„Wir sind offen für alle“

Das „Soziale Netzwerk für Jugend und Vereine“ am Auersberg bringt im Erzgebirge die Inklusion voran

Ein Jahr lang hat Uta Christ in Eibenstock und Umgebung in einem von der Aktion Mensch geförderten Projekt dicke Bretter für Inklusion gebohrt. Sie diskutierte mit Bürgermeistern und Verwaltung, mit Verantwortlichen in Vereinen, Schulen, Werkstätten und Behinderteneinrichtungen die Frage, wie sie alle mehr Angebote schaffen können, die junge Menschen mit und ohne Behinderung zusammenbringen. So bereitete sie mit dieser Vorlaufphase den Boden für ein anschließendes Inklusionsprojekt, das am 1. Juni 2013 startete und von der Aktion Mensch mit 201.975 Euro unterstützt wird.

Dreh- und Angelpunkt ist das Kulturzentrum „Glück auf!“, das Uta Christ gemeinsam mit ihrem Kollegen Sven Leistner leitet. Es gehört der Stadt, aber Betreiber und Triebfeder des Inklusionsprojekts ist das „Soziale Netzwerk für Jugend und Vereine am Auersberg“, ein Zusammenschluss von 13 Vereinen mit 500 Mitgliedern. Die Fäden der Netzwerkarbeit laufen bei Christ und Leistner in der Koordinierungs- und Beratungsstelle zusammen. „Es ist unsere Aufgabe, feste Kreise aufzubrechen und immer wieder neue Verbindungen zu schaffen“, sagen die beiden. Während der dreijährigen Projektlaufzeit wollen sie die Kultur der Zusammenarbeit der Vereine in der Region nachhaltig in Richtung Inklusion verändern. Sie arbeiten an den organisatorischen, finanziellen und strukturellen Voraussetzungen für stabile Planungsprozesse, damit umfassende Teilhabe von Menschen mit Behinderung an sozialen, kulturellen und sportlichen Angeboten zur Selbstverständlichkeit wird und es auch bleibt.

Uta Christ und Sven Leistner verstehen sich als Türöffner fü̈r Inklusion im sächsischen Eibenstock.

Schon jetzt bringt das Projekt die unterschiedlichsten Menschen zusammen. So treffen sich im Kulturzentrum jede Woche Harry Herold, Thomas Jahny, Daniel Mehlhorn, Luise Ullrich und Melanie Richter zum Fotografieren. Die fünf gehören zu einer inklusiven Gruppe junger Erwachsener des Medienprojekts Erzgebirge. Harry, Thomas und Daniel leben in der nahen Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderung der Diakonie, Luise stieß dazu, weil Fotografieren ihr Hobby ist, und die angehende Heilerziehungspflegerin Melanie leitet heute die Gruppe. „Ich hatte anfangs ein bisserl Scheu, mit Behinderten zu arbeiten, aber das ging ganz schnell weg“, erzählt Luise. Inzwischen machen ihr die gemeinsamen Fotosafaris durch den Ort oder im Kulturzentrum viel Spaß. Eine Etage über ihnen wirft in einem Übungsraum mit Spiegelwand ein Mann schwungvoll Pappkartons auf den Boden. „Hier kommen eure Requisiten, Freunde“, ruft Wolfram Christ, der die Probe der inklusiven Thalia-Gruppe der Bergbühne Eibenstock leitet. Fünf junge Frauen und zwei junge Männer waten durch die Kartons und üben ihre Rollen. Es ist die erste Leseprobe für das neue Stück „Oblivion“, das sich um Drogen, Freundschaft und Mord dreht und von ihrer 16-jährigen Mitspielerin Isabell Fickel geschrieben wurde. Neben dieser treffen sich vier weitere Gruppen der Bergbühne im Haus. Die Mundartgruppe hat gleich eine Generalprobe auf der Bühne im großen Saal. Klar, dass die Fotogruppe das dokumentieren will.

Neben Theater-, Musik- und Mediengruppen sind es vor allem Sportangebote, die jungen Menschen mit und ohne Behinderung durch das Netzwerk offenstehen. Klettern und Reiten gehören dazu. Oder Skifahren und Bewegungstraining, wie es der Ski-Club Carlsfeld anbietet. Jens Baumgärtel, technischer Leiter des Ski- und Funparks in Carlsfeld, steht auf der Piste und moderiert den „Wurzel-Cup“, einen inklusiven Slalom für Kinder. Nicht nur „Superkönner“, auch Kinder mit Behinderung können mitmachen. „Wir sind offen für alle“, betont er. Bis das auch alle anderen Vereine sagen, hat Uta Christ wohl noch viel Arbeit.

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