"Ein Gefühl, das man nicht wirklich beschreiben kann!"

Ob sie sich selbst für Glückspilze halten? Wir haben sie nicht danach gefragt. Aber wir glauben: Fortuna muss sie besonders gern haben. Sie erzählen von Glücksmomenten und davon, dass sie Ja sagen zum Leben. Fünf Glückliche lassen uns teilhaben.
 

Freuen sich heute noch über ihren Gewinn bei der Aktion Mensch-Lotterie: Kirsten Riess mit ihrem Mann und ihrer Tochter Marei

Kirsten Riess hat noch immer ein Glückslos der Aktion Mensch

"Eigentlich gewinne ich nie", erzählt Kirsten Riess. "Wenn in einem Topf mit 100 Losen nur eine einzige Niete wäre, bekäme ich garantiert die Niete." So jedenfalls hatte sie lange Zeit gedacht. "Doch dann kam der Gewinn von 125.000 Euro bei der Aktion Mensch-Lotterie, einfach ein absoluter Glücksgriff!" Als die heute 50-Jährige die frohe Botschaft im Briefkasten fand, hatte sie schon über zweieinhalb Jahre mitgespielt. Ihr Jahreslos war nur noch wenige Monate gültig – und kurz vor Schluss wurde es gezogen. "Ein Gefühl, das man nicht wirklich beschreiben kann", erinnert sich ihr Mann Hinrich.  

"Das Geld haben wir gut investiert. Wir sind keine Luxusmenschen. Wir wollen kein Saus und Braus und keine Markenklamotten, sondern haben einfach die Dinge gekauft, die wir brauchten und die für uns sinnvoll waren." Damals brauchten sie dringend ein neues Auto. Ein Wunsch, den sie sich dank ihres Gewinns problemlos erfüllen konnten. Außerdem bauten sie ihr Haus um.

Kirsten Riess erzählt: "Nach dem Erfolg hab ich gleich noch mehr Aktion Mensch-Lose gekauft." Um sich selber sozial zu engagieren, fehlt ihr als Mutter von vier Kindern, die in Teilzeit als Küchenhilfe arbeitet, meist die Zeit. "Deswegen habe ich ja ein Glücks-Los von der Aktion Mensch!", sagt sie. "Denn wenn man nichts gewinnt, ist das Geld ja nicht verloren, sondern man unterstützt einen guten Zweck."

Aufgeschrieben von Astrid Eichstedt

Hochzeit in der Türkei

Bei „Just the way you are“ Ja gesagt
Jenny Balensiefen und Fatih Cömert

Die Bonnerin lernte ihren Mann, der Telekommunikation studiert hat und derzeit als Animateur arbeitet, im Türkeiurlaub kennen.

"Fatih ist ein sehr offener Mensch und geht sofort auf andere zu. Er ist immer voller Energie, er hat einen tollen Humor und sein Lachen ist einfach ansteckend. Ich fand ihn sofort sympathisch. Dass er kleinwüchsig ist, gehört einfach zu ihm. Er versteckt sich nicht. Er ist ein besonderer Mensch für mich – so wie er ist.

Wir verstanden uns auf Anhieb, zunächst nur freundschaftlich, weil ich noch in einer Beziehung war. Zurück in Deutschland, ging Fatih mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich hatte das Gefühl, dass wir uns gesucht und gefunden haben – wie Seelenverwandte. Er hat mich einfach umgehauen. Wir haben dann ständig geschrieben oder uns über Skype ausgetauscht. Als ich merkte, dass mehr aus dem Kontakt werden würde, habe ich meine bestehende Beziehung beendet. Wir entschieden uns, es mit einer Fernbeziehung zu probieren.

Als ich ihn im September 2014 in der Türkei besuchte, hat er mir auf der Bühne einen Heiratsantrag gemacht. Fatih ist ein echter Romantiker: Showtime, 400 Leute im Publikum, unser Song ,Just the way you are‘. Ich habe nicht nachgedacht und sofort Ja gesagt. Damit waren wir verlobt. Am 5. April 2015 haben wir dann in der Türkei in kleinem Kreis geheiratet. Ich im weißen Kleid, er im schicken Anzug. Diesen Herbst wird er zu mir nach Bonn ziehen. Ich freue mich, dass wir endlich zusammen den Alltag verbringen können. Sicher wird der Start in Deutschland für ihn nicht einfach. Aber wir schaffen das."

Aufgeschrieben von Ann-Kathrin Akalin

© Maurice Kohl

Fatih Kan und Hanny Testay

Einfach Spaß haben
Fatih Kan und Hanny Testay

Die Hamburger Fatih und Hanny lernten sich vor vier Jahren nach einer langen Partynacht kennen und wurden Freunde.

Glück ist für mich, mit meinem Kumpel Hanny und meinen anderen Freunden um die Häuser zu ziehen und einfach Spaß zu haben.

