Ein Zuhause in einer kleinen Wohngemeinschaft, zentral gelegen, mit guter Anbindung und leichtem Zugang in die Nachbarschaft: Das sind die Angebote, die die Aktion Mensch in ihrem Förderbereich Wohnen bezuschussen möchte. Neben der Förderung von Kauf, Bau oder Umbau der Immobilien finanziert sie auch Fachkräfte, die den Bewohnern beim Vernetzen und Heimisch werden in ihrem neuen Viertel tatkräftig zur Seite stehen.

Das ist unser Haus: Die Aktion Mensch fördert Wohnprojekte mit inklusivem Ansatz.

Die Dulles-Siedlung in Gießen: Früher haben hier amerikanische Soldaten gewohnt. Als sie abzogen, kaufte die Lebenshilfe einen halben leerstehenden Wohnblock, sanierte ihn und richtete dort vier barrierefreie Wohnungen für Menschen mit Behinderung ein. So entstanden acht Plätze für erwachsene Frauen und Männer mit hohem Unterstützungsbedarf, die selbstbestimmt gemeinsam in einer Einzel- oder Paarwohnung oder als kleine WG unter einem Dach wohnen. Die Aktion Mensch hat den barrierefreien Umbau mit 200.000 Euro gefördert. Um den Bewohnern, die vorher in einer Großeinrichtung wohnten, das Einleben im neuen Zuhause und Viertel zu erleichtern, erhielt der Träger weitere 104.676 Euro für eine Personalstelle. Ein Teilhabemanager sorgt nun über drei Jahre dafür, nachhaltige Kontakte zu Vereinen, Kirchengemeinden und anderen Anbietern im Wohnquartier aufzubauen.

„Wir wollen mit unserer Förderung erreichen, dass Menschen mit Behinderung wählen können, wie und wo sie wohnen und leben möchten“, sagt Norbert Bruchhausen, Leiter Investitionsförderung bei der Aktion Mensch. „Insbesondere wollen wir kleinere Wohnmöglichkeiten fördern. Denn gerade hier gibt es noch wenig Auswahlmöglichkeiten.“ Seit Jahren wandeln viele Träger ihre großen, oft an den Ortsrändern liegenden Einrichtungen für Menschen mit Behinderung in kleinere, zentral gelegene Wohneinheiten um. „Diese Entwicklung geht weiter. Zusätzlich wollen wir aber auch Anreize schaffen, damit mehr stadtteilbezogene Wohnangebote entstehen“, erklärt Bruchhausen. „Deshalb fördern wir die kleinen Wohnangebote großzügiger.“

Das Förderangebot für gemeindenahe Wohnangebote von drei bis acht Plätzen ist besonders attraktiv. Bis zu maximal 200.000 Euro Zuschuss und bis zu 40 Prozent der förderfähigen Kosten für Erwerb, Bau und Inventarkosten der Einrichtung stellt die Aktion Mensch zur Verfügung. Für bis zu vier rollstuhlgerechte Räume können Antragssteller darüber hinaus je 20.000 Euro Zuschuss bekommen. „Wir vergeben also bis zu 280.000 Euro in der Investitionsförderung von kleinen Objekten von drei bis acht Plätzen“, erläutert Bruchhausen.

Und das ist nicht alles: Neben den Kosten für die Immobilie können auch Kosten für eine Fachkraft gefördert werden, die im Viertel für Inklusion und Vernetzung sorgt. Denn die Träger sorgen zwar in den neuen Wohneinrichtungen für Pflege und Betreuung. Oft fehlen ihnen aber die Mittel für zusätzliches Personal, um die Teilhabe der neuen Bewohner im Viertel zu sichern. „Für das ,Wohnen im Sozialraum', wo wir verstärkt kleinere Wohneinrichtungen im Blick haben, zahlen wir deshalb eine doppelte Förderung“, sagt Norbert Bruchhausen. „Wir vergeben einerseits eine Investitionsförderung beim Kauf, beim Umbau oder Bau von Wohnungen. Andererseits bieten wir die Möglichkeit einer Personalförderung von bis zu einer Stelle bei kleineren Wohnangeboten bis zu acht Plätzen für bis zu drei Jahre.“ Konkret bedeutet das einen Zuschuss von 70 Prozent der Personalkosten und 20 Prozent Verwaltungskostenpauschale bis zu einer Höhe von insgesamt 120.000 Euro. „Es geht darum, nicht nur in einem neuen Wohnangebot einzuziehen. Sondern darum, wirklich vor Ort anzukommen und dort schnell Kontakt zu Nachbarn, Vereinen oder Kirchengemeinden zu knüpfen“, sagt Bruchhausen.

Auch für größere, schon länger bestehende Wohneinheiten fördert die Aktion Mensch Konzepte zur Erschließung des Sozialraumes. „Hier gibt es für ein Jahr bis zu 15.000 Euro Förderung“, erläutert Norbert Bruchhausen. „Das ist bei bestehenden Einrichtungen möglich, in die im Laufe der Zeit neue Leute eingezogen sind, die zu wenig Sozialraumbezug haben.“ So unterstützte die Aktion Mensch mit 13.956 Euro zum Beispiel die Entwicklung eines Konzeptes für mehr Sozialraumbezug von 42 Bewohnerinnen und Bewohner mit geistiger Behinderung, die im Haus Am Bokeler Bach der Heilpädagogische Hilfe Bersenbrück gGmbH leben. Durch den Zuschuss konnten zwei Heilerziehungspflegerinnen ein Jahr lang daran arbeiten, die Menschen nach ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen stärker in das gesellschaftliche Leben ihrer Nachbarschaft in Bersenbrück zu integrieren.

Norbert Bruchhausen empfiehlt, die Förderanträge für Wohnprojekte bereits früh zu stellen. „Ein Vorhaben, das bereits begonnen hat, kann aber nicht gefördert werden“, sagt er. Sein Rat: „Wenn man weiß, was man will, sollte man bereits den Antrag stellen.“ Wichtig ist ihm ein Appell: „Das ist alles gar nicht so schwierig mit der Antragsstellung, aber es bringt viel“, betont er. „Man sollte sich ruhig daran wagen!“

Das könnte Sie auch interessieren:

Vielfältige Wohnformen: Wie Menschen mit Behinderung in Deutschland wohnen.

Weiterlesen

Ein selbst gewähltes Wohnumfeld macht neue soziale Räume frei für mehr Teilhabe.

Mehr erfahren

Wohnen inklusiv: Eine WG in Saarbrücken für junge Menschen mit und ohne Behinderung.

Zum Projekt

Was du tun kannst

Gutes tun und gewinnen

Mit einem Los der Aktion Mensch

Jetzt Los kaufen

So kannst du beitragen

Freiwillig engagieren oder Projekt starten

Über Inklusion informieren

Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen