpfen gegeneinander antreten, sondern davon, ob ein Kind mit Behinderung, das gerne Tischtennis spielen möchte, beim Tischtennisverein um die Ecke willkommen geheißen wird.“
Sozialwissenschaftlerin Sina Eghbalpour

Sina Eghbalpour lehrt Theorien, Konzepte, Methoden Sozialer Arbeit an der Katholischen Hochschule NRW.
„In einer Studie zur Wahrnehmung der Paralympics, die ich im Vorfeld der Spiele 2024 in Paris durchgeführt habe, zeigt sich: Die Paralympics haben einen signifikanten Einfluss auf die gesellschaftliche Wahrnehmung und Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigung. Über 60 Prozent der Befragten Bevölkerung mit und ohne Behinderung sind der Meinung, dass die Paralympischen Spiele die Inklusion in der Gesellschaft fördern. Zudem sehen mehr als 70 Prozent der Befragten die Spiele als wichtigen Beitrag gegen Diskriminierung von Menschen mit Beeinträchtigung. Dabei trägt die erhöhte Sichtbarkeit von Para-Sportler*innen laut den Befragten dazu bei, Diskriminierung und stereotype Gesellschaftsbilder abzubauen. Die befragten Paralympionik*innen selbst fühlen sich dagegen noch nicht ausreichend wahrgenommen. Nach wie vor sehen sie eine klare Hierarchisierung zwischen den Olympischen Spielen und den Paralympics. Da es logistisch kaum möglich ist, die Olympischen und die Paralympischen Spiele zusammenzulegen, würde ich mir zumindest eine gemeinsame Eröffnungs- und Abschlussfeier wünschen. Das würde beide Veranstaltungen anders rahmen und den Inklusionsgedanken stärken.“
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