Gendiagnostik und Big-Data-Analysen: Aktion Mensch

Session 2: Gendiagnostik und Big-Data-Analysen: Diskriminierung, Schicksal oder Optimierungschance?

Ein Zeichner arbeitet an einem Graphic Recording

Referierende:
Dr. Stefan Rüping, Leiter Arbeitsgruppe Integrated Data Mining, Fraunhofer IAIS Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme
Prof. Dr. Katharina Liebsch, Soziologin an der Helmut Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr, Hamburg

Moderator:
Jürgen Wiebicke, freier Journalist, vor allem für den Hörfunk, zum Beispiel bei WDR 5, tätig

Im ersten Impulsvortrag dieser Session erklärt Stefan Rüping vom Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme, was in seinem Geschäftsfeld unter „Big Data“ verstanden wird und welche Chancen er in Medizin und Lebenswissenschaften sieht.

Rüping ermittelt drei Anwendungsgebiete, die momentan erkennbar seien:

• automatische beziehungsweise automatisierte Entscheidungsunterstützungen für Ärztinnen und Ärzte,
• Diskussionsplattformen für Patientinnen und Patienten,
• Digitalisierung des Alltags mittels Smartphones (LifeLogging).

„Big Data“ als Analyse von Gen-Daten mit dem Ziel einer „personalisierten Medizin“ stehe noch am Anfang, sei heute noch „pure Statistik“ und daher schwierig, da ethische und (datenschutz-)
rechtliche Fragestellungen noch nicht ausreichend geklärt seien. Als Vision für 2025 nennt er die Zunahme und Verbesserung des „Selbst-Monitorings“, zum Beispiel bei Diabetes-Patientinnen und -Patienten.

Gendiagnostik – eine Frage der Weltanschauung
Im zweiten Impulsvortrag, gehalten von Katharina Liebsch, Soziologin an der Helmut Schmidt-Universität in Hamburg, geht es um Diskriminierung als Folge von Gendiagnostik: Was machen wir eigentlich mit all diesen Daten aus „Big Data“-Erhebungen (zum Beispiel Gen-Daten aus prädiktiver Gendiagnostik)?

In Deutschland – so Liebsch – gebe es bislang keine Studien zu „genetischer Diskriminierung“, dafür aber bereits prädiktive gesetzliche Regelungen, mit der Absicht, Diskriminierung zu verhindern, wie zum Beispiel das Gendiagnostikgesetz. In ihrer Zukunftsprognose bezüglich Gendiagnostik arbeitet Liebsch heraus, dass sich die Fronten zwischen Befürworterinnen und Befürwortern der Gendiagnostik und deren Kritikern und Kritikerinnen wahrscheinlich verhärten werden. Die Frage der Nutzung werde, so die Vermutung, eine weltanschauliche Frage.