Projekte kooperativ planen

Echte Beteiligung von der Planung bis zur Umsetzung

Zwei Frauen unterhalten sich in Gebärdensprache und ein Mann ischaut zu.

Kooperative Projektplanung ist eine partizipative Arbeitsmethode. Sie bezieht alle Menschen ein, die für den Erfolg eines Projekts wichtig sind: beispielsweise aus Politik, Verwaltung, Verbänden, Wirtschaft, Wissenschaft und vor allem aus der Zielgruppe. Die kooperative Projektplanung ist damit eine Form der echten Partizipation.

Menschen aus den Zielgruppen bringen als Lebenswelt-Expert*innen ihre Bedürfnisse und Ideen von Anfang an gleichberechtigt ein. Lebenswelt-Expert*innen bedeutet: Sie sind Expert*innen in eigener Sache. Sie wissen selbst am besten, was ihre Probleme sind und was sie brauchen. Gemeinsam mit Entscheider*innen aus Politik und Verwaltung und mit Expert*innen aus Sozialverbänden suchen sie nach Ursachen von Problemen und entwickeln Lösungsideen. Und: Sie setzen sie auch mit um. Vor allem der letzte Punkt unterscheidet die kooperative Planung von vielen anderen Methoden der Partizipation.

Bei Kommune Inklusiv arbeiten die Projektteams in einigen Kommunen zurzeit gemeinsam mit den Prozessbegleiter*innen mit der kooperativen Planung. Wir stellen Ihnen diese Methode Schritt für Schritt vor, damit auch Sie Projekte kooperativ planen können.

Kooperative Planung braucht Zeit: erfahrungsgemäß sechs bis neun Monate, manchmal auch ein Jahr. Außerdem braucht kooperative Planung engagiertes Personal. Der Einsatz lohnt sich in jedem Fall. Die bisherigen Erfahrungen zeigen: Projekte, die kooperativ geplant werden, sind erfolgreicher. Denn: Die Zielgruppen akzeptieren die Maßnahmen und Angebote. Außerdem werden sie in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt. Sie erfahren, dass sie etwas bewegen können.

Erfolgreich werden kooperativ geplante Projekte auch dadurch, dass Entscheidungsträger*innen daran mitwirken. Also diejenigen, die über Gesetze, Verordnungen und Geld entscheiden. Im besten Fall machen sie das Projekt zu ihrem eigenen und unterstützen es weiter. Berufliche Profis wiederum lernen während des Prozesses, auch künftige Angebote wirkungsvoll zu planen.

Schritte auf dem Weg zu echter Beteiligung

Icon einer Glühbirne

Es gibt neben der kooperativen Planung viele weitere Methoden, Bürger*innen zu beteiligen. Einige sind in kürzerer Zeit und mit weniger Personal umzusetzen. Sie stellen gute Schritte auf dem Weg zur echten Partizipation dar.

Mehr lesen Sie im "Infoblatt: Methoden der Partizipation (PDF)".

Je nach Thema und Zielgruppe können folgende Akteur*innen für die kooperativen Planung wichtig sein:

  • Politische Vertreter*innen mit Einfluss und Entscheidungsmacht
  • Entscheider*innen aus den Fachbereichen, beispielsweise aus der Kommunalverwaltung, aus der Wirtschaft und aus Sozialverbänden
  • Berufliche Expert*innen aus den jeweiligen Themenbereichen, mit Fachwissen, Praxiserfahrung und mit Zugang zu Menschen aus der Zielgruppe. Beispielsweise Mitarbeiter*innen aus dem Sozial- oder Gesundheitsamt, Integrations- und Inklusionsbeauftragte, Mitarbeiter*innen von Sozialverbänden, Sport- oder Kulturvereinen, Mitarbeiter*innen in Quartiersbüros
  • Menschen aus den Zielgruppen als Lebenswelt-Expert*innen. Sie sollten in ihrer Community akzeptiert und gut vernetzt sein. Für ihre Teilnahme erhalten sie eine Aufwandsentschädigung.
  • Idealerweise: Expert*innen aus der Wissenschaft, alternativ: Prozessbegleiter*innen

Besetzen Sie Projektleitung und Moderation mit erfahrenem Personal:

Projektleitung:

Gracia Schade sitzt im Rollstuhl, dahinter steh Annette Hambach-Spiegler.

Die kooperative Projektplanung braucht jemanden, der oder die während des gesamten Prozesses die Fäden in der Hand hält, das Netzwerk aufbaut und pflegt, die Arbeitsgruppen betreut. Diese Projektleitung kann eine Person aus der Organisation oder Institution übernehmen, die den Prozess angestoßen hat - beispielsweise ein*e Mitarbeiter*in eines Sozialverbands oder der Kommunalverwaltung. Es kann dafür auch eine externe Prozessbegleitung engagiert werden.

Möglich ist auch, dass sich eine interne Projektleitung aus einem Sozialverband oder aus der Verwaltung bei der ersten kooperativen Projektplanung durch eine professionelle Prozessbegleitung unterstützen lässt. Beim zweiten Mal kann sie den Prozess im besten Fall selbst organisieren und begleiten.

Mehr zum Thema Prozessbegleitung lesen Sie auch im Kapitel „Der hilfreiche Blick von außen“.

Moderation:

Gefordert ist hier eine erfahrene Moderation, die das Machtgefälle zwischen den Entscheidungsträger*innen und beruflichen Profis auf der einen und den Lebenswelt-Expert*innen auf der anderen Seite ausgleicht. Sie muss parteiisch sein für die Lebenswelt-Expert*innen. Das bedeutet nicht, dass sie allem zustimmt, was die Lebenswelt-Expert*innen sagen. Sie hat jedoch die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Menschen aus den Zielgruppen in den Sitzungen auf Augenhöhe mitdiskutieren können, dass die professionellen Akteur*innen ihnen zuhören und ihre Meinung akzeptieren. Die Moderation muss die Menschen aus den Zielgruppen gegebenenfalls gezielt ansprechen und sie bei der Gesprächsführung unterstützen. Auf der anderen Seite muss sie die Profis bremsen und sich trauen, der Bürgermeisterin oder dem Unternehmenschef wenn nötig zu sagen: Stopp, genug geredet! Die Moderation vereinbart zu Beginn der Zusammenarbeit mit beiden Seiten gemeinsame Gesprächsregeln. Die Erfahrung zeigt: Am besten ist es, wenn eine externe Person die Moderation übernimmt. Das kann beispielsweise auch die Prozessbegleitung sein.

Anleitung für die kooperative Projektplanung

Zwei Frauen laufen auf die Kamera zu, eine Frau hat einen Blindenführhund dabei

Der Prozess der kooperativen Planung kann bis zu einem Jahr dauern. Doch er lohnt sich immer. Wir beschreiben die einzelnen Schritte. 

Anleitung zur kooperativen Projektplanung lesen