Wissenschaftlicher Beirat

Der Zukunftskongress wird von einem Expertenbeirat aus Fachleuten unterschiedlicher Themen- und Forschungsgebiete begleitet. Der Beirat unterstützt die Aktion Mensch bei der inhaltlichen Ausrichtung und Evaluierung des Kongresses.

Mitglieder des Beirats

Jun. Prof. Dr. Ingo Bosse

Portrait Jun. Prof. Dr. Ingo Bosse

Inhaber des Lehrstuhls für körperliche und motorische Entwicklung an der Fakultät für Rehabilitationswissenschaften der Universität Dortmund
http://www.fk-reha.tu-dortmund.de/Koerperbehinderten/cms/de/Lehrstuhl/index.html

Jun. Prof. Dr Ingo Bosse leitet das Lehrgebiet Körperliche und Motorische Entwicklung, an der TU Dortmund, Forschungscluster Technology for Inclusion and Participation. Seine Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind zielgruppenspezifische und inklusive Medienbildung sowie Bewusstseinsbildung und Barrierefreiheit in Sinne der UN BRK. In diesen Fragen berät Prof. Bosse zahlreiche Institutionen wie die Bundesbehindertenbeauftragte oder die Landschaftsverbände NRW. Er ist Sprecher der Fachgruppe Inklusive Medienbildung der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) und Träger des Lehrpreises der TU Dortmund 2013.

Was müsste sich in Ihrem Bereich verändern, damit eine inklusive Gesellschaft im Jahr 2025 Wirklichkeit ist?

"Die uneingeschränkte Teilhabe aller Personen, die bisher noch Ausgrenzungserfahrungen machen, bedeutet einen großen Mehrwert für Alle. Das Bewusstsein über die Vorteile von Inklusion muss aber noch breiter verankert werden. Hier können und sollen die Medien eine Vorreiterfunktion einnehmen. Zugleich ist das Potenzial von Medienbildung in der Unterstützung von Inklusions- und Partizipationsprozesse noch längst nicht ausgeschöpft. 2025 sollte sie daher selbstverständlich zur Aus- und Weiterbildung in pädagogischen Berufsfeldern gehören."

Barbara Brokamp

Portrait Barbara Brokamp

Projektbereichsleitung der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft, Bonn
www.montag-stiftungen.de/jugend-und-gesellschaft

Barbara Brokamp ist Projektbereichsleiterin für Inklusion bei der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft in Bonn. Zuvor war sie in der Schulentwicklungs- und Schulleitungsberatung, als Lehrerin an unterschiedlichen Schulformen und als Dozentin in der Lehrer/innenaus- und Fortbildung an der Universität zu Köln tätig. Ihre Schwerpunktthemen sind vor allem inklusive Begleitungen von Veränderungsprozessen in Bildungseinrichtungen und kommunalen Zusammenhängen. Barbara Brokamp ist Mitautorin des Praxishandbuchs „Inklusion vor Ort – Der Kommunale Index für Inklusion“ und der Neuen Fassung des adaptierten deutschsprachigen Index für Inklusion für Bildungseinrichtungen. Sie hat zahlreiche Beiträge und Artikel zum Themenfeld Inklusion veröffentlicht und ist Mitglied in der Jury des Jakob Muth-Preises sowie anderer Fachbeiräte.

Was müsste sich in Ihrem Bereich verändern, damit eine inklusive Gesellschaft im Jahr 2025 Wirklichkeit ist?

"Es muss bis dahin selbstverständlich sein, inklusive Werte ernst zu nehmen und sich an ihnen messen zu lassen. Solche Werte können zum Beispiel sein: versteckte Potenziale von Menschen sichtbar machen, Vielfalt würdigen, mit Spaß und Humor Prozesse gestalten, Offenheit und Transparenz zeigen. Das gilt intern und extern, auf allen Ebenen: in der Auseinandersetzung mit mir selbst, im Umgang mit anderen, innerhalb eines Teams, bei der Vernetzung mit anderen und in Bezug zu globalen Herausforderungen."

