Festivals und Straßenfeste bieten beste Chancen für eine entspannte Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderung. Die Aktion Mensch fördert sie mit bis zu 250.000 Euro.

Feste feiern in Saarbrücken: Der Kulturschlüssel des Vereins für körper- und mehrfachbehinderte Menschen ermöglich zum Beispiel Open-Air-Konzerte für alle.

Anfang August herrschte im Kurpark von Nonnweiler im Saarland einen Tag lang jede Menge Trubel: Viele Besucherinnen und Besucher aus Stadt und Region waren zum inklusiven Kunst- und Kulturfestival „KUKUK“ gekommen, um das große Angebot an Tanz, Musik, Kunstworkshops und Spielen zu genießen. Ein gelungenes Fest, das Hand in Hand von Menschen mit und ohne Behinderung eines Wohnheims für seelisch behinderte Menschen der Arbeiterwohlfahrt vorbereitet und durchgeführt wurde. Die Aktion Mensch förderte es mit 8.382 Euro.

Noch mitten in der Vorbereitung für ihr 7. Internationales Kulturfestival „Kultur vom Rande“ steckt die Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung in Reutlingen. Im Sommer 2017 wird sie in Kooperation mit Kulturstätten der Stadt und dem Kulturamt wieder ein großes Programm auf die Bühne stellen und Künstlerinnen und Künstlern mit Behinderung ein Forum bieten, sich ihrem Publikum zu präsentieren. Die Aktion Mensch unterstützt das Festival mit 224.810 Euro.

Zwei Beispiele, die zeigen: Feiern ist förderfähig. Ob kleine Straßenfeste von Einrichtungen, die sich für ein inklusives Miteinander in der Nachbarschaft öffnen, oder große Festivals mit überregionaler Strahlkraft, die Menschen mit und ohne Behinderung zusammenbringen - solche Events verbinden die Teilnehmenden und bauen Berührungsängste ab. „Festivals und Feiern bieten eine gute Möglichkeit für eine Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderung im Alltag“, erklärt Uwe Blumenreich, Leiter der Projekt- und Inklusionsförderung bei der Aktion Mensch. „Für niemanden ist es eine große Hürde, an einem Fest oder Festival teilzunehmen oder sich an den Vorbereitungen zu beteiligen. Diese Projekte sind niederschwellig und das macht sie attraktiv.“

Grundsätzlich bietet die Aktion Mensch zwei Wege der Förderung von Festen und Festivals an: die Förderaktion „Noch viel mehr vor“ sowie die allgemeine Projektförderung. „Die Förderaktion ist eher für kleinere Veranstaltungen da, die man mit einem geringen Budget umsetzen kann“, sagt Uwe Blumenreich. „Wir fördern sie besonders unbürokratisch mit bis zu 5.000 Euro, wobei der Antragssteller keine Eigenmittel einsetzen muss.“ Dem Ideenreichtum sind dabei keine Grenzen gesetzt. Das zeigt auch die Förderung von ganz unterschiedlichen Veranstaltungen. Beispiele dafür sind das inklusive Open-Air-Festival „Rock an der Halde“ im nördlichen Saalekreis, das inklusive Mittelalterfest der Lebenshilfe Syke in Weyhe oder das Begegnungsfest der Lebenshilfe für Bürgerinnen und Bürger in Schwelm.

Bei der Projektförderung übernimmt der Veranstalter selber einen Teil der Kosten: Dann steuert die Aktion Mensch 70 Prozent bei, während der Träger - anders als bei der Förderaktion - 30 Prozent der Kosten als Eigenmittel aufbringen muss. Die Projektförderung ist für größere Festivals oder Festveranstaltungen möglich und kann bis zu 250.000 Euro betragen. „Dafür erwarten wir ein umfangreiches inhaltliches Konzept für die Veranstaltung und haben einen höheren Anspruch an Öffentlichkeitswirkung und Beteiligungsmöglichkeiten von Menschen mit Behinderung“, erklärt Blumenreich. „Es muss ein in sich schlüssiges Vorhaben sein.“ Personal-, Honorar- und Sachkosten, die unmittelbar und direkt von einem Projekt ausgelöst werden, sind förderfähig.

Zwei Bedingungen sind für die Bezuschussung besonders wichtig: Menschen mit Behinderung müssen aktiv an der Planung und Umsetzung des Projekts beteiligt sein und eine wirkliche Barrierefreiheit muss gewährleistet sein. „Es braucht nicht immer alles Denkbare an Barrierefreiheit vorgehalten werden. Aber wir erwarten, dass sich die Projektträger auf mögliche Bedarfe einstellen und darauf reagieren können, falls der Bedarf sich dann tatsächlich einstellt“, so Blumenreich. Für Maßnahmen zur Barrierefreiheit können die Projektträger über die Höchstfördersumme von 250.000 Euro hinaus weitere 50.000 Euro Zuschuss beantragen.

Wenn ein Festival mehrfach stattfindet, kann es auch mehrfach gefördert werden. Das ist beispielsweise bei vielen Straßenaktionen zum Europäischen Protesttag von Menschen mit Behinderung der Fall. „Die Förderung ist aber in jedem Fall eine Einzelentscheidung. Sie müssen in jedem Jahr einen neuen Antrag stellen, den Bedarf neu begründen und überzeugend wirken“, sagt Uwe Blumenreich.

Auch etablierte, nicht kommerzielle Events wie die LitCologne, ein jährliches Literaturfestival in Köln, können einen Zuschuss erhalten. „Bei der LitCologne förderten wir 2016 ganz spezielle Maßnahmen zur Bereitstellung der Barrierefreiheit mit 70.385 Euro“, berichtet Blumenreich. Die ebenfalls sehr erfolgreiche Berliner Inklusionsgala PARIETÉ des Pfefferberg-Theaters erhielt für ihre Neuauflage 2016 einen Zuschuss von 118.229 Euro. Neben den kleinen haben also auch die großen Feste eine Chance auf Förderung, sofern sie inklusive Begegnung spielerisch möglich und Kunst und Kultur für alle barrierefrei zugänglich machen.
 

Das könnte Sie auch interessieren:

Von der Idee bis zum Projekt: So stellen Sie einen Antrag an die Aktion Mensch.

Jetzt mitmachen

Aufblühen statt abtauchen – ein Projekt der Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe.

Projekt erleben

Mit der App STARKS können Gehörlose auch Filme im Kino mit Untertiteln sehen.

Beitrag lesen

In Vorfreude Gutes tun

Dein perfektes
Weihnachtsgeschenk

Ein Jahreslos der
Aktion Mensch

Jetzt Los kaufen

So kannst du beitragen

Freiwillig engagieren oder Projekt starten

Über Inklusion informieren

Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen

Noch kein
Geschenk?