Fördergelder akquirieren
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Fördermittel für soziale Projekte zu sichern – doch wo beginnen? Seit mehr als 115 Jahren fördert der Bonner Hildegardis-Verein Frauen in Studium und Beruf.
Geschäftsführerin Birgit Mock erklärt in diesem Beitrag die zehn Schritte für die Finanzierung von Projekten.

In zehn Schritten Fördergelder akquirieren
Schritt 1: Überprüfe deine Idee
Am Anfang jedes Projekts steht die gute Idee. Aber ist diese Idee wirklich neu? Trägt sie zu einer Verbesserung bei? Und wie sehen das die Menschen, die nachher im Mittelpunkt des Projekts stehen? Prüfen Sie diese Punkte möglichst frühzeitig. Und beziehen Sie Ihre Zielgruppe ab sofort in alle Planungen mit ein. Denn sonst haben sie zwar eine Lösung, aber bei der Zielgruppe gibt es womöglich keinen wirklichen Bedarf dafür.
Schritt 2: Finde die passende Förderorganisation
Finden Sie eine Förderorganisation, die Ihre Ziele teilt. Die Aktion Mensch zum Beispiel fördert Projekte für Menschen mit Behinderung, für Kinder und Jugendliche und Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten. Der Förderfinder leitet die Projektmacher*innen zum passenden Förderangebot. Bei Bedarf gibt es auch jetzt schon eine persönliche Beratung von Expert*innen der Aktion Mensch. Mitglieder der Spitzenverbände der Aktion Mensch sollten sich aber zunächst an diese wenden: Das sind die Arbeiterwohlfahrt (AWO), der Deutsche Caritasverband, der Paritätische Wohlfahrtsverband, das Deutsche Rote Kreuz (DRK), die Diakonie, die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland und das ZDF.
Schritt 3: Definieren Sie Ziele und Zielgruppen
Bei der Antragstellung ist es wichtig, Ziele und Zielgruppe Ihres Projekts zu benennen. Im digitalen Antragssystem (DIAS) der Aktion Mensch können Sie sich direkt anmelden und loslegen. Dort führt sie das System Schritt für Schritt. Wenn Sie Fragen haben, erreichen Sie die Mitarbeiter*innen aber auch gut telefonisch. Bei anderen Förderorganisationen schickt man die Anträge per Mail oder auch mit der Post. Hier ist es manchmal sinnvoll, eine schriftliche Skizze vorauszuschicken. Zum Beispiel wenn es gerade keine passende Ausschreibung gibt. Denn auch Initiativ-Förderanträge haben manchmal Erfolg.
Schritt 4: Übernimm wichtige Schlüsselbegriffe
Bei jeder Förderorganisation kann man online oder in Flyern nachlesen, welche Ziele sie verfolgen und was ihnen dabei wichtig ist. Schlüsselbegriffe, die zum Beispiel in den Förderrichtlinien stehen und die mit dem eigenen Projekt im Einklang stehen, kann und sollte man in den Antragstext einbauen. Erklären Sie, welche Bedeutung zum Beispiel „Partizipation“ oder „Inklusion“ in Ihrem Projekt haben und wie Sie diese Anliegen umsetzen wollen.
Schritt 5: Suche das Gespräch
Wenn einmal klar ist, was Sie erreichen wollen, in welchem Zeitraum und für welche Zielgruppe: Schreiben Sie im ersten Anlauf einfach drauflos. „Falsch“ gibt es im Antrag für Fördermittel nicht. Es kommt aber vor, dass die Förder-Organisation auf bestimmte Punkte bezogen nachfragt und um Klärung bittet. Wegen solcher Dinge werden Anträge aber nicht sofort abgelehnt. Man kann im Antragstext nacharbeiten und idealerweise dazu im Gespräch bleiben, bis alles klar ist.
Finanzierung und Ressourcen planen
Mehr Informationen zu Fördermöglichkeiten und zur Ressourcenplanung findest du in unserem „Praxishandbuch Inklusion“.
Schritt 6: Öffentliche Fördermittel vor privaten
Wenn es für dein Projekt passende öffentliche Förderungen gibt, dann stell zuerst dafür einen Antrag. Die privaten Organisationen fördern nur solche Projekte, die nicht öffentlich gefördert werden können. Überlege also, ob es zum Beispiel ein Ministerium auf Bundes- oder Landesebene gibt, das ähnliche Ziele verfolgt wie du. Suche und pflege den Kontakt dorthin. Meist kann man bei Ministerien nur dann Förderanträge stellen, wenn es entsprechende Ausschreibungen gibt. Es gibt aber auch Beispiele, in denen proaktive Förderanträge erfolgreich waren.
Schritt 7: Finanzplan präzise ausarbeiten
Wie viel kostet eine Veranstaltung, die Barrierefreiheit, die Dokumentation, die Grafik? Für viele dieser Posten gibt es öffentliche Standards, zum Beispiel für Reisekosten und Verpflegung. Bei anderen kann man leicht recherchieren, zum Beispiel bei den Kosten für Säle, Hotels oder Catering-Firmen. Kniffelig wird es bei den Personalkosten: Wenn man etwa mit Honorarkräften arbeitet oder jemand aus dem festen Team plötzlich kündigt und man nicht so schnell Ersatz bekommt. Berechne die Kosten vor Projektbeginn sehr präzise und bleibe dann bei Unvorhergesehenem mit dem Fördergeber im Gespräch.
Schritt 8: Für den Eigenanteil weitere Partner suchen
Bei den meisten Förderprojekten müssen die Projektpartner etwa zehn Prozent aus eigenen Mitteln bezahlen. Im InklusionsGuides-Projekt des Hildegardis-Vereins sind das 35.000 Euro. Das ist für einen gemeinnützigen Verein viel Geld. Der Verein hat sich dafür erfolgreich an eine private Stiftung gewandt und einen Teil aus der Vereinskasse gezahlt. Außerdem zahlen die Firmen, die von den InklusionsGuides beraten werden, einen gewissen Beitrag dafür.
Schritt 9: Beziehungen nutzen
Durch die Anträge und Kooperationen entstehen wichtige Kontakte für die Zukunft. Durch den Kontakt und die Zusammenarbeit entsteht Vertrauen. Der Austausch und der kurze Dienstweg bleiben oft auch nach den Projekten bestehen. Und durch die Beratungen bekommt man wertvolle Einblicke und wichtige Tipps. Ein Beispiel für die Kraft von Beziehungen: Das erste Projekt des Hildegardis-Vereins mit der Aktion Mensch war kurz und lief über vier Monate. Das jetzige umfasst drei Jahre.
Schritt 10: Nicht aufgeben, wenn es nicht sofort klappt!
Es lohnt sich, mit den Anträgen einfach loszulegen. Bisher waren alle Förderanträge des Hildegardis-Vereins bei Ministerien, der Aktion Mensch und bei privaten Stiftungen erfolgreich. Investiere die Zeit. So kannst du auch für die Zukunft wichtige Kontakte für Kooperationen knüpfen. Und wenn es beim ersten Mal nicht klappt, dann klappt es sicher beim nächsten Mal!