Prof. Dr. Christian Bühler

Portrait Prof. Dr. Christian Bühler

Inhaber des Lehrstuhls für Rehabilitationstechnologie der Universität Dortmund
www.reha-technologie.de

Christian Bühler arbeitet als Professor für Rehabilitatonstechnik an der Fakultät Rehabilitationswissenschaften der TU Dortmund. Er befasst sich mit der Nutzung moderner Technologien für Menschen mit Behinderungen in Forschung und Lehre. Zudem leitet er die Agentur Barrierefrei NRW am Forschungsinstitut Technologie und Behinderung der Evangelischen Stiftung Volmarstein (FTB), ein An-Institut der TU Dortmund und der Fernuniversität Hagen. Prof. Bühler ist als Experte in zahleichen Gremien tätig, u.a. im Inklusionsbeirat des Landes Nordrhein-Westfalen und in Fachgremien der Europäischen Union. Seine spezielle Expertise liegt bei der Nutzung moderner Technologien im Bereich Behinderung sowie der Barrierefreiheit und dem universellen Design, das allen Menschen eine problemlose Nutzung von Produkten, Umgebungen oder Systemen ermöglichen soll.

Was müsste sich in Ihrem Bereich verändern, damit eine inklusive Gesellschaft im Jahr 2025 Wirklichkeit ist?

"Universelles Design ist die herrschende Herangehensweise bei Entwurf, Entwicklung, Planung und Design. Alle Anbieter berücksichtigen umfassende Barrierefreiheit. Dazu enthält die Ausbildung aller Berufe die Themen Heterogenität und alternative Nutzungsweisen. Geeignete Hilfsmittel (auch Gegenstände des täglichen Lebens) können unabhängig von der Lebenslage für die Nutzer kostenfrei bezogen werden. Die Anpassung der Hilfsmittel erfolgt weitgehend automatisch. Die Verbände der Menschen mit Behinderung sind im Prozess verantwortlich beteiligt."

Cornelia Daheim

Portrait Cornelia Daheim

Head of International Projects bei Z_punkt, einem international tätigen Beratungsunternehmen für strategische Zukunftsfragen
www.z-punkt.de

Cornelia Daheim ist Head of International Projects bei Z_punkt, einem international tätigen Beratungsunternehmen für strategische Zukunftsfragen, das Unternehmen und Institutionen mit Trendwissen und Methoden für langfristige Planung und Innovation unterstützt. Zuletzt veröffentlichte sie beispielsweise die Studie zur Zukunft der Arbeit „Future of Jobs and Skills 2030“ für die UK Commission for Jobs and Skills. Sie arbeitet seit 15 Jahren in der angewandten Zukunftsforschung und betreut Projekte für Schlüsselkunden und im internationalen Rahmen. Ihr inhaltlicher Schwerpunkt liegt auf Trends im gesellschaftlichen Wandel.
Seit 2003 leitet sie als Gründerin und Chair den German Node des Millennium Projects, des größten internationalen Foresight-NGO, das jährlich den „State of the Future Report“ zu aktuellen Zukunftsperspektiven veröffentlicht. Die Aktion Mensch unterstützte Sie bei einem Projekt zu Trends im Umfeld von Inklusion.

Was müsste sich in Ihrem Bereich verändern, damit eine inklusive Gesellschaft im Jahr 2025 Wirklichkeit ist?

"Generell müsste sich der Blick auf Vielfalt ändern: Vielfalt als Bereicherung. In der strategischen Vorausschau, bei der wir Unternehmen und Institutionen unterstützen, zeigen sich viele Möglichkeiten, die eine inklusivere Gesellschaft vorantreiben können. Solche Chancen sehe ich zum Beispiel in der Digitalisierung aller Lebensbereiche, oder in neuen intermodalen Verkehrssystemen und neuen Wohnformen. Hier würde ich mir eine engere Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft und Unternehmen wünschen, damit diese Möglichkeiten zu realen Zukünften werden."

Dr. Albert E. Frieder

Portrait Dr. Albert E. Frieder

Fachrat und Advisory Board Member des Center for Disability and Integration sowie Initiant des "Club of Responsible Leaders" am Institut für Wirtschaftsethik, beides an der Universität St. Gallen, Schweiz
www.myhandicap.ch

Dr. Albert E. Frieder ist Fachrat und Advisory Board Member des Center for Disability and Integration sowie Initiant des "Club of Responsible Leaders" am Institut für Wirtschaftsethik, beides an der Universität St. Gallen. Er hat 35 Jahre Erfahrung in der Leitung renommierter, internationaler Management-Consulting-Unternehmen sowie im Business-, Corporate- und Management-Development von Firmen, Organisationen und Behörden. Er war unter anderem Vorsitzender der Geschäftsleitung des Malik Management Zentrums St.Gallen, des Schweizerischen Dachverbandes für Behindertensport und Präsident des Swiss Paralympic Committee.

