Realitätscheck

Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben

Wie selbstbestimmt kann man als blinder Mensch leben? Das Bild entstand bei den Fotoarbeiten zum 5. Mai 2013 zum Motto "Ich bin entscheidend."
Die Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben sind unter anderem Barrierefreiheit und die Zugänglichkeit zu Informationen zum Beispiel im Internet. Im direkten Umgang mit Menschen mit Behinderung sind es Eltern, Betreuer und Pfleger, die ihr Verhalten überprüfen sollten. Sie müssen lernen, dass jeder Mensch selbst am besten beurteilen kann, wie es ihm geht und was ihm gut tut. Sie müssen akzeptieren, nicht länger selbst die Entscheidungen zu treffen, sondern dass sie von nun an die Entscheidungsfindung unterstützen und bei deren Umsetzung helfen. Die Beziehung zwischen dem Menschen mit und ohne Behinderung verändert sich also: Aus Betreuung und Förderung wird Begleitung und Assistenz.
Vor allem bei Menschen, die sich nicht verbal artikulieren können oder ihren Gefühlen nur eingeschränkt über ihre Mimik Ausdruck geben können, müssen Eltern, Betreuer und Pfleger besonders sensibel sein und permanent Bedürfnisse erahnen und Interessen ergründen.

Anspruch und Wirklichkeit

Blickt man allein auf die Rechtslage, ist unsere Gesellschaft in Sachen Selbstbestimmung auf einem guten Weg: Die UN-Behindertenrechtskonvention und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verbieten Benachteiligung aufgrund von Behinderung und zielen auf selbstbestimmte Teilhabe in allen Lebensbereichen. Auch das Sozialgesetzbuch IX wurde mit dem Ziel geschaffen, "Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft für behinderte und von Behinderung bedrohte Menschen zu fördern".

Viele Kritikpunkte

Doch Anspruch und Wirklichkeit klaffen noch immer auseinander. Grund ist, dass verschiedene Rehabilitationsträger – also Versicherungen, Arbeitsagentur, Sozialamt – für die Belange von Menschen mit Behinderung zuständig sind, und Antragsteller sich also immer mit mehreren Sachbearbeitern auseinander setzen müssen. Bestes Beispiel ist das Persönliche Budget: Ein trägerübergreifendes pauschales Budget gibt es nur sehr selten, da die Reha-Träger zu wenig zusammenarbeiten. Behindertenverbände beklagen zudem, dass Entscheidungen über Anträge auf das Persönliche Budget häufig verzögert würden.
Ein zweiter großer Kritikpunkt ist, dass das Wunsch- und Wahlrecht nach § 9 SGB IX allzu häufig durch den Kostenvorbehalt in § 13 SGB XII ausgehebelt wird. Denn dieser Paragraph räumt den Leistungsträgern einen Ermessensspielraum ein, ob eine Leistung zumutbar ist oder nicht – zum Beispiel, ob ein Antragsteller entgegen seinem Wunsch auf ambulantes Wohnen in einer vollstationären Einrichtung untergebracht werden kann.
Die Praxis zeigt, dass Politik und Kostenträger noch immer auf das Heim als erste Wohnform setzen. Zudem sind die Sätze der Pflegeversicherung für eine ambulante Versorgung niedriger als die für eine stationäre Versorgung – und das ermutigt Menschen mit Behinderung nicht, für ein Leben außerhalb einer Einrichtung zu kämpfen.

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