Mit maximal 250.000 Euro bringt die Starthilfe in der Behindertenhilfe neue Angebote ins Rollen.

Kompetente Begleitung: Die Starthilfe ermöglicht den Aufbau ambulanter Dienste, zum Beispiel für die Begleitung von Menschen mit Sehbehinderung.

Es ist eines der ältesten Förderinstrumente der Aktion Mensch – und eines der effektivsten: die Starthilfe für neue ambulante Dienste in der Behindertenhilfe. Sie bewirkte, dass in Deutschland im Prinzip ein flächendeckendes System von ambulanten Diensten entstehen konnte. „Diese Förderung hat über die Jahre hinweg bereits sehr viele Dienste angeschoben, sagt Detlef Kaenders, Leiter des Teams Starthilfe. „Sie hat dafür gesorgt, dass sich bundesweit die Wahlfreiheit zwischen verschiedenen Diensten und Angeboten für Menschen mit Behinderung erhöhte.“ Nach wie vor erfreut sich dieser Dauerbrenner der Hilfe großer Beliebtheit: Allein 2015 schob die Aktion Mensch damit über 250 Vorhaben in der Behindertenhilfe mit insgesamt über 21 Millionen Euro an.

Für neue und zusätzliche Dienste
Starthilfe kann beantragen, wer den Aufbau eines neuen Dienstes plant. Oder, wer ein zusätzliches Angebot innerhalb eines bereits bestehenden Dienstes einrichten will. Die Förderung zielt ausschließlich auf ambulante Dienste, nicht auf stationäre Einrichtungen. „Durch ambulante Dienste haben wir eine große Chance, mehr Teilhabe, Mitwirkung und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung im Sozialraum zu erreichen“, erklärt Detlef Kaenders.

Am häufigsten wurden 2015 neue Beratungsstellen unterstützt, gefolgt von Diensten zum Ambulant betreuten Wohnen, Familienunterstützenden Diensten (FuD) und Frühförderung. „Das sind unsere vier Schwerpunktthemen der Starthilfe, die alle gut nachgefragt werden“, sagt Kaenders. Der Klassiker ist der Aufbau einer lokalen Beratungsstelle für Menschen mit Behinderung, die Ratsuchende unterstützt und bei Bedarf weitervermittelt. Aber auch neue Ideen erhalten den Zuschuss: „In jüngster Zeit geht es öfter mal um den Aufbau von Diensten rund um die Übersetzung in Leichte Sprache“, nennt Kaenders ein Beispiel. „Oder um den Aufbau einer Aufklärungs- oder Beratungsstelle mit Schulassistenz und Begleitdienst zur Inklusion von Kindern und Jugendlichen in Vorschule oder Schule.“ Gefragt sind aktuell auch Starthilfen für den Aufbau von Kontakt- und Begleitstellen für geflohene Menschen mit Traumaerfahrung sowie deren Kindern. Die Aktion Mensch fördert auch den Aufbau neuer Dienste und die Erweiterung bereits bestehender Dienste für Starthilfen zur sozialmedizinischen Nachsorge.

Viele Angebote wurden zunächst ehrenamtlich betrieben. Mit der Starthilfe sollen sie professionelle Strukturen erhalten. Maximal zwei Mal kann ein Träger an einem Standort für einen ganz neuen Dienst in unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern eine Starthilfe beantragen.

Was gefördert wird
Die Starthilfe fördert ausschließlich Personalkosten. Dabei macht es einen Unterschied, ob es um einen neuen Dienst oder um ein zusätzliches Angebot in einem bestehenden Dienst geht. Neue Dienste bezuschusst die Aktion Mensch maximal vier Jahre mit einer Fördersumme bis zu 250.000 Euro. „Der höchste Fördersatz liegt hier bei 70 Prozent“, sagt Detlef Kaenders. „Das heißt, der Träger muss 30 Prozent Eigenmittel aufbringen.“ Von dem Geld können bis zu eineinhalb Stellen eingerichtet werden, wobei mindestens eine halbe Stelle für eine Leitungskraft zur Verfügung stehen muss. „Damit wollen wir die Fachlichkeit sicherstellen“, so Kaenders.

Wenn ein bereits bestehender Dienst sein Angebot erweitern und/oder eine neue Zielgruppe ansprechen will, gilt die Starthilfe dagegen für bis zu drei Jahre und hat eine maximale Fördersumme von 120.000 Euro. Damit kann der Träger bis zu einer Stelle finanzieren. Grundsätzlich alle bestehenden ambulanten Dienste können dafür einen Antrag stellen. Sie müssen allerdings ohne Fördermittel der Aktion Mensch dauerhaft und nachhaltig bestehen. „Die Chance auf eine solche Starthilfe hat beispielsweise eine bestehende Beratungsstelle für Menschen mit Down-Syndrom, die sich für Menschen mit Autismus öffnen möchte. Oder ein Familienunterstützender Dienst, der zusätzlich eine Schulassistenz auf den Weg bringt“, erklärt Detlef Kaenders.

Ob nun ein neuer Dienst entstehen oder ein neues Angebot in einem bereits bestehenden Dienst aufgebaut werden soll – beide Antragsvarianten können, neben einem Zuschuss von Personalkosten, seit 2014 ergänzend 2.000 Euro im Jahr für Fortbildungen erhalten. Für beide Varianten ist darüber hinaus ein zusätzlicher Zuschuss zum Beispiel für Inventar möglich: „Man kann bei uns parallel zur Starthilfe einen Antrag auf Investitionsförderung für Dienste und Einrichtungen stellen, falls man eine Ausstattung braucht“, erklärt Kaenders.

Die umfassende Förderung will nachhaltige Dienste möglich machen. „Sie sollen nach der Förderzeit eigenständig weiterlaufen und über andere Mittelgeber refinanziert werden“, fasst Förderexperte Kaenders zusammen. „Wir geben den Anschub, damit etwas aufgebaut wird. Die Antragssteller müssen dafür sorgen, dass es dauerhaft erhalten bleibt.“

Hier gibt es mehr Informationen über Starthilfen.

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