Was müsste sich in Ihrem Bereich verändern, damit eine inklusive Gesellschaft im Jahr 2025 Wirklichkeit ist?

"Der Ausblick in eine ferne Zukunft birgt immer die Gefahr einer linearen Fortschreibung aktueller Phantasien und konventioneller Zukunftsvorstellungen. Diesem Makel kann sich wohl auch die folgende Hypothese nicht entziehen: Responsible Leadership und Ability Management, das heisst, die wirkungsvolle Erschliessung von besonderen Fähigkeiten und Stärken von Menschen in Beruf, Politik und Ausbildung werden im Zentrum unseres Denkens und Handelns stehen. Sie sind gleichsam Garant für Inklusion und Schlüssel zum Erfolg schlechthin. Handicaps und Schwächen von Menschen darf man zwar durchaus kennen, aber nicht, um sie zu eliminieren oder gar zu sanktionieren, sondern um sie zu kompensieren. Dies ist weder Vision noch Wunschtraum, sondern eine künftige Haltung und Erfolgsvoraussetzung - spätestens im Jahr 2025."

Matthias Gräßlin

Portrait Matthias Gräßlin

Leiter der Theaterwerkstatt Bethel, Bielefeld
www.theaterwerkstatt-bethel.de

Matthias Gräßlin leitet seit 1994 die Theaterwerkstatt Bethel in Bielefeld. Dort initiierte er das Volxtheater ("Theater aus dem Volk und für das Volk") als inklusive Arbeitsweise. Seit 1998 sind hieran auch Menschen mit komplexen Behinderungen aktiv beteiligt. Parallel arbeitet er als Dozent für kulturelle Bildung und ist Lehrbeauftragter der FH Bielefeld und der FH der Diakonie. Er entwickelt Konzepte zwischen Kunst und sozialem Prozess. Das gilt für die Inszenierung von Stücken oder theatralen Interventionen im öffentlichen Raum ebenso wie für Bildungsveranstaltungen, Organisationsentwicklung oder Kommunikationsberatung. In seiner freien künstlerischen Ausbildung mit den Schwerpunkten Theater, Masken, Bewegung und Performance zählten dem gelernten Erzieher und Diplom-Sozialpädagogen Christoph Riemer, Katya Delakova, Augusto Boal und Yoshi Oida zu seinen wichtigsten Lehrern.

Was müsste sich in Ihrem Bereich verändern, damit eine inklusive Gesellschaft im Jahr 2025 Wirklichkeit ist?

"Inklusion gelingt nur durch einen Paradigmenwechsel von radikalem Ausmaß. Über viele Generationen eingeführte kulturelle Prinzipien der Selektion und Separation müssen hierzu aufgegeben werden. In einer inklusiven Gesellschaft wird niemand in vorgegebene soziale Systeme eingeordnet. Stattdessen sind alle daran beteiligt immer wieder neu Systeme zu bilden, die es jedem einzelnen Menschen ermöglichen das persönliche Potential zu entfalten und sich - alle bereichernd - einzubringen."

Adina Hermann

Portrait Adina Hermann

Adina Hermann, Kommunikations-Designerin bei den Sozialhelden
www.sozialhelden.de

Adina Hermann ist Kommunikations-Designerin. Seit Ende des Studiums an der Hamburger Akademie für Kommunikationsdesign und Art Direction arbeitet sie bei den Sozialhelden in Berlin. Der Verein sensibilisiert seit zehn Jahren für gesellschaftliche Probleme und will zum Umdenken bewegen. Dabei stehen die Belange von Menschen mit Behinderung im Mittelpunkt. Adina Hermann ist sowohl für die Printmedien als auch für die Internetpräsenz verantwortlich. Sie engagiert sich für Projekte, die gesellschaftliche Themen und Probleme aufgreifen. Sie ist aber auch freiberuflich tätig.

Was müsste sich in Ihrem Bereich verändern, damit eine inklusive Gesellschaft im Jahr 2025 Wirklichkeit ist?

