Barrierefreiheit: Zahlen & Fakten

Wo spielt Barrierefreiheit eine Rolle?

Wer Inklusion möchte, muss Barrierefreiheit bei allen Handlungen mit bedenken.
Das gilt zum Beispiel für folgende Lebensbereiche:

Arbeit: Gleiche Chancen auf dem Arbeitsmarkt
 

Immer mehr Menschen mit Behinderung finden eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt (derzeit insgesamt ca. 1,15 Mio.). Dennoch ist die Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit Behinderung häufig schwierig. Sie suchen länger nach einer Arbeit als Menschen ohne Behinderung und sind im Schnitt deutlich häufiger von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen.


Wie hoch die Barrieren in den Köpfen vieler Arbeitgeber sind, zeigt sich auch darin, dass 60 Prozent aller privaten Unternehmen lieber eine Ausgleichsabgabe zahlen, als die Mindestquote zu erfüllen – die schreibt vor, dass fünf Prozent der Stellen an Menschen mit Behinderung vergeben werden sollen.

 

Schule: Vielfalt im Klassenzimmer
 

Inklusive Schule diskriminiert niemanden. Und wer von klein auf miteinander spielt und lernt, wird anderen auch später im Arbeitsleben oder in der Freizeit ohne Vorurteile begegnen.

Ein wichtiger Schritt zur Unterstützung dieser Entwicklung ist, dass immer mehr Schulen sich baulich und technisch an die vielfältigen Bedürfnisse ihrer Schüler anpassen. Aufzüge, digitale Hilfen und Unterrichtsmaterialien in verschiedenen Schwierigkeitsstufen sind ein guter Anfang. Denn nur da, wo Barrierefreiheit zum Alltag gehört, kann Inklusion auf der ganzen Linie gelingen. Von diesem Ziel ist Deutschland noch weit entfernt.

 

Wohnen: Selbstbestimmtes Leben ermöglichen
 

Trotz vieler anderer Möglichkeiten leben Menschen mit Behinderung zu großen Teilen in Wohnheimen. Dies zeigt, dass sie in der Wahl ihres Wohnortes und der Wohnform in Deutschland nicht wirklich frei sind. Vor allem trifft das auf Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf zu – trotz der Gleichstellungsgesetze in Bund und Ländern und trotz der im Sozialgesetzbuch IX, §1 enthaltenen Regelung, wonach Menschen mit Behinderung Leistungen erhalten, „um ihre Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu fördern“. In der Realität wird nötige Unterstützung häufig nicht gewährt.


Schätzungen zufolge stehen im Moment etwa 500.000 barrierefreie Wohnungen für Menschen mit motorischen Einschränkungen zur Verfügung. Bis zum Jahr 2025 wird der Bedarf auf bis zu 2,5 Millionen solcher Wohnungen steigen. Sie sind eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Menschen mit Behinderung selbstbestimmt leben können.

 

Freizeit: Alle inklusive?
 

Je nach Art der Behinderung kann die Barrierefreiheit ganz unterschiedlich gestaltet sein: Damit gehörlose Menschen einen Film oder ein Theaterstück genießen können, brauchen sie Untertitel auf der Leinwand oder der Bühne. Bei anderen Gelegenheiten helfen Gebärdensprachdolmetscher: Sie vermitteln in Museen die Informationen, die andere Besucher per Audioguide erhalten; bei Vorträgen übersetzen sie das gesprochene Wort. Für blinde Menschen wiederum ist eine Audiodeskription – die Erklärung von Bildern in Worten – die Voraussetzung für echte Teilhabe an Film- und Theatervorstellungen. Und damit Rollstuhlfahrer ein Konzert besuchen können, muss für  Zugänglichkeit und behindertengerechte Toiletten gesorgt werden.

 

Kommunikation: Viele Wege zur Verständigung
 

Wer meint, dass Verständigung über Lautsprache das einzig Wahre sei, sollte mal den Blick über den Tellerrand wagen: Gehörlose Menschen zum Beispiel haben ihre eigene Sprache, die Deutsche Gebärdensprache (DGS), die in Deutschland und Luxemburg von etwa 200.000 Menschen genutzt wird. Um sich mit Hörenden zu verständigen, die keine DGS beherrschen, sind meist Gebärdensprachdolmetscher notwendig.

Unterstützte Kommunikation ersetzt die Lautsprache

Andere Kommunikationsformen und Hilfsmittel können die Lautsprache ersetzen oder ergänzen. Bildtafeln ermöglichen es nicht-sprechenden Menschen zum Beispiel, sich mitzuteilen, indem sie auf Symbole zeigen.
Elektronische Sprachausgabe-Geräte, kurz: Talker, haben eine Auswahl an Wörtern und Sätzen gespeichert, die sich per Druck auf bebilderte Knöpfe abspielen lassen. Andere Geräte wiederum können Eingaben per Tastatur in Lautsprache verwandeln.


Menschen, die in ihrer Motorik eingeschränkt sind, können Sprachsteuerungs- oder Augensteuerungsprogramme nutzen, um am Computer Texte zu schreiben oder im Internet zu surfen. So lassen sich per Augensteuerung die einzelnen Buchstaben einer Tastatur, die auf dem Bildschirm eingeblendet ist, anwählen.

