Bildung für alle – der Realitäts-Check

Deutschland hat vor über zwanzig Jahren die Salamanca-Erklärung der UNESCO unterschrieben. Die UNESCO ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Mit der Unterschrift hat sich Deutschland verpflichtet, sich für eine „Schule für alle" stark zu machen. Das heißt, dass Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam in einer Schule lernen können. Außerdem hat Deutschland 2009 die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet. Auch in diesem Vertrag steht, dass Bildung für alle ein Menschenrecht ist. Kinder, Schüler und Studenten in Deutschland können sich aber auch im Jahr 2017 nicht auf ihr Recht verlassen. Denn in Deutschland besuchen nur etwa 34,1 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit Behinderung eine Regelschule (Stand 2014/2015). Andere Länder in Europa zeigen, dass Schule für alle funktionieren kann.

Warum gibt es nach über 20 Jahren kaum Fortschritte?

Die Schulgesetze der Bundesländer sind sehr unterschiedlich. „Schule für alle“ ist noch keine Pflicht. Auch die Kultusministerkonferenz gibt nur Ratschläge. Sie sagt, dass Menschen mit Behinderung in Kitas, Schulen und Universitäten für alle gehen sollten. Doch es passiert noch zu wenig.

Bildung für alle bringt allen etwas – wenn Regeln eingehalten werden

Gehen Kinder mit und ohne Behinderung auf die gleiche Schule, können sich zum Beispiel ihre sozialen Fähigkeiten verbessern. Das zeigen wissenschaftliche Untersuchungen. Damit der Unterricht für alle funktioniert, gelten bestimmte Regeln:

  • In einer Klasse müssen ein Fachlehrer und ein Sonderpädagoge unterrichten.
  • Die Lernziele und das Lerntempo müssen zu den Fähigkeiten der Kinder passen.
  • In einer Klasse sollten nicht mehr als sechs Kinder mit Behinderung sein.

Mit gutem Beispiel voran: Gesamtschule Bonn-Beuel

Die Gesamtschule in Bonn-Beuel zeigt seit über 30 Jahren: Eine Schule für Menschen mit und ohne Behinderung ist ein großer Erfolg. In Beuel machen viel mehr Schüler Abitur als woanders. Auch die Abbrecher-Quote ist niedriger als an vielen anderen Schulen. Das bedeutet, dass nur wenig Jugendliche die Schule ohne Abschluss verlassen. Doch Erfolge sind oft wenig bekannt. Das Deutsche Institut für Menschenrecht rät den Kultusministern: Gute Beispiele für Kitas, Schulen und Universitäten, an denen Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam lernen, sind die beste Werbung.

Es gibt Hoffnung

Wann Menschen mit und ohne Behinderung überall in Deutschland gemeinsam lernen können, ist schwer zu sagen. Früher gab es auch viele Gegner von Ganztagsschulen. Heute werden die Vorteile deutlich und es gibt sie in jedem Bundesland. Früher dachte auch keiner, dass einmal die Hauptschule abgeschafft werden könnte. Heute gibt es nur noch in wenigen Bundesländern Hauptschulen. Und auch bei der Frühförderung von benachteiligten Kindern in Kitas hat Deutschland Fortschritte gemacht. Vielleicht sind diese Kitas ein gutes Beispiel für Schulen und weitere Bildung. Denn in Kitas sind Kinder mit Behinderung oft willkommen: Mehr als die Hälfte aller Kitas nehmen Kinder mit und ohne Behinderung auf – Tendenz steigend.

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