"Inklusion muss noch viel alltäglicher werden - sie darf nicht nur bei der Eröffnung eines Fußballspiels zelebriert werden, sondern muss jeden Tag stattfinden. Wenn es normal wird, dass im Kindergarten, in der Schule und auf der Arbeit Menschen mit und ohne Behinderungen zusammentreffen, dann sind wir auf dem richtigen Weg."

Prof. Dr. Andreas Hinz

Portrait Prof. Dr. Andreas Hinz

Professor für Allgemeine Rehabilitations- und Integrationspädagogik der Universität Halle-Wittenberg
www.reha.uni-halle.de/arbeitsbereiche/allgemeine_rehapaedagogik/hinz

Dr. Andreas Hinz ist Professor für Allgemeine Rehabilitations- und Integrationspädagogik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Er ist Mitglied im Expertenkreis "Inklusive Bildung" der Deutschen UNESCO-Kommission. Auf einem Stiftungsgelände für gemischtes Wohnen in Hamburg groß geworden, arbeitete er als Zivildienstleistender mit Kindern mit sehr komplexen Behinderungen und hohem Pflegebedarf. Nach dem Studium der Sonderpädagogik und 16 Jahren Wissenschaftlicher Begleitung von Modellversuchen zur Integration im Grundschulbereich in Hamburg hat er in internationalen Forschungsprojekten zur praktischen Umsetzung von Inklusion mitgewirkt, den Inklusionsbegriff in Deutschland in die Fachdiskussion eingeführt und mit seiner Frau Ines Boban den deutschen "Index für Inklusion" für Schulen herausgegeben sowie am „Kommunalen Index für Inklusion“ der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft mitgearbeitet.

Was müsste sich in Ihrem Bereich verändern, damit eine inklusive Gesellschaft im Jahr 2025 Wirklichkeit ist?

"Inklusion ist 2025 zum tragenden Element der Pädagogik im schulischen Bereich geworden. Dabei haben Bildungspolitik und -verwaltung begriffen, dass sie mit dem verkürzten sonderpädagogischen Begriff einen großen innovationsstrategischen Fehler gemacht haben. Nun setzt sich jede Schule mit der Frage auseinander, wie sie mit Unterschieden zwischen Lernenden umgeht und das gibt einen großen Schub für die Entwicklung des Schulsystems insgesamt. In der - mittlerweile stufenbezogen strukturierten Lehrerbildung ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Inklusion sich als Querschnittsthema durch die Bildungswissenschaft und die Fachdidaktiken zieht."

Dr. Karl-Heinz Imhäuser

Portrait Dr. Karl-Heinz Imhäuser

Vorstand der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft
www.montag-stiftungen.de/jugend-und-gesellschaft

Dr. Karl-Heinz Imhäuser ist Vorstand der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft, einer eigenständigen gemeinnützigen Stiftung im Verbund der Montag Stiftungen in Bonn. Getragen von einer inklusiven Grundhaltung engagiert sie sich für die Gestaltung eines Gemeinwesens, in dem alle Menschen gleichberechtigt teilhaben können. Karl-Heinz Imhäuser war zwanzig Jahre Lehrer an Förder-, Haupt- und Realschulen und hat neben seiner wissenschaftlichen Forschungs- und Lehrtätigkeit an Hochschulen und Landesinstituten auch eine Ausbildung zum Feldenkraislehrer und zum Trainer für „Selbstorganisiertes Lernen“ absolviert. Er ist mitverantwortlich für die Herausgeberschaft der Reihe „Inklusive Pädagogik“ im Beltz Verlag und Mitglied des Expertenkreises „Inklusive Bildung“ der Deutschen UNESCO-Kommission e. V. Bonn.

Was müsste sich in Ihrem Bereich verändern, damit eine inklusive Gesellschaft im Jahr 2025 Wirklichkeit ist?

"Die gegenseitige Verantwortung füreinander muss zentrale gesellschaftliche Steuerungsform werden. Sie muss die Dominanz der gegenwärtig immer noch als selbstverständlich akzeptierten Steuerungsform „der Markt regelt alles“ relativieren. Das gelingt dann, wenn eine breite Mehrheit der Menschen in ihren Gemeinwesen, Kommunen und Quartieren ein Konzept und damit verbundene Regeln vorfindet, die ein gemeinsames, koordiniertes inklusives Handeln als Individuum und/oder Gruppe ermöglichen."