Informationen in Leichter Sprache
Mangelnde Verständlichkeit von Texten ist für Menschen mit Lernbehinderung oft ein Problem, etwa bei Briefen von Behörden, Info-Blättern der Krankenkasse und bei Schildern im öffentlichen Raum. Übersetzungen in Leichte Sprache helfen. Sie folgt bestimmten Regeln, unter anderem: einfache und bekannte Wörter, kurze Sätze, gut lesbare Schrift. Dies erleichtert das Lesen und Verstehen.

 

Medien: Digitalisierung bringt Unabhängigkeit
 

Für Menschen, die wegen einer körperlichen Einschränkung ihr Zuhause nicht so leicht verlassen können, sind E-Mails und soziale Netzwerke ein guter Weg, um Kontakt zu Freunden, Familie und Kollegen zu halten. Die Teilhabe über das Internet funktioniert jedoch nur dann, wenn die Angebote sowohl zugänglich als auch verständlich sind.


Dazu verpflichtet auch die UN-Behindertenrechtskonvention mit dem Artikel 9. Die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV) soll nun bei allen Bundesbehörden einen barrierefreien Internet-Auftritt gewährleisten.


Die Hürden sind, je nach Art der Behinderung, unterschiedlich. So ist es für gehörlose Menschen notwendig, dass Videos oder Filme Untertitel haben oder in Gebärdensprache übersetzt werden. Menschen mit Lernschwierigkeiten benötigen Texte in leicht verständlicher Sprache. Menschen mit Sehbehinderung profitieren am Computer von Vergrößerungssoftware; blinde Menschen können sich von Texterkennungs- und Vorlese-Software Internetseiten vorlesen oder in Blindenschrift – also Brailleschrift – ausgeben lassen. Hierfür ist jedoch eine besondere Tastatur nötig.


Das Smartphone: ein wichtiges Hilfsmittel für Menschen mit Behinderung
Auch Geräte mit Touchscreen wie Smartphones und Tablets sind für Menschen mit Sehbehinderung nutzbar. Denn die Einstellungen der Geräte lassen sich an die persönlichen Bedürfnisse anpassen. Andere Funktionen machen herkömmliche Hilfsmittel überflüssig: Wer ein Smartphone besitzt, braucht keinen separaten, sprechenden Taschenrechner mehr oder eine Uhr. Auch die Zeit können bestimmte Handys auf Knopfdruck mitteilen. Und die eingebaute Kamera ersetzt die Lupe.


Permanent werden neue Apps für die mobilen Geräte entwickelt, die für bessere Orientierung und Kommunikation sorgen. Eine Reihe von Apps hilft bei der Farberkennung. Die Navigations-App "Blind Square" sagt Menschen mit Sehbehinderung Straßen und Kreuzungen an. Durch Schütteln des Geräts kann die aktuelle Position abgefragt werden. Mit der App „Be my eyes“ können Blinde per Video andere Menschen kontaktieren, die ihnen zum Beispiel anhand der Handy-Kamera Schilder vorlesen oder eine Verkehrssituation beschreiben.

 

Gebäude und Plätze: Zugänglichkeit gewähren
 

Das Piepen der Ampel, Pflastersteine mit Oberflächenstruktur, abgesenkte Bordsteinkanten – das sind drei Ansätze für barrierefreie Stadtplanung, die vielen mittlerweile vertraut sind. Doch Barrierefreiheit reicht weit über diese Maßnahmen hinaus. So benötigen Menschen mit Lernschwierigkeiten eine klare Gestaltung von Innen- und Außenräumen. Eindeutige Piktogramme sowie Schilder in verständlicher Sprache können ihnen bei der Orientierung helfen.


Leitsysteme sind für sehbehinderte oder blinde Menschen wichtig, um sich selbstständig in Gebäuden und auf Plätzen bewegen zu können - zum Beispiel Tastpläne und Beschilderungen in Brailleschrift sowie Tastkanten und Bodenindikatoren. Damit Schilder lesbar sind, braucht es klare Farbkontraste und Schriften sowie eine helle, aber nicht blendende Beleuchtung.

Bus und Bahn: Barrierefreiheit und Mobilität heißt Teilhabe

Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in Deutschland spielt eine große Rolle für Menschen mit Behinderung, da sie häufig nicht selbst Auto fahren. Bus und Bahn ermöglichen ihnen Mobilität und damit Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Hilfreich ist zudem, dass Menschen mit Schwerbehinderung das Recht haben, kostenlos oder begünstigt im ÖPNV mitzufahren; das gilt auch für ihre notwendigen Begleitpersonen. Voraussetzung für mehr Mobilität ist allerdings, dass die Verkehrsmittel zugänglich sind.


Mit dem Gesetz zur Änderung personenbeförderungsrechtlicher Vorschriften wurde im November 2012 ein wichtiger Schritt in diese Richtung getan. Das Gesetz enthält einen Passus, demzufolge das bundesweite ÖPNV-Netz sowie der Fernbusverkehr bis 2022 barrierefrei sein müssen. Niederflurbusse sind in vielen Städten schon selbstverständlich.

 

(Stand: 2016)

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