Stellen wir uns Inklusion als Haus vor, dann ist Barrierefreiheit die Tür. Sie öffnet Handlungsspielräume für gemeinsames Leben, Lernen, Arbeiten und Wohnen. Die Aktion Mensch als Vorreiter für Inklusion will ab 2016 in ganz Deutschland immer mehr solcher Türen öffnen. Deshalb wird die Barrierefreiheit als Grundvoraussetzung von Inklusion in allen Förderprogrammen konsequent verankert. Wie sich das auf die Investitionen auswirkt, erläutert Norbert Bruchhausen, Teamleiter in der Investitionsförderung der Aktion Mensch. 

Umfassende Barrierefreiheit ermöglicht allen den Zugang zu Räumen - vor und hinter den Kulissen.

Herr Bruchhausen, ab Januar stellt die Aktion Mensch zusätzliche Fördergelder für eine umfassende Barrierefreiheit zur Verfügung. Weshalb?
Wir wollen, dass Menschen mit und ohne Behinderung ohne Barrieren zusammenleben. Barrierefreiheit tut nicht nur Menschen mit Behinderung gut, sondern allen. Sie ist die Grundlage für Inklusion, die unser Leitmotiv ist.

Was ändert sich ab 2016 an der Förderung für Barrierefreiheit bei Investitionen?
Wir schreiben jetzt Barrierefreiheit als Fördervoraussetzung für alle Förderbereiche fest. Das gilt sowohl für Projekte als auch für Investitionen. Wir fördern keine Investitionen mehr, die nicht barrierefrei sind. Neu ist aber, dass wir zusätzliche Zuschüsse speziell dafür vergeben, wenn jemand für umfassende Barrierefreiheit sorgen will. Und, dass wir auch ambulante Angebote der Kinder- und Jugendhilfe für ihre Barrierefreiheit investiv fördern, wie beispielsweise Jugendzentren. Das gab es bis jetzt noch nicht.

Was meinen Sie mit umfassender Barrierefreiheit?
Wir unterscheiden bei der Förderhöhe zwischen einfacher Barrierefreiheit und umfassender Barrierefreiheit. Ein Beispiel: Ambulante Beratungsdienste haben eine einfache Barrierefreiheit, wenn man als Nutzer barrierefrei ins Haus und in die Beratungsräume hineinkommt und die sanitären Einrichtungen nutzen kann. Eine umfassende Barrierefreiheit besteht, wenn nicht nur der Beratungsraum barrierefrei ist, sondern auch alle weiteren Räume der Einrichtung. Für diese umfassende Barrierefreiheit bekommt man von uns einen höheren Zuschuss als für die einfache Barrierefreiheit. Damit wollen wir Anreize schaffen, überall für umfassende Barrierefreiheit zu sorgen.

Gibt es Besonderheiten bei der Förderfähigkeit von Barrierefreiheit in Wohnprojekten?
Wohnprojekte müssen ohnehin barrierefrei sein, um von uns gefördert zu werden. Jetzt gibt es für kleine Wohneinheiten mit bis zu acht Plätzen einen neuen Anreiz. Bisher konnten Sie bis zu 200.000 Euro Fördergelder bekommen. Ab 1. Januar 2016 fördern wir zusätzlich bis zu vier Plätze, die einen besonderen Rollstuhlstandard schaffen mit pauschal bis zu 20.000 Euro je Platz. Maximal ist also für eine kleine Wohneinheit mit vier Rollstuhlplätzen eine Förderung von insgesamt 280.000 Euro möglich, egal, ob es eine WG oder ein kleines Wohnheim ist.

Kann man bei einer schon bestehenden Investition nachträglich einen Antrag auf Bezuschussung von neuen Maßnahmen stellen, die Barrierefreiheit erreichen sollen?
Ja, im Investitionsbereich können Träger einen Zuschussantrag für eine neue oder eine bereits bestehende Einrichtung stellen. Sie können also auch nachträglich Barrierefreiheit herstellen und dafür von uns gefördert werden.

Worauf sollten Antragsteller unbedingt achten, wenn sie eine Förderung bei Investitionen beantragen möchten?
Sie sollten sich auf jeden Fall mit ihrem Architekten in Verbindung setzen und ihm ganz klar sagen, um welche Art von Barrierefreiheit und Standards es geht. Die Vorgaben dazu stehen in unseren Merkblättern zur Förderung. Die Architekten müssen entsprechend planen und bestätigen, dass das Vorhaben dem Standard entspricht.

Wo erhalten Antragsteller Informationen, wenn sie die Details zu den Fördermodalitäten der Aktion Mensch wissen möchten?
Auf unserer Homepage, dort werden ab 1. Januar alle Infos dazu veröffentlicht. Mitglieder von Spitzenverbänden können sich über die Spitzenverbände informieren lassen. Antragsteller ohne Spitzenverband wenden sich direkt an die Geschäftsstelle der Aktion Mensch.


(Im Januar-Newsletter informieren wir Sie darüber, wie die Aktion Mensch Maßnahmen zur Barrierefreiheit speziell im Kinder- und Jugendbereich fördert. Und in unserer Februar-Ausgabe informieren wir über Barrierefreiheit in digitalen Medien.)

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