Raúl Krauthausen

Portrait Raúl Krauthausen

Aktivist für Inklusion und Glasknochenbesitzer, Gründer und Vorstand des Verein Sozialhelden e.V., Berlin
www.leidmedien.de und www.sozialhelden.de

Raúl Aguayo-Krauthausen ist Aktivist für Inklusion und Glasknochenbesitzer. Er gründete den Verein Sozialhelden, dessen Vorsitzender er ist und (mit-)initiierte zahlreiche Projekte wie wheelmap.org, eine Online-Karte zum Suchen, Finden und Markieren rollstuhlgerechter Orte weltweit, Leidmedien.de, eine Internetseite mit Hinweisen für Journalistinnen und Journalisten zur Berichterstattung über Menschen mit Behinderungen.
Er studierte Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste in Berlin sowie Design Thinking an der School of Design Thinking des Hasso Plattner Instituts an der Universität Potsdam. Er engagiert sich für die Kommunikation zwischen Unternehmen und Vereinen und modernen Aktivismus in der Welt.

Was müsste sich in Ihrem Bereich verändern, damit eine inklusive Gesellschaft im Jahr 2025 Wirklichkeit ist?

"Ich würde mich sehr freuen, wenn wir endlich aufhören zwischen “wir” und “ihr” zu unterscheiden. Eine inklusive Gesellschaft bringt allen Menschen was und nicht nur Menschen mit Behinderungen. Ein Aufzug kann von jedem genutzt werden, genau wie in einer inklusiven Schule alle Schüler und Schülerinnen profitieren. Auch die hochbegabten bekämen die Unterstützung, die sie benötigen. Finanzierungstöpfe sollten deswegen auch nicht nur für Menschen mit Behinderungen gedacht werden, sondern es sollten allgemein mehr Gelder für eine kooperative statt konkurrierende Gesellschaft zur Verfügung stehen."

Matthias Lindemann

Portrait Matthias Lindemann

Accessibility Competence Center der Siemens AG, Paderborn

Matthias Lindemann ist als IT Consultant bei der Corporate Technology (CT), einem Forschungs- und Entwicklungszweig der Siemens AG, im Accessibility Competence Center (ACC) in Paderborn beschäftigt. Das Aufgabengebiet der CT umfasst die Erforschung, Entwicklung und Markteinführung von hoch innovativen Hard- und Softwarelösungen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie. Sein Arbeitsumfeld ist geprägt durch eine enge Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnern aus Wissenschaft und Industrie.
Die Schwerpunkte seiner mehr als 15-jährigen Tätigkeit im ACC liegen in der Anforderungsanalyse und der Beratung zur barrierefreien Gestaltung von Benutzerschnittstellen unter besonderer Berücksichtigung der Standards und aktuellen assistiven Technologien. Dies beinhaltet ebenfalls die Begleitung des Entwicklungsprozesses, die Evaluierung der Ergebnisse sowie im Besonderen die spezifische Schulung von Nutzern mit Behinderungen. Darüber hinaus ist Herr Lindemann bei der Durchführung von nationalen und internationalen Forschungsprojekten wie z.B. MaxiMMI, ARGUS, CONTACT, CaMeLi sowie diverser kommerzieller Projekte tätig.
Über seine fachliche Qualifikation hinaus ist er aufgrund einer Sehbehinderung im Speziellen für die Identifizierung und Umsetzung barrierefreier Anforderungsprofile sensibilisiert. Dieses bringt er gezielt in die Beratung, Schulung und in die Kommunikation mit behinderten Kunden und Partnern ein und steigert so deren Selbstständigkeit im beruflichen und privaten Umfeld nachhaltig.

Was müsste sich in Ihrem Bereich verändern, damit eine inklusive Gesellschaft im Jahr 2025 Wirklichkeit ist?

