In Zukunft mehr Arbeit? Kongress der Aktion Mensch

Session 3: Wer ist Leistungsträgerin und Leistungsträger? Gewinner und Verlierer der Arbeitswelt von morgen

André Schönewolf

Referierende:
Ulrike Pohl, Sozialpädagogin, Verband für sozial-kulturelle Arbeit, Berlin
André Schönewolf, Politischer Referent für Jugendpolitik, DGB-Bundesvorstand, Berlin

Moderator:
Stefan Burkhardt, freier Berater und Projektleiter, SozialManagementBeratung

Jugendliche und ihre Situation auf dem Arbeitsmarkt

André Schönewolf ist Jugendbildungsreferent beim DGB in Berlin. Er legt die Probleme dar, denen junge Menschen sich laut DGB-Jugendindex von 2014 im Arbeitsleben stellen müssen. Der Index beschäftigt sich mit den Themenkomplexen

  • Einkommenssicherheit,
  • psychische und physische Belastung,
  • entwicklungsfördernde Ressourcen (zum Beispiel Karrieremöglichkeiten, Sinnhaftigkeit der Arbeit).

Zusammengefasst lassen sich folgende Phänomene erkennen:

  • Ein großer Teil der Jugendlichen befindet sich in atypischen Beschäftigungsverhältnissen (etwa Teilzeit, Minijob, Leiharbeit).
  • Das Einkommen liegt im Durchschnitt bei 1.900 € und ist damit eher gering. Dies ist zu einem Großteil auch eine Auswirkung atypischer Beschäftigungsverhältnisse.
  • Ein hoher Zeit- und Leistungsdruck sowie Überstunden führen zu gesundheitlichen und psychischen Belastungen.

Schönewolf nennt zwei mögliche Gegenmaßnahmen: Unternehmen sollten auf die oft prekäre Situation der jungen Beschäftigten reagieren, indem sie in der flexibilisierten Arbeitswelt strukturelle Rahmenbedingungen setzen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Einklang von Job und Privatleben, zum Beispiel durch Bildungsteilzeit.

Ulrike Pohl

Menschen mit Behinderung und ihre Situation auf dem Arbeitsmarkt

Ulrike Pohl vom Verband für sozial-kulturelle Arbeit in Berlin ergänzt die Beschreibung um die Situation von Menschen mit Behinderung: Nur ein Drittel der Menschen mit Behinderung im erwerbsfähigen Alter ist auf dem „ersten Arbeitsmarkt“ beschäftigt. Viele von ihnen arbeiten dort allerdings unter ihrem Qualifikationsniveau.

Ebenso wie Jugendliche arbeiten sie häufig in Teilzeit, sind länger arbeitslos und haben ein vergleichsweise geringes Einkommen. Vom Mindestlohn profitieren viele Menschen mit Behinderung nicht, weil dieser zum Beispiel für Werkstätten nicht gesetzlich vorgeschrieben ist. Alle genannten Nachteile verschärfen sich bei Frauen mit Behinderung noch erheblich. Somit gehören Menschen mit Behinderung im Moment klar zu den Verlierern auf dem Arbeitsmarkt.

Im Gespräch mit den Teilnehmenden werden Hebel und Maßnahmen entwickelt, um Inklusion am Arbeitsmarkt voranzutreiben. Die Gruppe sieht folgende Möglichkeiten:

  • Die Grundvoraussetzung muss sein, dass mehr Arbeitsplätze geschaffen werden.
  • Eingliederungshilfe intelligenter verteilen: Mehr für ambulante Angebote wie Außenarbeitsplätze oder das Budget für Arbeit, weniger für Einrichtungen und Werkstätten.
  • Die Unternehmen sollten besser über die Fördermöglichkeiten aufgeklärt werden, und der Weg zur Förderung sollte so einfach wie möglich sein.
  • Die Ämter sollten ihrerseits Werbung für das Thema Inklusion am Arbeitsplatz machen.