Unsicherheiten sind die größte Barriere

Die Aktion Mensch stellte in Berlin das „Inklusionsbarometer Arbeit“ vor

Arbeit zu haben, bedeutet, wirtschaftlich unabhängig zu sein und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Allerdings sind Menschen mit Behinderung oft vom Arbeitsleben ausgeschlossen. Das erfahren Jugendliche mit Behinderung, die nach der Schulzeit keine Lehrstelle bekommen. Das erfahren auch Akademiker, die ihre Behinderung häufig verschweigen, weil sie mit Ablehnung bei der Stellensuche rechnen. Und das erfahren erst recht Arbeitsuchende auf dem Ersten Arbeitsmarkt. Auch Fachkräfte werden aufgrund ihrer Behinderung oft nicht berücksichtigt, obwohl akuter Mangel an Spezialisten in einigen Branchen herrscht. Jeden Monat belegen die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, dass der Aufschwung am Arbeitsmarkt an Menschen mit Behinderung vorbeigeht. Die Aktion Mensch hat daher zwei Studien veranlasst, die sich mit den Gründen auseinandersetzen und vor allem erstmals eine verlässliche und  vergleichbare Datenbasis zum Grad der Inklusion in der Arbeitswelt schaffen.

Zunächst einmal müssen Vorurteile und Berührungsängste am Arbeitsplatz abgebaut werden. Doch Inklusion beginnt schon einen Schritt vorher – im Bewerbungsverfahren: „Nicht die Defizite, sondern die Fähigkeiten der potenziellen Beschäftigten sollten bei der Einstellung im Fokus stehen“, sagte Armin v. Buttlar, Vorstand der Aktion Mensch, anlässlich der Vorstellung des Inklusionsbarometers Arbeit, welches die Sozialorganisation beim Handelsblatt Research Institute in Auftrag gegeben hatte. Gemeinsam mit dessen Direktor, Professor Bert Rürup, stellte er die Ergebnisse anlässlich des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderung in Berlin am 3. Dezember vor.


Befragt worden waren neben Arbeitnehmern mit Behinderung auch mittelständische Unternehmen. Ihre Aussagen machen Mut. Denn der Arbeitgeber, der seinen Blickwinkel verändert und Menschen mit Behinderung einstellt, wird nicht enttäuscht: „Mehr als 80 Prozent der Arbeitgeber stellen keine Leistungsunterschiede zwischen Angestellten mit und ohne Behinderung fest“, betonte der Ex-Wirtschaftsweise. Grundsätzlich nutzen Mittelständler dieses enorme Potenzial nicht aus, es fehle an Barrierefreiheit und Inklusionskonzepten: „Rund ein Fünftel dieser Firmen wissen nicht, dass es staatliche Förderung gibt“, so Rürup. Und nur gut zwei Drittel der Informierten nutzen die angebotenen Möglichkeiten. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch die Universität Köln in ihrer Pilotstudie „Chancen und Barrieren für hochqualifizierte Menschen mit Behinderung“ für die Aktion Mensch. Als größte Barriere bei der Beschäftigung identifiziert die Studie Unsicherheiten im Umgang miteinander.

Erst dann folgen die Befürchtungen, was einen möglichen Mehraufwand auf Seiten der Arbeitgeber oder den besonderen Kündigungsschutz betrifft. Doch auch auf Seiten der hochqualifizierten Menschen mit Behinderung gibt es Bedenken bei der Bewerbung. Aus Angst vor Stigmatisierung verheimlichen sie häufig eine nicht sichtbare Behinderung. Das fängt schon im Studium an: Nur acht Prozent der Studierenden lassen ihre Behinderung anerkennen.

Das neue Inklusionsbarometer zeigt ein umfassendes Bild der Inklusion auf dem Arbeitsmarkt. Mit seiner fortan jährlichen Durchführung kann es zukünftig Fort- und Rückschritte valide messen sowie Problemfelder und Ansatzpunkte für Verbesserungen identifizieren:
Das Lagebarometer zeigt nur einen leicht positiven Ausschlag. Betrachtet man die Teilergebnisse, wird deutlich, dass Menschen mit Behinderung nicht im gleichen Maße vom Aufschwung der vergangenen Jahre profitiert haben wie Menschen ohne Behinderung.
Gründe hierfür liefert das Klimabarometer: Es zeigt, dass bei den Unternehmen Handlungsbedarf im Hinblick auf die fehlende Planung bei der Integration  von Arbeitnehmern mit Behinderung, mangelnde Barrierefreiheit sowie Aufklärung zu staatlicher Förderung besteht.

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