"Ich habe als Selbstbetroffener lernen müssen, dass sich der Prozess der Inklusion nur langsam und sehr behutsam entwickelt, da er viel zu komplex ist, um das anvisierte Ziel einer inklusiven Gesellschaft schnell erreichen und gleichzeitig allen individuellen Ansprüchen gerecht werden zu können. Unterstützende Gesetze, regulierende Standards und komfortable assistive Technologien bieten als Eckpfeiler sicherlich eine geeignete Infrastruktur, um die inklusive Entwicklung zu beschleunigen. Doch sind die wichtigsten Bausteine für ein nachhaltiges und erfolgreiches Gelingen eher menschliche Faktoren wie Toleranz, Akzeptanz, Eigeninitiative sowie die Motivation aller Beteiligten, das Besondere im Anderen entdecken zu wollen und diese Vielfalt auch für die eigenen Lebensbereiche wertschätzen zu lernen. Meine Branche, der Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien, verfolgt hier bereits den richtigen Ansatz: heutzutage wird Technologie nicht mehr nur für, sondern wirklich mit den Menschen entwickelt und dies mit dem speziellen Fokus auf Barrierefreiheit, was eine besondere Sensibilisierung aller Beteiligten für die Lebenssituation dieser Zielgruppe nach sich zieht. Das Thema „inklusive Gesellschaft“ ist so für viele Menschen bereits ein wichtiger Bestandteil ihres täglichen Arbeitsumfelds geworden."

Prof. Dr. Klaus Miesenberger

Portrait Prof. Dr. Klaus Miesenberger

Stellvertretender Vorstand des Instituts Integriert Studieren der Universität Linz, Österreich
www.jku.at/iis

Prof. Dr. Klaus Miesenberger ist stellvertretender Vorstand des Instituts Integriert Studieren an der Johannes Kepler Universität in Linz. Das Institut unterstützt Studierende mit Behinderungen in der Inklusion an der Universität. Als Teil des Fachbereiches Informatik lehrt und forscht das Institut und Prof. Miesenberger in den Bereichen barrierefreie Web- und Softwareentwicklung, Mensch-Maschine Kommunikation und Assistierende Technologien. Seine wissenschaftlichen Arbeiten, unter anderem in mehr als 75 internationalen Projekten, sind in mehr als 180 Publikationen dokumentiert. Prof. Miesenberger ist für die wissenschaftliche Konferenz ICCHP (International Conference on Computers Helping People with Special Needs) verantwortlich. Er war Präsident und leitet das Büro von AAATE (Association for the Advancement of Assistive Technology in Europe). Er gründete und leitet den Verein bookAccess, der barrierefreie Schülbücher produziert. Er ist Initiator und Vorsitzender des Vereins ICC (International Camp on Communication and Computers, der seit 1993 Jugendliche mit Behinderungen in jährlichen Camps auf neue Technologien und Studium vorbereitet.

Was müsste sich in Ihrem Bereich verändern, damit eine inklusive Gesellschaft im Jahr 2025 Wirklichkeit ist?

"Die Menschen müssen sich ändern! Wenn das Bewusstsein für die Notwendigkeit, die Chance und den Nutzen der Inklusion zunimmt, werden die vorhandenen Rahmenbedingungen (Politik, Gesetze, Standards, Werkzeuge, Bildung) genutzt und mit der Nutzung immer weiter verbessert. Das bedeutet für meinen Bereich, dass 2050 Barrierefreiheit von Software und Web-Anwendungen (ist dann ja eins das selbe) selbstverständlich ist. Und jeder Mensch hat natürlich die Assistierenden Technologien, um mit anderen und der mit Technik durchsetzen Umgebung kommunizieren zu können."

Tobias Marczinzik

Portrait Tobias Marczinzik

Projektmanager von PIKSL bei IGL gGmbH Düsseldorf
www.piksl.net

Tobias Marczinzik ist Projektmanager bei "In der Gemeinde leben gGmbH". Nach Abschluss seiner Ausbildung zum Werbekaufmann, studierte er an der Fachhochschule Düsseldorf und am Birmingham Institute of Art and Design (BIAD) Kommunikations- und Markendesign. Bereits während seines Studiums war Tobias Marczinzik als wissenschaftlicher Mitarbeiter unter anderem für die Volkswagen AG tätig. Seit 2010 arbeitet der Designer für die In der Gemeinde leben gGmbH in Düsseldorf und leitet das Projekt PIKSL. PIKSL bedeutet "Personenzentrierte Interaktion und Kommunikation für mehr Selbstbestimmung im Leben“. Das Projekt bringt Menschen mit und ohne Behinderungen zusammen, um durch Inklusion digitale Barrieren abzubauen und digitale Teilhabe zu verwirklichen.

Was müsste sich in Ihrem Bereich verändern, damit eine inklusive Gesellschaft im Jahr 2025 Wirklichkeit ist?

