Begegnung inklusiv und bürgerschaftliches Engagement – Freiräume miteinander gestalten

Session 5: Begegnung inklusiv und bürgerschaftliches Engagement – Freiräume miteinander gestalten

Ein Mann malt ein Graphic Recording

Referierende:
Prof. Dr. Renate Freericks, Leiterin Freizeitforschung, Hochschule Bremen
Ute Blessing-Kapelke, Deutscher Olympischer Sportbund, stellv. Ressortleiterin Ressort Chancengleichheit und Diversity
Kristine Gramkow, Deutscher Behindertensportverband
Matthias Gräßlin, Theaterwerkstatt Bethel
Hannes Jähnert, Engagementblogger, Referent zur Förderung sozialen Ehrenamts des DRKS
Dr. Nicole D. Schmidt, Freiwilligenzentrum mittenmang

Moderatorin:
Katja Nellissen, freie Journalistin und Moderatorin

Um möglichst vielen Menschen den Zugang zu Freizeitaktivitäten zu ermöglichen, bedarf es zunächst einiger Grundvoraussetzungen. Beispielhafte Leitprinzipien könnten sein:

  • Freizeitangebote müssen erreichbar und offen sein und einen Aufforderungscharakter haben.
  • Für eine Beteiligung an Freizeitangeboten müssen sie frei in der Zeiteinteilung sein. Zudem sollte die Teilnahme freiwillig und zwanglos sein.

Von einem inklusiven Freizeitangebot kann man nur sprechen, wenn die Teilnehmenden eine Wahl-, Entscheidungs- und Initiativmöglichkeit haben.

Herausforderungen einer inklusiven Freizeitgestaltung

Darüber hinaus gilt es jedoch noch weitere Herausforderungen für eine inklusive Freizeitgestaltung anzugehen:

  • Um ein inklusives Freizeitangebot anbieten zu können, müssen zunächst die institutionellen Strukturen und Praktiken reflektiert und verändert werden. Es gilt, neue Wege, anderes Denken und kreative Lösungen zu suchen.
  • Die finanziellen und personellen Ressourcen müssen ausgebaut werden. Dies könnte zum Teil auch über Kooperationen beziehungsweise Netzwerkarbeit passieren.
  • Mehr Betreuungs- und Lehrkräfte müssen qualifiziert werden.
  • Eine Bewusstseinsänderung muss durch mehr Begegnung und Kommunikation geschaffen werden.
  • Die Zugangsbarrieren jeglicher Art müssen abgebaut werden.

Der demografische Wandel, die Digitalisierung sowie neuen Medien können den Prozess hin zu einem inklusiven Freizeitangebot schneller ebnen. Sport und Kultur spielen bei der Freizeitgestaltung eine große Rolle. Beide Bereiche sind vor die gesamtgesellschaftliche Aufgabe gestellt, umfassende Teilhabe zu ermöglichen und die damit verbundenen Chancen und Möglichkeiten zu gestalten. Dabei sollten sich Sport und Kultur gegenseitig befruchten.

Index für Inklusion im und durch Sport

Im Sport gab es immer schon viele Angebote für Menschen mit und ohne Behinderung.
Durch die UN-Behindertenrechtskonvention hat dieser Bereich aber noch mal neuen Schwung erhalten. Auch deshalb hat der Deutsche Behindertensportverband (DBS) den „Index für Inklusion im und durch Sport“ entwickelt. Er gilt als ein Wegweiser für alle Beteiligten aus Sportverbänden und -vereinen, die ihre Kulturen, Strukturen und Praktiken inklusiv gestalten möchten. Der Index bietet Spielraum, um die eigene Situation zu überprüfen und Veränderungen vorzunehmen. Er bietet Hinweise für gemeinsame Sportaktivitäten von Menschen mit und ohne Behinderung.

Die Ziele des Index sind:

  • Förderung des Auf- beziehungsweise Ausbaues einer inklusiven Sportlandschaft,
  • Sensibilisierung für Inklusion im und durch Sport,
  • Orientierungshilfe für Sportverbände/-vereine zur Umsetzung,
  • Förderung der Selbstbestimmung, Partizipation und Gleichberechtigung im organisierten Sport.

Wichtig ist dabei, dass jede und jeder aus unterschiedlichen Angeboten wählen kann. Dafür müssen Strukturen geschaffen werden, in denen man systematisch mehr Angebote schaffen kann.

Kultur als kreativer Ort für Vielfalt

Auch in der Kultur müssen Räume für Begegnungen geschaffen werden. Kultur meint in dieser Hinsicht nicht nur die verschiedenen Künste, sondern den Ausdruck von Menschen und die Art und Weise, wie sie den Umgang miteinander pflegen. Es müssen Orte geschaffen werden, an denen Menschen lernen, wie sie miteinander lernen können.

Kultur ist die einzige Chance, Inklusion zu verwirklichen.

Matthias Gräßlin

Dabei ist es unerheblich, ob sie eine Behinderung haben oder nicht. Es geht insbesondere darum, Dinge gemeinsam zu tun – Kooperationen einzugehen, sich zu vernetzen und sich gemeinsam auf den Weg zu machen.

Engagement über soziale Medien

Teilhabe und Inklusion kann auch durch bürgerschaftliches Engagement realisiert werden. Viele Menschen engagieren sich in ihrer Freizeit. Auch hierbei werden Räume geschaffen, in denen sich Menschen begegnen. Das Internet und die sozialen Medien sind beim Thema bürgerschaftliches Engagement von großer Bedeutung, da sie die Möglichkeit bieten, dass sich Menschen an virtuellen Orten begegnen können und hemmende Faktoren, die ein Kennenlernen verhindern könnten, keine Rolle spielen. Hierbei ist gerade die Anonymität von großem Vorteil. Sie ermöglicht es, sich auszuprobieren und einzubringen und man kann sich ohne Vorurteile kennenlernen. Online-Volunteering kann einen großen Beitrag dazu leisten, dass sich Menschen mit und ohne Behinderung für ein und dieselbe Sache engagieren können.

Beim bürgerschaftlichen Engagement ist es wichtig, neue Zielgruppen zu erreichen und zu erschließen, die sich engagieren wollen. Die Erfahrungen zeigen, dass es häufig die Gleichen sind, die sich engagieren. Um hier etwas zu ändern, müssen andere Gruppen angesprochen und gefragt werden, was für sie wichtig ist, um sich zu engagieren.

Zwei facts zum bürgerschaftlichen Engagement von Morgen: Internet ermöglicht Engagement & Engagementblogger sind Anti-Experten #zki2025

Hannes Jähnert ‏@foulder