Wo Barrierefreiheit eine Rolle spielt

Arbeit

Immer mehr Menschen mit Behinderung finden Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt. Das sind Arbeitsstellen in Unternehmen, die nicht staatlich gefördert sind. Aktuell sind etwas mehr als eine Million Menschen mit Behinderung beschäftigt. Doch für sie ist es noch immer schwer, einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden. Sie suchen länger nach einer Arbeit als Menschen ohne Behinderung. Auch sind Menschen mit Behinderung häufiger eine längere Zeit arbeitslos. Viele Arbeitgeber haben Angst, Menschen mit Behinderung einzustellen. Sie wissen oft nicht, wie gut die Zusammenarbeit funktionieren kann. 60 Prozent aller privaten Unternehmen zahlen lieber die Ausgleichsabgabe. Diese Abgabe müssen Unternehmen zahlen, die mindestens 20 Mitarbeiter, aber keinen Menschen mit Behinderung eingestellt haben.

Schule

Wenn Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam in den Kindergarten und in die Schule gehen, lernen sie sich gegenseitig kennen. Sie haben keine Angst vor Kontakt, wissen viel mehr über Barrierefreiheit und über Behinderungen. Wer zusammen spielt und lernt, denkt auch später im Job oder in der Freizeit an Barrierefreiheit. Es ist sehr gut, dass immer mehr Schulen Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam unterrichten. Diese Schulen werden so gebaut, dass auch Kinder mit Behinderung an keine Grenzen stoßen. Außerdem gibt es an diesen Schulen technische Hilfsmittel, wie zum Beispiel Lesegeräte. Und auch der Unterricht selbst verändert sich: Es gibt verschiedene Schwierigkeitsstufen. Diese inklusiven Schulen sind ein guter Anfang. Erst wenn Barrierefreiheit so früh beginnt und zum täglichen Leben gehört, kann Inklusion gelingen. Inklusion bedeutet: Jeder kann mitmachen, egal ob in der Schule, im Job oder in der Freizeit. Von diesem Ziel ist Deutschland noch weit entfernt.

Wohnen

Es gibt immer mehr Unterstützungsangebote, damit Menschen mit Behinderung so wohnen können, wie sie möchten: Wohnassistenz, betreutes Wohnen, Mehr-Generationen-Häuser oder Wohngemeinschaften. Doch es muss noch viel mehr passieren. Noch immer wohnen viele Menschen mit Behinderung in Wohnheimen. Was heißt das? Sie können nicht frei wählen, wie und wo sie wohnen wollen. Besonders Menschen, die viel Unterstützung brauchen, haben kaum eine Wahl. Die Gleichstellungsgesetze von Bund und Ländern sichern Menschen mit Behinderung eigentlich das Recht zu, selbst über ihr Leben zu entscheiden. Im 9. Sozialgesetzbuch Paragraf 1 steht: Menschen mit Behinderung sollen Leistungen erhalten, um ihre Selbstbestimmung zu fördern. Sie sollen damit außerdem gleichberechtigt am Leben in der Gesellschaft teilhaben. Oft bekommen sie diese Unterstützung aber nicht. Experten schätzen, dass es im Moment 500.000 barrierefreie Wohnungen für Menschen mit Behinderung gibt. Wir brauchen aber viel mehr: 2,5 Millionen barrierefreie Wohnungen werden im Jahr 2025 nötig sein. Diese Wohnungen sind eine Voraussetzung dafür, dass Menschen mit Behinderung selbstbestimmt leben können.

Freizeit

In Deutschland gibt es auch in der Freizeit noch viele Barrieren für Menschen mit Behinderung. Barrierefreiheit sieht je nach Art der Behinderung unterschiedlich aus: Zum Beispiel brauchen gehörlose Menschen Untertitel, wenn sie einen Film oder ein Theaterstück ansehen möchten. Blinde Menschen brauchen eine Audio-Deskription. Sie erklärt mit Worten, was sehende Menschen mit den Augen beobachten können. Damit Rollstuhlfahrer ein Konzert besuchen können, brauchen sie behindertengerechte Toiletten. Menschen mit Körperbehinderung brauchen Computer-Spiele, bei denen es verschiedene Schwierigkeitsstufen gibt. 

