Menschen nicht verbiegen

Ein Gespräch mit dem Dokumentar-, Spielfilm- und Werbefilmer Jan Hinrik Drevs.

Inwieweit ist das, was hier entstanden ist, mehr als ein bloßer Werbefilm?
Mir war es sehr wichtig, dass Menschen aufeinandertreffen, die unvoreingenommen sind, sodass man es mit ehrlichen Reaktionen zu tun hat. Deswegen ist das alles andere als normale Werbung. Es ging vor allem auch um das Betrachten besonderer Technologien mit Kinderaugen. Erstaunlich war wirklich, dass die Berührungsängste seitens der Kinder sehr gering waren. Sie haben nicht unbedingt die Behinderungen gesehen, sondern in erster Linie die besondere Technik.

Worin bestand für Sie die größte Herausforderung als Regisseur?
Die Menschen nicht zu verbiegen. Ich versuche immer, das zu zeigen, was Menschen am meisten auszeichnet: ihre Persönlichkeit. Dabei ist es egal, ob sie ein Bein weniger haben oder im Rollstuhl sitzen oder ein achtjähriges Kind sind. Es geht immer darum, den Menschen, die vor der Kamera agieren, die Möglichkeit zu geben, ihr wahres Gesicht zu zeigen, und mich selbst so viel einzubringen wie nötig und so viel rauszuhalten wie möglich.

Welche Begegnung hat Sie besonders berührt?
Mich hat besonders die Begegnung zwischen Ferdinand und Julia berührt. Julia spricht über einen Talker. Sie hat ein wahnsinnig einnehmendes Wesen und Ferdinand ist ein Junge, der uns schon im Casting durch seinen Humor und seine Aufgeschlossenheit beeindruckt hat. Und als die beiden zusammengekommen sind, das war ein sehr schöner Moment. Als ich das Schlussbild sah, während wir es drehten, wusste ich sofort: Das ist der letzte Blick dieses Filmes. Und das ist er auch geworden.

Jan Hinrik Drevs

Der 48-Jährige arbeitet seit 1998 als freier Autor und Regisseur vorwiegend für Fernsehen und Kino. Seine Dokumentationen, Werbe- und Spielfilme wurden national und international mehrfach ausgezeichnet.


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