Realitätscheck

Bereicherung der Gesellschaft

Die Klassiker der mangelnden Barrierefreiheit kennt jeder: der Reisebus, der nicht absenkbar ist, das schöne alte Kino oder die Musikkneipe im Keller, die nur über Treppen zugänglich sind. Hingegen bemerken nur wenige das Fehlen von Gebärdensprachdolmetschern bei öffentlichen Veranstaltungen oder die Unlesbarkeit von bestimmten Websites für Menschen, die eine Sehbehinderung haben. Hindernisse ganz anderer Art müssen Menschen mit einer geistigen oder mehrfachen Behinderung bei ihrer Freizeitgestaltung umschiffen. Sie benötigen häufig eine Begleitperson – und die ist nicht immer verfügbar oder kostet eine Menge Geld.

Sport, Kultur und Reisen – das sind wesentliche Teilbereiche von Freizeit, an denen aufgezeigt werden kann, wo der Zugang zur gesellschaftlichen Teilhabe gelingt und wo er nach wie vor beschränkt ist.

Sport: Inklusive Wettkämpfe sind die Ausnahme. Das Sportangebot für Menschen mit Behinderung hat sich in den letzten Jahren stark ausgeweitet. Im Deutschen Rollstuhl Sportverband e.V. beispielsweise sind über 9.000 aktive Rollstuhlsportler und -sportlerinnen aus über 330 Vereinen in 28 Rollstuhlsportarten organisiert. Sie treiben Sport auf unterschiedlichem Niveau – vom Breitensport, dem Kinder- und Jugendsport über den Rehasport bis hin zum Leistungs- und Spitzensport bei den Paralympics. Wie auch der Schwerhörigen Sportverband gehört der Rollstuhlsportverband dem Deutschen Behindertensportverband e.V. (DBS) an. Der DBS ist der zuständige Fachverband im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) für den Sport von Menschen mit Behinderung. In rund 6.000 Vereinen und Sportgruppen von und für Menschen mit Behinderung bewegen sich regelmäßig mehr als 650.000 Kinder, Frauen und Männer. Nach Angaben des DBS davon ca. 38.000 mit einer geistigen Behinderung. Trotz diesem in Deutschland vergleichsweise großen Angebot, sind wirklich inklusive Aktivitäten, bei denen Sportler mit und ohne Behinderung gemeinsam Spaß haben oder sich im Wettkampf messen können, eher die Ausnahme. Die drei Großveranstaltungen Olympische Spiele, Paralympics und Special Olympics – jede für sich etwas ganz besonderes – verdeutlichen stellvertretend für viele andere Bereiche dieses fehlende Miteinander.

Mehr Informationen zum Thema Inklusion im Deutschen Behindertensportverband e.V. (DBS)

Kultur: Menschen mit Behinderung sind unterrepräsentiert. Die UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet in Artikel 30 die Vertragsstaaten – also auch Deutschland – dafür zu sorgen, dass Menschen mit Behinderung die Möglichkeit haben, "ihr kreatives, künstlerisches und intellektuelles Potenzial zu entfalten und zu nutzen, nicht nur für sich selbst, sondern auch zur Bereicherung der Gesellschaft." Außerdem sollen die Staaten für den barrierefreien Zugang zu Medien und zu kulturellen Veranstaltungen und Orten sorgen. Hier wartet noch eine Menge Arbeit! Interessante Ansätze und Projekte, die es ernst meinen mit der gleichberechtigten kulturellen Teilhabe, gibt es aber bereits:

  • Das Netzwerk EUCREA hat es sich zur Aufgabe gemacht, das künstlerische Potential von Menschen mit Behinderung zu fördern. EUCREA e.V. organisiert Ausstellungen und Aufführungen, wie zum Beispiel Literaturwettbewerbe für geistig beeinträchtigte Menschen oder das Tanzprojekt CAN DO CAN DANCE von und für Menschen mit und ohne Behinderung.
  • Inzwischen gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, an der Kulturlandschaft teilzuhaben bzw. sich selbst zu engagieren.
  • In der Datenbank des Familienratgebers der Aktion Mensch finden sich zahlreiche Möglichkeiten des Engagements für Menschen mit Behinderungen.

Trotzdem: Gemessen an ihrer Zahl, sind die über acht Millionen Menschen mit einer Behinderung in Deutschland im kulturellen Leben nach wie vor absolut unterrepräsentiert.

Reisen: Zunehmend Angebote für Menschen mit Behinderungen

Reisen inspiriert, reisen erweitert den Horizont und reisen bedeutet Freiheit. Auch Menschen mit Behinderung wollen reisen – nach ihren eigenen Vorstellungen und möglichst selbstständig und ohne Hindernisse.

Um dies zu ermöglichen, sind Verbesserungen auf vielen Ebenen nötig: im Verkehrsbereich, bei den Hotels und der Gastronomie aber auch bei der Qualifizierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Tourismusgewerbe. Gleichwohl hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Inzwischen gibt es neben einem breiten Angebot an individuellen Reisemöglichkeiten für Menschen mit Behinderung zahlreiche Möglichkeiten, gemeinsam mit anderen in einer Gruppe zu verreisen. Ein Beispiel für ein inklusives Reiseangebot finden sie hier.

Weitere Informationen zum Thema Freizeit und Reisen bietet der Online-Familienratgeber der Aktion Mensch unter der Rubrik „Urlaub & Begegnung“.

Freizeitassistenz und Finanzielles

Um Menschen mit Behinderung die gleichberechtigte Teilhabe an Kultur- und Freizeitangeboten zu erleichtern, gibt es persönliche Assistenzen und Integrationshilfen. Sie sind Teil der oft wohnortnahen Offenen Hilfen oder der Familienentlastenden Dienste. Die Begleitung soll möglichst flexibel und den jeweiligen Bedürfnissen angepasst sein. Wer Assistenz in Anspruch nimmt, kann selbst über Art und Umfang der Hilfe entscheiden. Finanzielle Unterstützung gibt es über die Pflegeversicherung oder im Rahmen der sogenannten Eingliederungshilfe.
Unterstützung für die Teilnahme an Kunst-, Kultur- oder sonstigen Freizeitveranstaltungen können Menschen mit Behinderung auch über das Persönliche Budget in Anspruch nehmen. Das Geld kann zum Beispiel für eine Begleitperson zum Theater- oder Konzertbesuch oder für einen Fahrdienst ausgegeben werden. Die Höhe des Budgets richtet sich nach dem jeweiligen Hilfebedarf.
Weitere Informationen hierzu finden sich ebenfalls im Familienratgeber der Aktion Mensch unter der Rubrik „Hilfen im Alltag – Assistenzen“.

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