Wie selbstbestimmt werden wir zukünftig leben können?

Session 3: Wie selbstbestimmt werden wir zukünftig leben können?

Sessionteilnehmerin

Referierende:
Ute Germann, Behindertenbeauftragte der VG Römerberg-Dudenhofen
Claudia Gersdorf, Pressesprecherin Viva con Aqua
Ramona Günther, Vorstandsmitglied Lebenshilfe Freudenstadt
Joachim Busch, Mitglied im Bundesvorstand der Lebenshilfe

Moderatorin:
Katja Nellissen, freie Journalistin und Moderatorin

Empowerment als Strategie für Selbstbestimmung

Vor allem Menschen mit Behinderung können aufzeigen, wo es an Inklusion und Selbstbestimmung fehlt. Es gibt viele Beispiele, wo selbstbestimmtes Leben funktioniert, doch manchmal müssen Menschen mit Behinderungen vehement dafür eintreten, sich einzumischen und die Gesellschaft mitgestalten zu können. Empowerment ist hier das Stichwort. Damit bezeichnet man Strategien und Maßnahmen, die den Grad an Autonomie und Selbstbestimmung im Leben von Menschen mit Behinderung erhöhen und es ihnen ermöglichen, ihre Interessen (wieder) eigenmächtig, selbstverantwortlich und selbstbestimmt zu vertreten.
Um dieses zu erlernen, werden Empowerment-Schulungen angeboten, die es vielen Menschen mit Behinderung ermöglichen, sich an Veränderungsprozessen zu beteiligen, ihre eigene Meinung zu vertreten und mehr Selbstwertgefühl zu entwickeln.

Empowerment kann aber auch durch Gespräche zwischen Menschen mit und ohne Behinderung stattfinden. Hier ist es von Bedeutung, dass man das Gespräch sucht und gemeinsam einen Weg findet, um die eigenen Wünsche zu formulieren. Es geht vor allem darum, dass Menschen mit Behinderung dabei unterstützt werden, darüber nachzudenken, was sie wollen, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie ihre Bedürfnisse aussehen und wie sie ihr Ziel erfolgreich erreichen können.

Ich wünsche mir für den zukünftigen Dialog, dass man Positivismus in die Debatte gibt und sagt: Was haben wir erreicht? Wo können wir noch einen Schritt weiter gehen? Ich möchte sehr gerne weg von den Diskussionen, die wir schon vor 15 Jahren geführt haben.

Claudia Gersdorf

Sessionteilnehmerin

Neben Empowerment bedarf es für ein selbstbestimmtes Leben auch passender Rahmenbedingungen, funktionierender Netzwerke und einer starken Selbstvertretung von Menschen mit Behinderung.
Dies bedeutet auch, dass der Dialog zwischen Menschen mit und ohne Behinderung nicht an Defiziten orientiert, sondern positiver geführt wird.

Leitfragen für diesen Prozess könnten sein:

  • Was haben wir schon zusammen erreicht?
  • Wo können wir noch einen Schritt weiter gehen?
  • Wie sehen die nächsten Schritte aus?

Sessionteilnehmerin

Menschen mit Behinderung müssen in der öffentlichen Wahrnehmung vorkommen – aber nicht mit Fokus auf ihre Behinderung, sondern auch in anderen Kontexten und mit anderen Zuschreibungen: Zum Beispiel als Karrierist, schöner Mann, Ausnahmesportlerin ... Die Behinderung sollte nicht im Vordergrund stehen. So könnte es gelingen, durch Empowerment einen Paradigmenwechsel in der Diskussionskultur zu schaffen, der den Weg in eine inklusive Gesellschaft ebnet.