Arbeitslose mit Behinderung suchen 377 Tage nach einem Job

30.11.2017, Inklusion:

Arbeitslose mit Behinderung suchen 377 Tage nach einem Job

Entwicklung belegt insgesamt aber positiven Trend - NRW auf Platz 1
Bert Rürup stellt Inklusionsbarometer Arbeit der Aktion Mensch vor


(Bonn, 30. November 2017) Die Inklusion am Arbeitsmarkt macht weiter Fortschritte. Die Zahl der Arbeitslosen mit Behinderung sinkt auf rund 170.508 (Vorjahr: 178.809). Ihre Arbeitslosenquote hat sich ebenfalls verbessert, auf einen Wert von 12,4 (13,4) Prozent. Erstmals seit Erhebung der Studie der Aktion Mensch und des Handelsblatt Research Institute (HRI) vor fünf Jahren verkleinert sich auch die Lücke zur Quote von Menschen ohne Beeinträchtigung (6,1 Prozent). "Mit einer Verzögerung kommt der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt damit auch bei den Menschen mit Handicap an", sagt Prof. Bert Rürup, Präsident des HRI. "Durch eine gute Konjunktur ist die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften anhaltend hoch. Deshalb profitieren endlich auch Fachkräfte mit Behinderung von einem stabilen ersten Arbeitsmarkt." Vor fünf Jahren waren noch 176.040 behinderte Menschen arbeitslos, die Quote lag bei 14,1 Prozent. Bei Menschen ohne Einschränkung lag sie im Vergleichszeitraum bei 7,1 Prozent.

Arbeitssuchende brauchen vor allem Geduld
Wer arbeitslos ist, braucht allerdings jetzt noch mehr Geduld als in den Vorjahren. Schwerbehinderte ohne Job suchen 109 (2016: 101) Tage länger als Nicht-Behinderte nach einer neuen Beschäftigung. Erstere benötigen im Durchschnitt mehr als ein Jahr (377 Tage), um eine neue Stelle zu finden.

Stagnierende Beschäftigungsquote trotz mehr besetzter Pflichtarbeitsplätze
Die Beschäftigungsquote Schwerbehinderter stagniert bei 4,69 Prozent – und liegt damit knapp unter der gesetzlichen Vorgabe von fünf Prozent. Diese Quote weist den Anteil der Mitarbeiter mit Handicap in den Unternehmen aus. Grund für die Stagnation ist die steigende Zahl von Unternehmen, die unter die Beschäftigungspflicht fallen, aber keine Menschen mit Behinderung einstellen. Diese legte um 3.500 auf 156.306 zu. Unternehmen müssen erst ab einer Firmengröße von mehr als 20 Mitarbeitern Menschen mit Behinderung einstellen – oder eine Ausgleichsabgabe zahlen.

Immerhin: Die Zahl der besetzten Pflichtarbeitsplätze ist im gleichen Zuge auf ein Rekordhoch von 1,058 Millionen besetzten Plätzen gestiegen – ein Plus von 15.000. Weitere 167.700 Menschen sind in Betrieben mit weniger als 20 Mitarbeitern beschäftigt.

Zehn gute Gründe für Arbeitgeber
"Nach wie vor sehen Personalentscheider eher die Defizite als die oft große Expertise der Suchenden mit Behinderung", sagt Armin v. Buttlar, Vorstand der Aktion Mensch. Dabei machen die befragten Unternehmen, die Personal mit Behinderung beschäftigen, gute Erfahrungen. Die Mehrheit (78 Prozent) bestätigt, dass zwischen Beschäftigten mit und ohne Behinderung keine generellen Leistungsunterschiede bestehen. Dennoch scheut bundesweit fast ein Viertel der Firmen den bürokratischen Aufwand, die staatliche Förderung in Anspruch zu nehmen - obwohl diese die Angebote kennen. Darüber hinaus fehlt 39 Prozent der kleinen Unternehmen, die Menschen mit Behinderung bereits beschäftigen, das Wissen um Förderungsmöglichkeiten. Um den Antragsdschungel zu lichten, hat die Aktion Mensch die Broschüre "Zehn Gründe, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen" herausgegeben. Gleichzeitig fördert die Sozialorganisation Inklusionsbetriebe. Hier arbeiten zu je 50 Prozent Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam. Auch Vermittlungsdienste in den Arbeitsmarkt unterstützt die Aktion Mensch.

NRW verbessert sich nach Jahren wieder – und landet auf Platz 1
In der Gesamtbetrachtung des Inklusionsklimabarometers setzt sich Nordrhein-Westfalen im regionalen Vergleich erstmals an die Spitze – vor die Regionen Mitte, Ostdeutschland, Norddeutschland und Süddeutschland. Der Sprung von Platz vier auf Platz eins gelingt auch deshalb, weil 60 Prozent der Arbeitnehmer die staatliche Förderung mit gut oder sehr gut bewerten. Zudem ist 91 Prozent der befragten Unternehmen die Förderung bekannt, 85 Prozent nutzen die Angebote auch (Deutschland: 75 Prozent). Ebenfalls herausragend ist der relativ hohe Anteil von 46 Prozent der Unternehmen mit schriftlichen Grundätzen zur Integration von Angestellten mit Behinderung (Deutschland: 33 Prozent).

Über das Inklusionsbarometer Arbeit
Für das Inklusionsbarometer Arbeit hat das Handelsblatt Research Institute bei einer repräsentativen Umfrage 503 mittelständische Unternehmen und 803 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Behinderung befragt. Zugleich sind die jüngsten Zahlen aus verschiedenen Quellen wie der Bundesagentur für Arbeit in die Bewertung eingeflossen. Das Barometer setzt sich aus Teilergebnissen zur Inklusionslage und zum Inklusionsklima zusammen.


Über die Aktion Mensch

Die Aktion Mensch e.V. ist die größte private Förderorganisation im sozialen Bereich in Deutschland. Seit ihrer Gründung im Jahr 1964 hat sie mehr als 3,9 Milliarden Euro an soziale Projekte weitergegeben. Ziel der Aktion Mensch ist, die Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung, Kindern und Jugendlichen zu verbessern und das selbstverständliche Miteinander in der Gesellschaft zu fördern. Mit den Einnahmen aus ihrer Lotterie unterstützt die Aktion Mensch jeden Monat bis zu 1.000 Projekte. Möglich machen dies rund vier Millionen Lotterieteilnehmer. Zu den Mitgliedern gehören: ZDF, Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonie, Paritätischer Gesamtverband und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. Seit Anfang 2014 ist Rudi Cerne ehrenamtlicher Botschafter der Aktion Mensch.

Weitere Infos: Ulrike Jansen, Pressereferentin Telefon: 0228 2092-340 E-Mail: ulrike.jansen@aktion-mensch.de


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