Hanny habe ich vor einem Club auf der Reeperbahn kennengelernt. Ich war echt gut drauf. Irgendwie hab ich Hanny mit meiner Laune angesteckt, wir sind ins Gespräch gekommen und haben uns direkt gut verstanden. Jetzt ist Hanny fast jeden Tag bei mir, wir hängen zusammen ab, schauen Fußball und gehen zusammen feiern.

Natürlich ist es nicht so, dass wir uns immer nur gut verstehen und grinsend durch die Straßen spazieren. Abgesehen davon, dass wir eigentlich eh nie spazieren – Hanny setzt sich hinten auf meinen Rollstuhl und ab geht’s. Zu einer echten Freundschaft gehört zwischendurch ein ordentlicher Streit. Dann werden wir auch mal etwas lauter, aber das ist ganz normal und eigentlich immer schnell vorbei. Wir sagen unsere Meinung, ohne viel drum herumzureden, und vertragen uns ohne große Entschuldigungen und Erklärungen – das macht unsere Freundschaft aus. Wir sind halt wie Brüder.

Aufgeschrieben von Katharina Hovestädt

© Matthias Wittkuhn

Birte Müller und Willi

Oh, Tuba – oh, Posaune!
Birte Mueller und Willi

Die Hamburgerin hat einen Sohn, der Blasmusik liebt – und eine Bekannte, über deren pauschales Urteil sie sich ärgerte.

Vor ein paar Monaten zeigte der Sohn einer Bekannten auf Willi und fragte: ,Mama, warum ist der so komisch?‘ Er erntete den peinlich-berührten Blick für Fragen, die man nicht stellen darf, und die Antwort: ,Es hat eben nicht jeder so viel Glück wie du.‘ – Diesen blöden Satz hatte ich den ganzen Abend im Ohr. Dachte diese Frau wirklich, ein behinderter Mensch habe ,Pech‘? Und sein Leben und das seiner Familie müsse unglücklich sein?

Am nächsten Morgen fuhren wir auf ein Fest, bei dem ein Blasorchester spielen sollte. Willi liebt Blasmusik! Es war kalt, und um uns herum standen jede Menge Familien mit Kindern. Ihre Gesichter waren, wie Gesichter eben sind, wenn man bei elf Grad im Regen steht: neutral bis schlecht gelaunt. Auch ich war nicht gut drauf, noch immer ging mir das Erlebnis vom Vortag durch den Kopf. Da fiel mein Blick auf Willi. Seine Augen strahlten. Er sprang und hüpfte, war mal gebannt und dann wieder laut aufjauchzend vor Freude. Er nahm meine Hand, zeigte auf die Tuba, die Trompeten, die Posaunen und rief laut ‚Jaaa!‘. Willi war so glücklich, wie ein Mensch nur sein kann! Meine Tochter Olivia krabbelte auf meinen Arm und wir tanzten mit Willi. Mir kamen Tränen vor Glück über diesen perfekten Moment! Um uns herum lächelten viele Menschen, die Willis Verzückung bemerkt hatten. Über alle, die blöd glotzten, urteilte ich ganz pauschal: Es hat eben nicht jeder so viel Glück wie Willi!

Aufgeschrieben von Birte Müller

© Sandra Stein

Schwester Gertrudis (r.) und Christine Hohscheid

200 Jahre Lebenserfahrung
Schwester Gertrudis und Christine Hohscheid

Gertrudis Heitmann ist Schwester im Orden vom Göttlichen Herzen Jesu. Zusammen mit Christine Hohscheid genießt sie das Leben im St. Ritastift in Düren.

Christine und ich haben uns hier im Ritastift kennengelernt und auf Anhieb verstanden. Sie ist 1907 geboren, ich im Jahr 1913. Da haben wir natürlich einiges erlebt – Gutes wie Schlimmes. Aber wir sind zufrieden und hadern nicht mit dem Schicksal. Wir sind nie vor den Aufgaben davongerannt, die uns das Leben gestellt hat.

Wir interessieren uns für vieles, und der Gesprächsstoff geht uns nie aus. Gemeinsam machen wir, was uns Spaß macht. Christine freut sich jeden Tag auf die morgendliche Zeitung. Sie liebt Tiere und die Natur. Gerne sitzt sie mit ihrer Nichte auf der Terrasse und genießt den Blick in den Garten. Außerdem liest sie unheimlich viele Bücher. Christine hat ein sehr gutes Gedächtnis und lernt Gedichte auswendig.

Ich bin am glücklichsten, wenn ich einen Pinsel in der Hand halte und mich auf einer Leinwand austoben kann. Mit bunten Farben kann ich mich ausdrücken und meiner Fantasie freien Lauf lassen. Hier im Rita­stift gibt es einen Malkurs, da habe ich die Lust am Malen entdeckt, vor allem an abstrakter Kunst. Meine gelungensten Werke verschenke ich am liebsten.

Christine und ich erfreuen uns an der Gegenwart. Ich finde, es ist ganz wichtig, Ja zu sagen, zu dem, was ist und wie es ist. Und es ist schön, immer wieder zu entdecken, wie viel Grund man zum Danken hat.

Aufgeschrieben von Elisabeth Wicher


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