"Menschen mit und ohne Behinderung setzen sich im Projekt PIKSL das Ziel, barrierearme Lösungen im Bereich von Informations- und Kommunikationstechnik zu entwickeln und der digitalen Teilhabe den Weg zu bereiten. In diesem Kontext sind es Menschen mit Behinderungen, die als Experten in eigener Sache, Barrieren mit denen sie täglich konfrontiert werden, benennen und Expertise besitzen, die zu passgenauen Lösungen führt. Eine inklusive Gesellschaft wird zukünftig Fähigkeiten von Menschen mit Behinderungen noch viel stärker als bisher anerkennen und nutzen. Fokussieren wir heute vordergründig die Einschränkungen von Menschen mit Behinderung, so werden wir in einer inklusiven Gesellschaft die Ressourcen jedes Einzelnen zum Thema machen. Der Weg dahin, führt über Begegnung auf Augenhöhe, das Kennenlernen unterschiedlicher Lebenswelten und den damit verbundenen Abbau von Vorbehalten."

Prof. Dr. Beate Rudolf

Portrait Prof. Dr. Beate Rudolf

Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte, Berlin
www.institut-fuer-menschenrechte.de

Prof. Dr. Beate Rudolf ist Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte, der unabhängigen nationalen Menschenrechtsinstitution Deutschlands gemäß den Pariser Prinzipien der UNO. Seit 2009 ist auch die Monitoring-Stelle zur UN-Behindertenrechtskonvention am Institut angesiedelt. Zuvor war Beate Rudolf sechs Jahre als Juniorprofessorin für Öffentliches Recht und Gleichstellungsrecht am Fachbereich Rechtswissenschaft der Freien Universität Berlin tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Menschenrechte und ihr Schutz nach internationalem Recht, Europarecht und deutschem Verfassungsrecht. In ihrer über zwanzigjährigen Tätigkeit in Forschung und Lehre engagierte sie sich auch in der Menschenrechtsarbeit, unter anderem im Direktorat für Menschenrechte des Europarats, als Vertreterin von Beschwerdeführern vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte sowie ehrenamtlich innerhalb des Deutschen Juristinnenbundes und der European Women Lawyers Association, deren Vizepräsidentin sie bis Ende 2011 war.

Was müsste sich in Ihrem Bereich verändern, damit eine inklusive Gesellschaft im Jahr 2025 Wirklichkeit ist?

"Jeder Mensch hat das Recht, überall mittendrin dabei sein zu können, so wie er ist - unabhängig von einer Beeinträchtigung, der Herkunft, dem Aussehen, dem Geschlecht, der sexuellen Orientierung, dem Alter, der Religion oder anderem. Das ist Inklusion aus menschenrechtlicher Sicht. Die Politik muss erkennen, dass es ihre Aufgabe ist, die Voraussetzungen für Inklusion zu schaffen. Wir alle sind aufgerufen, Inklusion einzufordern und zu leben. Dafür müssen wir Vorurteile überwinden und Privilegien aufgeben - - - und gewinnen alle."

Peter Tiedeken

Musiker bei der Band „Station 17“, Hamburg
www.17rec.de/artists.htm

Prof. Dr. Elisabeth Wacker

Portrait Elisabeth Wacker

Inhaberin des Lehrstuhls für Diversitätssoziologie an der Fakultät für Sport und Gesundheitswissenschaften der TU München
www.professoren.tum.de/de/wacker-elisabeth

Elisabeth Wacker ist Professorin für Diversitätssoziologie an der TU München und forscht zu den Themen Umgang mit sozialer Ungleichheit, Vielfalt und Verschiedenheit bei Beeinträchtigung und Behinderung in der Gesellschaft sowie Wandel der Versorgungssysteme und Sozialpolitik (Inklusion, Partizipation, Disability Mainstreaming). Gastprofessuren führten sie 2008/2009 nach Wien und 2011 nach Pingtung und Taipei (Taiwan). Frau Wacker ist Fellow der Max-Planck-Gesellschaft und leitet die Fachgruppe „Wandel der Sozialsysteme und Teilhabe bei Behinderung. Strukturen, Maßnahmen und Wirkungen von Prävention, Rehabilitation und Gesundheitsentwicklung“ am Max Planck Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik, München. Seit 2011 ist sie Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats zum Bericht der Bundesregierung über die Lebenslagen von Menschen mit Behinderung (Teilhabebericht). Studiert hat sie Theologie, Philosophie und Soziologie an der Universität Tübingen.