Wie Carl Josef mit Humor Barrieren abbaut

Lachen ist die beste Medizin - auch gegen Barrieren in den Köpfen. Dieser Devise folgt der junge Comedian Carl Josef und bringt sein Publikum so nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Nachdenken: über unsere Gesellschaft, Inklusion und darüber, wie wichtig es ist, für Themen einzustehen, die uns wichtig sind. Wir haben Carl Josef zum Gespräch getroffen.

 

Er ist erst 15 Jahre alt und schon ein Superstar im Internet: Carl Josef feierte im Jahr 2019 mit einem Auftritt in der Stand-up-Show "Nightwash" seinen Durchbruch in der deutschen Comedy-Szene. Das Video bei YouTube wurde mittlerweile mehr als 6 Millionen Mal angeschaut. Seine Botschaft ist klar: Humor ist für alle da.

In der 6-teiligen Mini-Serie "Die Außenseiter. Nichts kann uns aufhalten. Außer Bordsteine.“ setzt er sich jetzt gemeinsam mit der Aktion Mensch für eine inklusivere Gesellschaft ein. Zusammen mit vielen weiteren bekannten YouTuber*innen und Comedians, darunter Cindy Klink, Freshtorge und Phil Laude, zeigt er, wie wertvoll Unterschiede in unserer Gesellschaft sind. Ganz nach dem Motto: "Alle anders. Zusammen cool.".

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Ein Junge sitzt in einem elektrischen Rollstuhl. Er trägt Basketball-Klamotten und lächelt in die Kamera.

Die Außenseiter

Nichts kann uns aufhalten. Außer Bordsteine.

Carl ist in der Schule ein Außenseiter. In sechs witzigen Videos nimmt er die Zuschauer*innen auf den Social Media-Kanälen der Aktion Mensch mit, zeigt charmant seine Überlebensstrategien und bildet nach und nach eine vielfältige, sympathische Gang, die am Ende zeigt: Nieder mit den Mobbern, zusammen sind wir stark!

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Warum Carl Josef bei dem Projekt mitmacht, wie er zur Comedy gekommen ist und wie sein Alltag abseits der Bühne aussieht, das hat er uns erzählt.

Aktion Mensch: Gerade erscheint unsere gemeinsame Mini-Serie "Die Außenseiter". Wieso hast du dich für die Zusammenarbeit mit der Aktion Mensch entschieden?

Carl Josef: Weil ich es toll finde. Es ist das, für das ich mich einsetze. Ich finde die Sachen, die ihr macht, cool und dachte dann: wieso nicht? Mir ist es wichtig, Menschen zu unterstützen und dass das, was ich mache, einen Sinn hat.

Vor vier Jahren hätte ich mich nicht getraut, rauszugehen und mich zu zeigen, weil ich selbst der war, der Hilfe brauchte und jetzt will ich andere motivieren, die Angst vor Veränderungen haben. Denn: Egal, was passiert, es geht fast immer nur ins Positive!

Aktion Mensch: Wie bist du auf die Idee gekommen, Comedian zu werden? Was war der Auslöser?

Carl Josef: Eigentlich war das gar keine Idee, auf die ich gekommen bin - ich bin es jetzt einfach (Carl Josef lacht). Angefangen hat es so: Ich habe den Comedian Jan Overhausen auf Instagram angeschrieben, weil ich ihn witzig fand und dachte: 'Haha, cool, wenn er antwortet.' Wir haben uns dann wirklich gut verstanden und irgendwie fand er mich beim miteinander Schreiben lustig. Dann hat Jan gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, vor anderen Menschen zu sprechen. Am Anfang hatte ich Angst, vor allem vor den Veränderungen, aber dann dachte ich mir: YOLO, was soll passieren?

Wir haben dann zusammen ein Set geschrieben, waren in einer Stand-up-Comedy-Bar – und es lief gut. Schon mein dritter Auftritt war der bei „Nightwash“. Das war Wahnsinn! Ich meine, ich war mit meiner Familie auf einem Flohmarkt unterwegs und dann kam der Anruf von denen, ob ich dabei sein will und ich dachte nur: Cool. Und crazy! Es ging alles super schnell – aber für mich nicht zu schnell. Nur, man muss sich vorstellen, dass andere zig Auftritte machen, bevor sie bei „Nightwash“ auftreten. Aber: Ich bin ein ungeduldiger Mensch – daher passte das (Carl Josef lacht).

Aktion Mensch: Wie war der Auftritt bei „Nightwash“, dessen Video im Netz ja viral ging und dich von jetzt auf gleich berühmt gemacht hat?

Carl Josef: Als ich aufgetreten bin, hatte ich nicht vor Augen, wie das alles abgehen wird. Ich habe danach gedacht: „Gut, ich hab okay abgeliefert.“ Und dann ging das Video online und schon eine Stunde danach hatte es 100.000 Ansichten – das war verrückt! Ich stand in dem Moment auf einem Parkplatz und minütlich schauten das Video immer mehr Menschen, mittlerweile hat es ja schon Millionen von Klicks. Ziemlich crazy, aber cool. Als Teenager ist das halt krass: Du schaust jeden Tag YouTube – und in diesem Moment auf dem Parkplatz wurde mir klar: Jetzt bin ich der Typ, den alle feiern. Von da an hat sich mein Leben komplett verändert.

Aktion Mensch: Was möchtest du mit deiner Comedy-Arbeit erreichen?

Carl Josef: Bisher weiß das keine*r, aber um ganz ehrlich zu sein: Die ersten beiden Auftritte habe ich gar nichts groß geplant. Ich dachte mir einfach: Ich bin ich mit meinem Rollstuhl. Nach dem Erfolg bei „Nightwash“ habe ich gesehen, dass das etwas mit Menschen macht, dass ich sie erreichen kann. Und dass ich zeigen kann: es geht.

Mir schreiben so viele betroffene Menschen, dass sie Hoffnung schöpfen daraus, dass ich bekannt bin und dass es jemanden gibt, der sich für sie und ihr Thema einsetzt. Das ist mir wichtig: Ich möchte anderen helfen. Ihnen zeigen, dass es geht. Und ich möchte auf meine Krankheit aufmerksam machen wegen der ich mit Behinderung lebe: Muskeldystrophie Duchenne. Multiple Sklerose (MS) oder ALS kennen viele, aber Duchenne eben nicht. Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass es hier ein Heilmittel braucht.

Aktion Mensch: Wie sieht denn dein Alltag aus, wenn du nicht gerade einen Auftritt hast oder Videos drehst? Wie gestaltest du deine Freizeit?

Carl Josef: Zuallererst stehe ich sehr spät auf. Ich liege einfach gern in meinem Bett (Carl Josef lacht). Oft bleibe ich bis in die Puppen wach und bin dann ein ziemlicher Morgenmuffel, stehe in der Regel erst zwischen 10 bis 13 Uhr auf. Und dann mache ich halt das, was Teenager*innen in meinem Alter so machen, gehe raus, wenn das Wetter gut ist, zocke. Eben ein ganz normales Leben.

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