Gemeinnützige Integrationsunternehmen sorgen dafür, dass immer mehr Hotels, Jugendherbergen, Campingplätze und Restaurants zu interessanten Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderung werden. Außerdem schreiben sie Barrierefreiheit für ihre Gäste groß. Gute Gründe für die Aktion Mensch, diese Betriebe zu fördern.  

Der barrierefreie Campingplatz am Bodensee bietet auch Menschen im Rollstuhl ausreichend breite Wege und Zugänge.

Ein barrierefreier Campingplatz am Bodensee, wo ein Mitarbeiter im Rollstuhl die Gäste gutgelaunt begrüßt. Ein Tagungshotel in Essen, das auch Blindenhunde willkommen heißt. Ein Kulturzentrum mit Schankraum, Hostel und Brauerei in Berlin, das Theaterstücke mit inklusivem Ensemble zeigt. Und ein pfiffiges Schnellrestaurant in Bonn , in dem ein gehörloser Koch köstliche Burger brät. Sie alle sind attraktive Ziele für Menschen, die in Deutschland auf Reisen sind. Sie alle sind Integrationsbetriebe, die Jobs für Menschen mit Behinderung schaffen. Und sie alle wurden von der Aktion Mensch gefördert.

Aussicht auf einen Zuschuss der Aktion Mensch haben Integrationsunternehmen in der Tourismusbranche oder in der Gastronomie dann, wenn sie neu gegründet werden oder sich als etabliertes Unternehmen ein neues Geschäftsfeld erschließen möchten. „Diese Phasen sind für Integrationsunternehmen besonders schwierig. Denn sie müssen nicht nur ihre Produkte oder Dienstleistungen am Markt etablieren, sondern auch mit einem großen Anteil von angestellten Menschen mit Behinderung völlig neue Abläufe und Prozesse entwickeln. Es geht also darum, eine sehr heterogene Mitarbeiterschaft zu einem Team zu formen, um im Markt zu überzeugen“, erklärt Uwe Blumenreich, Leiter der Projekt- und Inklusionsförderung bei der Aktion Mensch.

Wichtige Voraussetzungen für eine Förderung sind, dass das Integrationsunternehmen gemeinnützig ist und seine Belegschaft zu mindestens 40 Prozent aus Menschen mit Behinderung besteht. „Aber von der ganzen Ausrichtung, von ihrem Angebotsspektrum, ihrem Service und ihrem Auftritt unterscheiden sie sich nicht von anderen Unternehmen“, betont Blumenreich.

Die Fördermöglichkeiten für Integrationsunternehmen sind vielfältig und beginnen schon in der Planungsphase. Da können Antragssteller bis zu 15.000 Euro erhalten, die gemeinnützige Träger beispielsweise für Beratungshonorare aufwenden können. Oder für Personalkosten von eigenen Mitarbeitern, die sie dafür abstellen, ein Konzept zu entwickeln. Auch ein externes betriebswirtschaftliches Gutachten, das eine Ergebnisrechnung für die ersten sechs Planjahre aufstellt, lässt sich so finanzieren. „Solch eine Grundlage gibt uns und vor allem auch den Gründern die Möglichkeit, einzuschätzen, wie erfolgversprechend das Unternehmen ist. Wir wollen diejenigen fördern, die sich nicht blauäugig auf den Weg machen, sondern gut vorbereitet starten.“

Steht nach der Vorlaufzeit fest, dass das Projekt Erfolgsaussichten hat, kann es für fünf Jahre gefördert werden. „Die Zuschussobergrenze liegt bei 70 Prozent der förderfähigen Gesamtkosten – das sind Personal-, Honorar- und Sachkosten - plus einer Verwaltungskostenpauschale von bis zu 20 Prozent“, erklärt Uwe Blumenreich. „Die beiden Aspekte können bis zu einer Höchstsumme von 250.000 Euro Gesamtzuschuss gefördert werden.“ Ihre Aufwendungen für Inventar, Ausstattung, Geräten, Inventar oder etwa auch nötige Brandschutzmaßnahmen von Gebäuden können Integrationsunternehmen sich mit zusätzlichen 250.000 Euro bezuschussen lassen. Im Höchstfall liegt die Förderung für ein Integrationsunternehmen also bei einer halben Million Euro. Das gleiche Geld gibt es auch für Zuverdienstbetriebe, die zwar keine festen Jobs, aber flexible Zuverdienstmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung schaffen.

