Erster und zweiter Arbeitsmarkt - Realitätscheck

Arbeitsmarktpolitik

Viele Arbeitgeber scheuen sich davor, Menschen mit Behinderung einzustellen. Sie sehen nicht Qualifikation, Erfahrung und Kreativität der potentiellen Mitarbeiter, sondern fürchten mögliche Ausfallzeiten durch Krankheit, finanziellen und organisatorischen Aufwand für die Gestaltung des Arbeitsplatzes, Konflikte mit Kollegen sowie den für Mitarbeiter mit Schwerbehinderung garantierten besonderen Kündigungsschutz und den Anspruch auf Zusatzurlaub. Und: Sie wissen zu wenig von den Hilfen zur Eingliederung in das Arbeitsleben, die die Bundesregierung bietet.

Folgende Leistungen zur Förderung von Ausbildung und Beschäftigung für Menschen mit Behinderung sieht das Sozialgesetzbuch (SGB IX) unter anderem vor:

  • Geldleistungen an Arbeitgeber, die Menschen mit Behinderung ausbilden und beschäftigen, die neue Arbeits- und Ausbildungsplätze schaffen oder die Schwerbehinderte auf Probe einstellen
  • Zuschüsse für die behindertengerechte Einrichtung des Arbeitsplatzes
  • Kostenübernahme für technische Arbeitshilfen, Arbeitsassistenzen, Vorlesekräfte und Gebärdensprachdolmetscher
  • „Integrationsvereinbarungen“, in denen die Gestaltung des Arbeitsplatzes, Arbeitsorganisation und Arbeitszeiten geregelt werden.

Zweiter Arbeitsmarkt und Quote

Bislang unterscheidet man den "ersten Arbeitsmarkt" mit Arbeitsplätzen in der freien Wirtschaft sowie in den rund 700 Integrationsunternehmen, wo dauerhaft 25 bis 50 Prozent Menschen mit Behinderung arbeiten, von dem "zweiten Arbeitsmarkt" mit seinen rund 700 Werkstätten für Menschen mit Behinderung.
Private und öffentlich-rechtliche Arbeitgeber, die mindestens 20 Mitarbeiter haben, müssen fünf Prozent ihrer Stellen an Menschen mit Schwerbehinderung vergeben, das schreibt die Beschäftigungspflichtquote vor. Erfüllen sie diese Quote nicht, müssen sie eine sogenannte "Ausgleichsabgabe" zahlen, die zwischen 115 und 290 Euro pro Monat liegt.

 

Wandel durch Inklusion

Die Bundesregierung will mehr Menschen mit Behinderung auf den allgemeinen bzw. ersten Arbeitsmarkt bringen – und sie muss es auch: Denn die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung fordert die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung auch am Arbeitsmarkt und leitet damit einen Wandel in der deutschen Beschäftigungspolitik ein.

Die Zukunft der Werkstätten

Wenn man die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung korrekt auslegt, müsste man sagen: Inklusion ist dann, wenn alle Menschen mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt beschäftigt sind. Mit anderen Worten: Wenn niemand mehr in eigens für Menschen mit Behinderung geschaffenen Werkstätten arbeitet.

Allerdings rechnen selbst Fachleute nicht damit, dass von heute auf morgen sämtliche Werkstätten aufgelöst werden. Und nicht alle halten das für wünschenswert: Werkstätten sind aus Sicht der Befürworter schon deswegen wertvoll, weil sie vielen Menschen mit Behinderung einen geschützten Raum bieten, um überhaupt erste fachliche Qualifikationen und Selbstbewusstsein zu entwickeln.

Tatsache ist: Noch fehlt es in Unternehmen des ersten Arbeitsmarkts an Aufmerksamkeit und Begleitung für Menschen mit Behinderung. Andererseits kann das kein Argument für den Erhalt der Werkstätten sein.

Wahrscheinlich ist, dass die Integrationsunternehmen langfristig eine große Zahl an Stellen anbieten, die bislang in Werkstätten für Menschen mit Behinderung angesiedelt sind. Ebenso ist denkbar, dass die Werkstätten künftig nicht mehr als Alternative zum freien Arbeitsmarkt zu verstehen sind, sondern als eine Art Back-up-Einrichtung: ein Ort zur Berufsvorbereitung und Ausbildung, zu beruflicher Anpassung und Weiterbildung, als Arbeitsplatz für bestimmte Lebensphasen eines Menschen mit Behinderung.

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