Technologieentwicklung und digitale Kommunikation

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Digitaler Wandel, soziale Netzwerke und Apps vernetzen, beschleunigen und vereinfachen das Verhältnis von Mensch und Technik. Auf das Individuum zugeschnittene Informationen werden zur Regel, und bald gibt es Kleidung mit digitalen Endgeräten und Autos, deren Bordcomputer dem Fahrer assistiert oder Aufgaben komplett übernimmt. Wir kommunizieren mit intelligenten, vernetzten Gebrauchsgegenständen und Wohnräumen, physische Mobilität und Präsenz sind in vielen Lebensbereichen nicht mehr zwingend nötig, die Erhebung und Auswertung von Daten wird zu einer hart umkämpften Währung. Zugleich erhöht sich der Wert von Technik: Nur wer sie besitzt und sie bedienen kann, nimmt an der Gesellschaft teil. Wie weit liegen Chancen und Risiken einer digitalen Gesellschaft auseinander? Was geschieht mit denen, die nicht davon profitieren?

Folgende Themenaspekte vertieft der Kongress in einzelnen Workshops:

Inklusion durch Technik. Die neue Welt der digitalen Hilfsmittel

Intelligente Ortungs- und Orientierungsdienste speziell für Menschen mit Behinderung scheinen allerorten in der Testphase zu sein. Zahlreiche Hilfsmittel lassen sich durch Smartphones, Tablets und Computer ersetzen – für deutlich weniger Geld als traditionelle Hilfsmittel. Und diese Entwicklung ist noch längst nicht ausgereizt. Was wird noch alles möglich werden? Wann kommt der computergenerierte Avatar, der automatisch zwischen Laut- und Gebärdensprache übersetzen kann?

Warum digitale Barrierefreiheit für alle immer wichtiger wird

In der Welt von morgen wird es entscheidend sein, nicht nur überhaupt Zugang zum Internet zu haben, sondern dessen Angebotsfülle auch ohne Barrieren nutzen zu können. Das ist für Daten in privater Hand noch wichtiger als für öffentliche Dienste, denn das tägliche Online-Leben findet nicht auf den Seiten der Stadtverwaltung statt, sondern bei sozialen Medien und auf aktuellen Nachrichtenseiten. Dort wird über Teilhabe am sozialen Leben und damit über digitale Inklusion oder Exklusion entschieden. Bisher sind Standards für Barrierefreiheit in Deutschland nur für die öffentliche Hand verbindlich. Und selbst diese Regeln blenden die Bedürfnisse von Menschen mit Lernschwierigkeiten weitgehend aus. Regelt diese Fragen auch zukünftig der Markt? Was ist mit Menschen, die nur geringen Marktwert und Marktmacht haben? Welche Strategien könnten (private) Entscheider an den Schaltstellen des Netzes davon überzeugen, „Daten für alle“ als wichtiges Thema wahrzunehmen?

Du bist nicht allein. Digitale Beziehungspflege als Motor für Empowerment

Wer zu den „digital natives“ gehört, kommuniziert anders als die vorherige Generation, knüpft seine/ihre Beziehungsnetze online – auch über große Entfernungen hinweg – und nutzt neue Formen, um sich auszutauschen, zu engagieren oder seine/ihre Interessen zu vertreten. Dies wird weiter zunehmen. Das Netz macht es leichter als je zuvor, Menschen mit den gleichen Interessen oder den gleichen Problemen zu finden. Es kann gesellschaftlichen Gruppen ebenso wie Einzelnen eine ungeahnte Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit für ihre Situation geben. Welche Beziehungen werden uns zukünftig wichtig sein? Sind unsere besten Freunde online oder offline? Auf wen vertrauen wir? Wer beeinflusst unser Denken und Handeln?

Fremdsteuerung oder Selbstbestimmung – die "digitalreale" Welt von morgen

Einen „Datenschatten“ hat schon heute fast jeder – ob er davon weiß oder nicht. Unter dem Stichwort „Big Data“ wird das Surf- und Einkaufsverhalten im Netz von großen Werbenetzwerken automatisch analysiert. Mit dem „Internet der Dinge“, in dem auch Alltagsgeräte, Fahrzeuge und Infrastruktur vom E-Werk über Fabriken bis zu Fahrstühlen vernetzt werden, entsteht eine neue Dimension. Nicht nur für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen könnte das hilfreich sein. Andere Szenarien rufen eher Befürchtungen vom Ende jeder Privatsphäre hervor. Welche Chancen und Risiken sind für unser zukünftiges Handeln ausschlaggebend? Was bedeutet in diesem Kontext Transparenz?

Die technologische Transformation der Arbeitswelt

Digitalisierung macht vor keiner Branche halt, darüber hinaus verändert Digitalisierung auch die Arbeitsprozesse selbst. Kontrollieren heute noch Menschen die Computersysteme, ist absehbar, dass künftig zunehmend Computer die Arbeit von Menschen kontrollieren. Wie wird die Arbeitswelt der Zukunft aussehen? Machen Robotik und Digitalisierung große Teile der bisherigen Arbeitsleistung überflüssig? Welche Folgen haben solche Aussichten für eine Gesellschaft, die Anerkennung bisher weitgehend über Teilhabe am Arbeitsleben definiert (und einen beträchtlichen Teil ihrer Ausgaben über die Besteuerung von Arbeit finanziert)? Schwinden für Menschen mit Behinderung die letzten Möglichkeiten, überhaupt einen Job zu finden, oder verbessern sich durch den Fachkräftemangel ihre Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt?

Inklusive Grenzen des technologischen Wandels

Bei aller Euphorie ob der jetzigen und künftigen technologischen Möglichkeiten für Menschen mit Behinderung bleibt die Frage: Ist Technik die Lösung für alles? Oder findet damit schleichend und unbemerkt eine Verlagerung der Verantwortung für Inklusion statt, weg von der Gemeinschaft, hin zum Einzelnen und seiner Ausstattung mit den aktuellen Gadgets? Wird Inklusion durch die Möglichkeiten der Technik umfassend in der Gesellschaft verankert, oder wird die Grenze zwischen den Inkludierten und den Exkludierten nur ein Stück weiter verschoben?

Über alle Workshops und Referentinnen und Referenten informieren wir Sie sukzessive in der Rubrik „Programm“.