Kommunikation

Nicht alle Menschen mit Behinderung können sprechen. Sie können sich aber trotzdem sehr gut verständigen: Gehörlose Menschen haben zum Beispiel die Gebärdensprache. In Deutschland und Luxemburg benutzen etwa 200.000 Menschen die Deutsche Gebärdensprache (DGS). In anderen Ländern sprechen die Menschen andere Gebärdensprachen. Gebärdensprachdolmetscher übersetzen die Sprache zwischen Menschen, die keine Gebärdensprache können und Menschen die sie können. Es gibt auch Hilfsmittel, die die gesprochene Sprache ersetzen oder ergänzen. Einige Menschen nutzen zum Beispiel Bildtafeln. Es gibt auch elektronische Sprachausgabegeräte. Der Fachausdruck dafür ist Talker. Auch hier drücken die Benutzer auf Tasten mit Bildern. Der Talker spricht dann die Wörter oder Sätze laut aus. Man kann auch ganze Sätze einspeichern und nach Wunsch abspielen. Andere Geräte können getippte Texte laut aussprechen: Zum Beispiel Tablets oder Smartphones. Programme, die Augenbewegungen aufnehmen, helfen Menschen mit Körperbehinderung. So kann man mit Blicken im Internet surfen oder Texte schreiben.

Oft sind geschriebene Texte sehr kompliziert. Nicht alle Menschen verstehen sie. Einfache Sprache hilft Menschen, die nicht so gut lesen können. Leichte Sprache hilft Menschen mit Lernbehinderung. Ohne Einfache oder Leichte Sprache können viele Menschen wichtige Briefe, Formulare oder Texte nicht lesen oder verstehen. Übersetzungen in Leichte oder Einfache Sprache helfen. Es gibt für Leichte oder Einfache Sprache bestimmte Regeln: einfache und bekannte Wörter nutzen, kurze Sätze schreiben, gut lesbare Schrift und Bilder zu den Texten.

Medien

Mit E-Mails oder über soziale Netzwerke wie Facebook kann man sehr gut mit Freunden, Familie und Kollegen Kontakt halten. Sie sind besonders für Menschen nützlich, die wegen einer körperlichen Einschränkung ihr Zuhause nicht so leicht verlassen können. Doch müssen die digitalen Angebote auch für alle Menschen nutzbar sein. Mehr Barrierefreiheit im Internet nützt allen. Nach Artikel 9 der UN-Behindertenrechtskonvention sollten Internetseiten für alle verständlich und nutzbar sein. Zumindest auf den Internetseiten von deutschen Bundesbehörden gibt es immer mehr barrierefreie Angebote. Der Grund: Die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV) verpflichtet die Behörden dazu.

Technische Hilfsmittel und Programme für Computer oder Smartphones sind für Menschen mit Behinderung sehr wichtig. Zum Beispiel können Geräte mit Touchscreen auch Menschen mit Sehbehinderung nutzen: Sie können sich damit Texte vorlesen oder die Uhrzeit ansagen lassen. Die eingebaute Kamera ersetzt die Lupe. Gehörlose Menschen können die Sprachfunktion nutzen. Menschen mit Körperbehinderung können ihren elektrischen Rollstuhl damit bedienen. Denn die Einstellungen der Geräte und Programme lassen sich an die persönlichen Bedürfnisse anpassen.

Gebäude und Plätze

Einige barrierefreie Lösungen kennen viele Menschen schon: Das Piepen an der Ampel, Wege mit geriffelter Struktur für Blindenstöcke oder abgesenkte Bordstein-Kanten. Wir brauchen mehr davon. Wir brauchen weitere Lösungen, damit noch mehr Menschen selbständig und frei leben können. Zum Beispiel brauchen Menschen mit Lernschwierigkeiten eine klare Bauweise von Innen- und Außenräumen. Keine Flure und Wege, wo man sich leicht verlaufen kann. Bilder, Info-Texte und Schilder sollten leicht verständlich sein. Sie sollten auch mit gutem Kontrast, einer größeren und lesbaren Schrift sein. Pläne, Schilder und Texte in Blindenschrift können Menschen mit Sehbehinderung das selbstständige Leben erleichtern. Städte, Gemeinden und Unternehmen können mit einer guten Bauplanung allen Menschen helfen, leichter an ihr gewünschtes Ziel zu kommen.

Bus und Bahn

Der Öffentliche Personen-Nahverkehr (ÖPNV) in Deutschland ist für Menschen mit Behinderung sehr wichtig. Denn sie fahren häufig nicht selbst Auto. Mit Bus und Bahn mobil zu sein, ermöglicht ihnen am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Menschen mit Schwerbehinderung haben das Recht kostenlos oder für einen niedrigeren Preis mitzufahren. Das gilt auch für ihre Assistenten oder notwendigen Begleitpersonen. Die Voraussetzung dafür ist aber, dass Busse und Bahnen barrierefrei sind. Ein neues Gesetz soll dafür sorgen, dass bis zum Jahr 2022 der Öffentliche Nahverkehr und der Fernbus-Verkehr barrierefrei werden müssen. Busse, die einen sehr niedrigen Einstieg haben, sind in vielen Städten schon selbstverständlich.

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