Durch Inklusion vom Job zur Berufung - Aktion Mensch

Session 5: Vom Job zur Berufung

Blick auf den Panelraum Arbeitsleben und Unternehmensentwicklung

Referierende:

  • Prof. Dr. Susanne Blazejewski, Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Alfter bei Bonn
  • May Blombach, Studentin der Betriebswirtschaftslehre, Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Alfter bei Bonn

Moderator:
Stefan Burkhardt, freier Berater und Projektleiter, SozialManagementBeratung

Die Ausgangslage: Jobs ohne Sinn und Leistungsdruck

Prof. Dr. Susanne Blazejewski, Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Alanus Hochschule Alfter, und May Blombach, Studentin der Betriebswirtschaftslehre, stellen die Frage nach der Berufung, also dem Ideal der sinnerfüllten Arbeit. Nach der Gallup-Studie von 2013 sind viele Angestellte von diesem Ideal heute weit entfernt: 85 Prozent der Beschäftigten betrachten demnach heute ihre Arbeit nur als Job mit geringer Sinnerfüllung, machen „Dienst nach Vorschrift“, bisweilen bis zur inneren Kündigung.

In der Recherche für den Kongress fanden sie zudem heraus, dass sich für viele Menschen mit Behinderung die Frage nach sinnerfüllter Arbeit oft gar nicht stellt, da sie entweder wenig Chancen auf Erlangung eines Schulabschlusses haben oder trotz Abschluss nur schwer eine Arbeitsstelle finden. Sinnerfüllung in der Erwerbsarbeit zu finden, ist für Menschen mit Behinderung also noch mal deutlich schwerer zu erreichen als für Menschen ohne Behinderung.

Blazejewski stellt nun die Frage, wie man eine Arbeitssituation schafft, die als sinnerfüllend empfunden wird. Dabei spielt es eine große Rolle, dass mit Sinnerfüllung immer auch das Gefühl einhergeht, gebraucht zu werden. Insbesondere in den sozialen Berufen stößt der Anspruch, gute Arbeit zu leisten, aufgrund der oft demotivierenden Arbeitsumstände (Zeitdruck etc.) an Grenzen. Folgen können Überforderung und Burnout sein. Wie kann man also Verantwortung für die eigene Person übernehmen und gleichzeitig anderen gerecht werden? Hier kommt der Begriff „Berufung“ ins Spiel.

#Panel1 : Wie hoch müsste ein Grundeinkommen sein und löst das wirklich Exklusionstendenzen? Was würde sich für MmB dadurch ändern? #zki2025

Alexander Westheide ‏@alex_westheide

Berufung: Was ist sinnerfüllte Arbeit?

Folgende Attribute gehören zur Berufung:

  • Wollen: Ich muss das, was ich mache, gerne machen. Wenn es im Beruf schlecht läuft, spüre ich dies innerlich.
  • Können: Ich muss von meiner Kompetenz überzeugt sein, um Leistung für andere zu erbringen. Wie können insbesondere Menschen mit Behinderung aufgrund der schlechten Ausbildungssituation überhaupt dazu kommen, sich selber etwas zuzutrauen?
  • Sollen: Wie sinnhaft und relevant ist eine Tätigkeit? Hier geht es um die gesellschaftlichen Erwartungen. Inwieweit erkennt die Gesellschaft den Anspruch von Menschen mit einer Behinderung an, einen sinnerfüllten Arbeitsplatz zu erlangen?
  • Spüren: Haben wir überhaupt die Möglichkeit, in uns hinein zu spüren, was wir wirklich wollen angesichts der Schnelllebigkeit des Berufslebens?

Lösungsansätze für den Weg zur Berufung

Die Teilnehmenden der Session erarbeiten in Kleingruppen mögliche Herangehensweisen an die Kernaspekte:
Können/Ausbildung:

  • Mehr Durchlässigkeit im Bildungssystem wäre wichtig, flexiblere Ausbildungswege, Systemwechsel müssen erleichtert werden.
  • Unternehmen sollten mehr auf Fähigkeiten und Motivation als auf Qualifikation achten.

Spüren/Ruf hören:

  • Die größte Motivation ist die, dazuzugehören. Menschen müssen von sich aus wollen.

Verantwortung sich selbst und anderen gegenüber:

  • Jeder und jede sollte sich die Frage stellen, inwieweit er oder sie an die Beschränkungen des Systems gebunden ist oder sich durch Eigeninitiative davon lösen kann.
  • Man sollte Dogmen in Bezug auf Verantwortung hinterfragen und klare Grenzen der eigenen Verantwortlichkeit ziehen.