Zitat von Hubert Hüppe

01.03.2010, Aktion Mensch-Organisation:


Auf nationaler wie auf internationaler Ebene hat sich in den letzten Jahren die Wahrnehmung behinderter Menschen und damit die Behindertenpolitik stark gewandelt. Die vergangenen Jahrzehnte standen im Zeichen der Integration.

Man wollte sich bestmöglich um behinderte Menschen kümmern, ihnen alle Hindernisse aus dem Weg räumen und sie optimal versorgen. Dieser fremdbestimmte Ansatz ist der vehementen Forderung nach Selbstbestimmung und Teilhabe gewichen. Für die rund 8 Millionen behinderte Menschen in Deutschland wurde mit der Behindertenrechtskonvention erstmals ein weltweit verbindliches behindertenpolitisches Rahmenwerk geschaffen, das konsequent einen menschenrechtsbasierten Ansatz verfolgt.

Die Behindertenrechtskonvention zeichnet das Bild einer inklusiven Gesellschaft. Das bedeutet, dass alle Bereiche des Lebens, alle wesentlichen Schnittstellen im Alltag eines jeden Menschen, von Beginn an so gestaltet werden, dass jeder einzelne mit seinen besonderen Bedürfnissen und Fähigkeiten teilhaben kann.

Teilhabe ist damit ein Menschenrecht. Und die fängt schon bei den Kleinsten an. Wenn behinderte Kinder gemeinsam mit ihren nicht behinderten Altersgenossen, Nachbarkindern und Geschwistern in den Kindergarten und in die Schule gehen können, dann entstehen wechselseitige Berührungsängste erst gar nicht. Ein Leben in Vielfalt ist dann selbstverständlich - auch über das Schulalter hinaus. Spezielle Bemühungen um Integration im Erwachsenenalter können entfallen, weil das "zusammen leben und wohnen", das "zusammen arbeiten" und das "zusammen seine Freizeit verbringen" Normalität sind.

Die Aktion Mensch hat seit ihrer Gründung im Jahre 1967 den Wandel und das Umdenken in behindertenpolitischen Fragestellungen miterlebt und maßgeblich geprägt. Sie hat sich zu Deutschlands größter privater Förderorganisation im sozialen Bereich entwickelt. Beim Aufbau eines umfassenden Fürsorgesystems mit Wohnheimen und Werkstätten haben Sie sich ebenso engagiert wie in der aktuellen Debatte um mehr Teilhabe und Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderung. Die Aktion Mensch war dabei immer wieder auch Vordenker.

So jährt sich am 1. März 2010 zum zehnten Mal die Namensänderung von der Aktion Sorgenkind zur Aktion Mensch. Dieser Schritt war konsequent und richtig. Hat er doch auch eine Prozess angeschoben, der Menschen mit Behinderungen nicht mehr als Objekt der Fürsorge sieht, sondern als handelndes Subjekt begreift, dem es auf Augenhöhe zu begegnen gilt.

Die vergangenen zehn Jahre haben gezeigt, dass die Aktion Mensch den richtigen Weg gegangen ist und wird sicherlich auch in der aktuellen Debatte um die Umsetzung der Behindertenrechtskonvention seinen Niederschlag finden.

Hubert Hüppe, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, anlässlich der 10 jährigen Namensänderung der Aktion Mensch zum Thema "Der Weg von der Integration zur Inklusion"