Realitätscheck

Inklusive Bildung – ein weiter Weg?

In der Vergangenheit wurde Griechenland oft genannt, wenn es darum ging, dass Dinge nicht optimal funktionieren: Das Land gebe zu viel Geld aus, setze Sparpläne nicht entschieden genug um etc. In einem jedoch kann sich die Bundesrepublik an den Griechen ein Beispiel nehmen: Sie haben die Salamanca-Erklärung der UNESCO von 1994 umgesetzt.

Die Salamanca-Erklärung

In dem Dokument, das auch Deutschland unterschrieben hat, verpflichten sich die Staaten, sich für eine „Schule für Alle" und einen "diskriminierungsfreien Zugang zur Regelschule" stark zu machen. In Griechenland ist dieser Anspruch zu 80 Prozent erfüllt. Ganz anders in Deutschland. Hier besuchen nur 34,1 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit Förderbedarf eine Regelschule (Stand 2016).

Inklusive Bildung ist Menschenrecht

Das ist umso beschämender, weil Deutschland im März 2009 zusätzlich zur Salamanca-Erklärung die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert hat. Darin steht, dass die inklusive Bildung ein Menschenrecht ist. Mit jedem Kind, das von einer Regelschule abgewiesen wird, begeht Deutschland demnach eine Menschenrechtsverletzung. Gleiches gilt für junge Menschen mit Behinderung, die studieren wollen.

Chance vertan?

Schaut man in die Schulgesetze der Länder und die Empfehlungen der Kultusministerkonferenz, wird sich an diesem Missstand vermutlich so bald nichts ändern. Zwar gilt die Inklusion in Kitas, Schulen und Hochschulen als erstrebenswert, "aber es gibt nichts Verpflichtendes", kritisiert Sibylle Hausmanns vom Verein "gemeinsam lernen, gemeinsam leben". Auch im Staatenbericht, den die Bundesregierung als Unterzeichnerin der Behindertenrechtskonvention bei der UN abliefern musste, deutet sich keine baldige Verbesserung an.
Dabei vergibt das Land eine große Chance. Studien belegen, dass das inklusive Lernen die geistigen und sozialen Fähigkeiten aller Kinder erhöht. Voraussetzung ist allerdings, dass die Bedingungen stimmen. Dazu gehört unter anderem, dass in der Klasse sowohl ein Fachlehrer als auch ein Sonderpädagoge anwesend sein müssen, die beide binnendifferenziert unterrichten können. Das heißt, dass die Lernziele und auch das Lerntempo den einzelnen Kindern angepasst werden müssen. Außerdem sollten nicht mehr als sechs Kinder mit Behinderung in einer Klasse sein.

Mit gutem Beispiel voran

Die Integrative Gesamtschule Bonn-Beuel, gegründet 1978, erzielt mit diesem Konzept große Erfolge – ablesbar ist dies an einem überdurchschnittlich hohen Abiturschnitt und einer weit unterdurchschnittlichen Schulabbrecherquote. Auch andere Schulen, wie die Helene-Lange-Schule in Wiesbaden, die mit ihren guten Pisa-Ergebnissen in die Schlagzeilen kam, haben mit der Inklusion gute Erfahrungen gemacht. Das Problem: Bislang sind diese Erfolge in der Öffentlichkeit wenig bekannt. Stattdessen kursieren Beispiele, wo die Inklusion vermeintlich nicht geklappt hat. Außerdem halten viele Lehrer und Eltern die Inklusion für eine verkappte Sparmaßnahme.
Das Deutsche Institut für Menschenrecht, das für die UN die Umsetzung der Behindertenrechtskonvention überwacht, empfiehlt den Kultusministern daher, die Inklusion auch durch die Vermittlung guter Praxisbeispiele zu befördern. Andere Forderungen sind: die Kostenträger zur Kooperation verpflichten, die Ausbildungs- und Prüfungsordnungen an die inklusive Pädagogik anpassen und beamtenrechtliche Fragen zum Wechsel von Sonderpädagogen an Regelschulen zu klären. Außerdem ist wichtig, dass keine neuen Sondereinrichtungen gefördert werden.

Es gibt Hoffnung

Wann man in Deutschland tatsächlich von einem inklusiven Bildungssystem sprechen kann, ist derzeit schwer abzusehen. Hoffnungslos ist die Lage aber nicht. Auch die Ganztagsschulen waren einst ein rotes Tuch. Inzwischen sind ihre Vorteile erkannt und es gibt sie in jedem Bundesland. Auch dass mehr als die Hälfte der Bundesländer die Hauptschule abschafft, weil deren schlechter Ruf den Jugendlichen bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle geschadet hat, galt vor ein paar Jahren noch als undenkbar. Und auch bei der lange vernachlässigten Frühförderung von sozial benachteiligen Kindern in Kitas hat das Land Fortschritte gemacht. Möglicherweise geht von ihnen auch der entscheidende Impuls zur Inklusion aus. In den Kitas sind Kinder mit Behinderungen nämlich mehrheitlich willkommen: Gut 60 Prozent aller Kitas arbeiten inklusiv – Tendenz steigend.

In Vorfreude Gutes tun

Dein perfektes
Weihnachtsgeschenk

Ein Jahreslos der
Aktion Mensch

Jetzt Los kaufen

So kannst du beitragen

Freiwillig engagieren oder Projekt starten

Über Inklusion informieren

Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen

Noch kein
Geschenk?