Realitätscheck: Wohnen und Sozialraum

Bezahlbare Wohnungen fehlen

In Deutschland gibt es immer weniger vom Staat geförderte Wohnungen. Für diese Wohnungen muss man viel weniger Miete bezahlen, weil der Staat einen Teil der Kosten bezahlt. Diese Wohnungen werden auch Sozialwohnungen genannt. Im Jahr 1987 gab es noch 3,9 Millionen Sozialwohnungen. Im Jahr 2013 gab es nur noch unter 1,5 Millionen geförderte Wohnungen.

Viele Menschen mit Behinderung sind aber auf staatlich geförderte Wohnungen angewiesen. Denn oft haben sie nicht so viel Geld. Sie könnten zwar auch an den Stadtrand ziehen, wo es günstigere Wohnungen gibt. Doch werden sie dort oft in ihrer Freiheit eingeschränkt: Busse und Bahnen fahren seltener, die Haltstellen sind weit voneinander entfernt. Dort gibt es meist auch weniger Geschäfte, Ärzte oder Freizeitangebote. Weil günstige Sozialwohnungen fehlen, beantragen immer mehr Menschen Wohngeld: Menschen mit wenig Einkommen bekommen also keine günstigen Wohnungen, sondern sie erhalten einen Zuschuss zur Miete.

Politikwandel: Wohnraumförderung statt Wohnungsbau

Sozialer Wohnungsbau ist heute Ländersache. Konkret heißt das: Bundesländer und Kommunen unterstützen Wohnungsunternehmen. Die Unternehmen bauen die Wohnungen und die Bundesländer unterstützen diese Bauprojekte mit Geld. Wenn der Umbau oder Neubau einer Wohnung staatlich gefördert ist, darf die Miete nicht so hoch sein. Der Wohnungsbauunternehmer und der öffentliche Geldgeber legen vorher fest, wie hoch die Miete höchstens sein darf. Diese Sozialwohnungen dürfen nur Menschen mit einem Wohnberechtigungsschein mieten.
Mehr zum Wohnberechtigungsschein im Familienratgeber.

Barrierefreies Bauen und Umbauen

Viele Bauunternehmen modernisieren ältere Wohnungen. Dabei können nicht alle Standards für barrierefreie Wohnungen eingehalten werden. Breitere Türen, Fahrstühle, Rampen und größere Zimmer können nur da berücksichtigt werden, wo auch Platz dafür ist. Architektenbüros, Wohnungsbaugesellschaften und der Deutsche Mieterbund beobachten jedenfalls, dass die Barrierefreiheit beim Wohnungsbau immer wichtiger wird.

Dabei müssen die Bauunternehmen Bestimmungen einhalten: Die DIN-Norm 18040-2 für den Bau von barrierefreien Wohnungen. Die DIN-Norm legt fest, wie Türen, Zimmer oder Fenster aussehen müssen, damit die Wohnung barrierefrei ist. Für Rollstuhlfahrer müssen Türen zum Beispiel mindestens 90 Zentimeter breit sein. Türklinken dürfen nicht höher als 85 Zentimeter angebracht sein. Menschen mit Sehbehinderung brauchen Bauelemente, die sie mit Händen, Füßen oder einem Blindenstock fühlen können.

Mehr zum barrierefreien Umbau von Wohnungen im Familienratgeber.

Die Bauunternehmen haben beim Umbau der Wohnungen eher den demographischen Wandel im Blick. Das bedeutet, dass sie die Wohnungen häufig für ältere Menschen und ihre Bedürfnisse umbauen: breite Türen, Platz für Rollstühle und Rollatoren, Rampen, Aufzüge und große Badezimmer ohne Schwellen. Damit berücksichtigen die Bauunternehmen nur einen Teil der Gruppe, für die Barrierefreiheit wichtig ist. Das Gute daran ist jedoch, dass viele Menschen mit Behinderung diese Wohnungen nutzen können. Doch es ist auch wichtig, dass Menschen mit und ohne Behinderung, alte und junge gemischt zusammenwohnen. Denn nur so funktioniert Inklusion.

Recht auf barrierefreien Umbau einer Wohnung

Paragraf 554a des Bürgerlichen Gesetzbuches ist ein wichtiges Gesetz für Menschen mit Behinderung: Sie können durch das Gesetz von ihrem Vermieter die Genehmigung verlangen, die Wohnung barrierefrei umbauen zu dürfen. Besonders für Menschen mit Seh- oder Hörbehinderung ist dieses Gesetz sehr wichtig. Denn Wohnungsbauunternehmer bedenken ihre Bedürfnisse oft nicht. Auch Menschen die erst durch Unfall, Krankheit oder Alter eine barrierefreie Wohnung brauchen, können das Gesetz nutzen: Sie müssen nicht umziehen, sondern können ihre Mietwohnung umbauen. Dieses Gesetz könnte also für ein selbstverständliches Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung sorgen. Doch es hat einen großen Nachteil: Die Mieter müssen die Kosten für den barrierefreien Umbau selbst übernehmen. Diese Kosten sind oft sehr hoch und nicht immer gibt es eine ausreichende Förderung.

Ehrenamtliche Beratung zum barrierefreien Planen und Umgestalten gibt es beim Dachverband Integratives Bauen und Planen e.V. (DIPB)

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