Selbstbestimmtes Leben in sozialen Räumen und Beziehungen

Selbstbestimmtes Leben in sozialen Räumen und Beziehungen

Digitalisierung, Individualisierung und demografischer Wandel verändern den sozialen Raum. Umso barrierefreier Kommunikation, Verkehr und Infrastruktur, Wohnen und Freizeit sind, umso selbstbestimmter kann der einzelne Mensch leben. Engagement und politische Partizipation finden, unterstützt von digitalen Anwendungen, vermehrt situativ und im unmittelbaren Interessensraum statt. Die Voraussetzungen für Inklusion sind dabei in Stadt und Land unterschiedlich. Urbane Zentren entwickeln sich zu Orten der Vielfalt, wo verschiedenste Kulturen, Lebensentwürfe, Wohnformen, Mobilitätskonzepte und Generationen aufeinandertreffen, während strukturschwache ländliche Regionen stark altern und mit Bevölkerungsschwund und Mittelknappheit kämpfen. Wie und wo werden wir in Zukunft leben?

Folgende Themenaspekte vertieft der Kongress in einzelnen Workshops:

Sozialraum inklusiv – Quartiersentwicklung für die Zukunft

Inklusion bedeutet, dass Menschen mit Behinderung ihren Aufenthaltsort frei wählen und entscheiden können, wo und mit wem sie leben wollen. Die Folge: Mehr gemeindenahe Wohnformen und Unterstützungsdienste müssen angeboten werden. Barrierefreiheit als Grundvoraussetzung für Inklusion erstreckt sich auf den Abbau von baulichen, aber auch kommunikativen Barrieren. Was bedeutet das zukünftig für die Städte und Gemeinde mit Quartiersentwicklungen der Zukunft? Wie müssen Sozialräume in Stadt und Gemeinde gestaltet sein, damit alles für alle zugänglich ist? Welche Akteurinnen und Akteure sind gefragt? Welche Möglichkeiten der Partizipation gibt es für Menschen mit Behinderung an örtlichen Planungsprozessen? Wie können Inklusion und Sozialraum zu einem gemeinsamen, gleichberechtigten und wechselseitigem Miteinanderleben führen?

Wie selbstbestimmt werden wir zukünftig leben können?

Selbstbestimmt leben heißt, das eigene Leben gestalten zu können und dabei die Wahl zwischen Alternativen zu haben, ohne in die Abhängigkeit von anderen zu geraten. Selbstbestimmung bedeutet an vielen Stellen aber möglicherweise auch Überforderung und Erfahrung der eigenen Grenzen. Wie werden Unterstützungssysteme der Zukunft aussehen? Welche Szenarien von Überforderung sind vorstellbar und wie lässt sich diesen vorbeugen?

Wie viel Mobilität braucht unsere Gesellschaft?

Nur wer mobil ist, wird auch zukünftig Teil unserer Gesellschaft sein. Dies bedeutet, dass sich die Konzepte für räumliche Mobilität (der barrierefreie Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln oder das Angebot von Carsharing-Modellen auch für umgerüstete Fahrzeuge) genauso weiterentwickeln müssen wie die Assistenzleistungen, die für Mobilität notwendig sind, oder auch der Zugang zu Informations- und Serviceleistungen. Ist eine nachhaltige Mobilität, die wirtschaftliche Kreisläufe und gesellschaftliche Teilhabe gleichermaßen fördert, vor allem auch unter dem Aspekt der Mobilitätsgerechtigkeit, möglich? Inwieweit befördert der Anspruch auf immer größere Mobilität eine inklusive Gesellschaft und wo bremst sie auch Menschen aus?

Das bürgerschaftliche Engagement von morgen

Engagierte Menschen sind die Triebfeder der Inklusion, doch die Art und Weise des Engagements wandelt sich: Werden sich in Zukunft die Menschen nur noch per Mausklick engagieren? Bietet diese Art des Engagements vielleicht sogar mehr Möglichkeiten für Menschen mit Behinderung, sich zu engagieren? Oder reicht das nicht aus, um die Gesellschaft hin zu mehr Inklusion und Menschlichkeit zu verändern? Was bedeutet diese Entwicklung für das Engagement und Menschen mit Behinderung?

Einfach für alle: Design, Sprache und Kommunikation

Wo Menschen mit Behinderung auf Barrieren stoßen, bleibt ihnen in der Folge die Teilhabe am kulturellen und politischen Leben, an der Arbeitswelt und in der Freizeit verwehrt. Dies gilt in vielen Fällen auch für ältere Menschen. Barrierefreiheit eröffnet neue Möglichkeiten der Teilhabe und überdies neue Marktchancen. Es gibt immer mehr Bücher in Leichter Sprache, barrierefreies Internet ist kein Fremdwort mehr und auch Designer haben dieses Feld für sich entdeckt. Sie entwickeln Produkte, die möglichst vielen Menschen nutzen und ihnen mehr Selbstständigkeit ermöglichen – durch das sogenannte „universelle Design“. Müssen wir in zwanzig Jahren über das Thema überhaupt noch sprechen?

Begegnung inklusiv - Freiräume miteinander gestalten

Menschen wollen ihre Freizeit nach ihren Bedürfnissen und Interessen gestalten, gerade weil Freizeit ein großes Selbstbestimmungspotenzial birgt. Freizeit ist ein Raum der Freiwilligkeit, inkludierende und exkludierende Entscheidungen liegen dort eng beieinander. Viele Freizeitangebote sind auf die Teilhabe von Menschen mit Behinderung bisher nicht ausgerichtet. Organisierte Freizeitanbieter werden zukünftig vor neuen Herausforderungen stehen, insbesondere die Jugend- und Vereinsarbeit wird sich ändern. Wie gestaltet sich Freizeit und wohin entwickelt sie sich? Unter welchen Bedingungen ist eine gemeinsame Freizeitgestaltung von Menschen mit und ohne Behinderung möglich? Reicht gemeinsame Freizeitgestaltung von Menschen mit und ohne Behinderung aus, um eine Bewusstseinsänderung zu erzielen, auch in eher festen Strukturen wie Arbeit und Schule?

Über alle Workshops und Referentinnen und Referenten informieren wir Sie sukzessive in der Rubrik „Programm“.