Mit einem Zuschuss von 250.000 Euro schob die Aktion Mensch beispielsweise den Betrieb eines barrierefreien Campingplatzes der CAP Integrations-Agentur in Rotach am Bodensee an. Rund die Hälfte der Beschäftigten hat eine Schwerbehinderung und war zuvor lange Zeit arbeitslos. Von den Rampen, Aufzügen, behindertengerechten Sanitäranlagen und breiten Türen profitieren hier alle Reisegäste, besonders aber jene, die im Rollstuhl sitzen. „Jobs für Menschen mit Behinderung und Barrierefreiheit zu schaffen – beides ist uns als Aktion Mensch wichtig“, sagt Uwe Blumenreich.

Ein ausgeklügeltes Konzept zur Barrierefreiheit hat auch das Hotel Franz in Essen ausgetüftelt. Der Integrationsbetrieb, den die Aktion Mensch ebenfalls förderte, hat sich dabei nicht nur auf Bedürfnisse von Menschen mit einer Bewegungseinschränkung eingestellt. Er sorgt auch dafür, dass gehörlose, geistig behinderte oder blinde Gäste auf den Zimmern und in den Tagungs- oder Speiseräumen allen nötigen Service erhalten, um sich selbstbestimmt im Hotel zu bewegen und den Aufenthalt zu genießen. So ist es beispielsweise gestattet, einen Blindenhund mitzubringen; es gibt Informationen in leichter Sprache und Licht-„Klingeln“ für das Zimmermädchen.

Manche Hotels, Campingplätze oder Restaurants informieren die Gäste darüber, dass sie ein Integrationsunternehmen sind, in dem im Service und hinter den Kulissen viele Menschen mit Behinderung arbeiten. Andere, wie die Schankhalle Pfefferberg in Berlin – ein Restaurant mit Brauerei und angeschlossenem Theater -  werben auf ihrer Homepage nicht offensiv damit. Uwe Blumenreich findet beides legitim. „Es gibt Argumente es zu tun und Argumente, es zu lassen“, sagt er. Es sei einerseits wichtig, Menschen mit Behinderung sichtbar zu machen und für Inklusion im Arbeitsleben zu werben. „Ein Mitleidsbonus ist aber nicht angebracht und den wird es auch nicht geben. Vielleicht ist der ein oder andere Gast einmal etwas nachsichtiger, aber de facto wird sich ein Unternehmen nicht durchsetzen, das nur darauf setzt.“ Deshalb müsse vor allem die Qualität des Angebots stimmen und der Service reibungslos funktionieren. „Nur wenn die Leute zufrieden sind, kommen sie wieder. Das ist der Maßstab, dem sich Integrationsunternehmen unterwerfen müssen. Sie müssen um die Zufriedenheit der Kunden ackern, wie jedes andere Unternehmen auch.“

Das ist auch die Maxime, zu der sich das „Godesburger“ bekennt, ein kleines Burgerrestaurant in Bonn. Der junge Integrationsbetrieb hat für sein inklusives Konzept schon ein großes Medienecho und Ehrungen wie den „Inklusionspreis des Landes NRW“ eingeheimst. Aber, wenn die Burger nicht schmecken, werden die Kunden trotzdem ausbleiben. Zum Glück besteht diese Gefahr nicht. Dafür sorgt unter anderem ein gehörloser Koch. „Gelegentlich sind dort auch Kolleginnen und Kollegen der Aktion Mensch anzutreffen, die dort ihre Mittagspause verbringen. Das Essen ist wirklich lecker“, lobt Blumenreich. Klingt wie gut investiertes Fördergeld.

Beispiele für gelungene Integrationsunternehmen in Reisebranche und Gastronomie, die die Aktion Mensch gefördert hat, haben wir für Sie exklusiv auf dieser Liste zusammengestellt.
 

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