Wie sagt man das in Leichter Sprache?

Das NachrichtenWerk überträgt Texte in Leichte Sprache, damit jeder sie verstehen kann.
 

Redaktionssitzung: Das Team des NachrichtenWerks trifft sich regelmäßig, um Texten in Leichter Sprache gemeinsam den letzten Schliff zu geben.

Text Bastian Ludwig
Fotos Thilo Schmülgen

„Okay, hier haben wir das Wort ‚Vertrag‘?“, sagt Anne Kramer. Julia Hübner überlegt. „Hm, also ich weiß zwar, was das ist, aber ich finde es trotzdem schwierig.“ – „Das denke ich auch“, bestätigt Isabel Zimmer. Zustimmung auch von Annika Klüh, Ulrike Guhr und Roman Hein. Kramer nickt. „Okay. Dann schlage ich vor, wir ersetzen es.“ Das Team des NachrichtenWerks hat sich zur Leserunde getroffen. Vor jedem Mitarbeiter liegt ein Exemplar desselben Textes. Auf dem Tisch finden sich Rotstifte, Textmarker und ein Wörterbuch für Leichte Sprache. Die Aufgabe: den Text von schwerer in Leichte Sprache übertragen.

Leichte Sprache ist eine vereinfachte Form des Deutschen. Kurze Sätze, möglichst kein Genitiv, kein Konjunktiv, keine Passivsätze, schwierige Wörter weglassen oder erklären, lange Wörter durch Kopplungsstriche gliedern, Sätze nicht hinter-, sondern untereinander schreiben: Das sind einige der Regeln, nach denen die Texte gestaltet werden. Aus einem Satz wie „Da die Gesundheitsförderung auch ein wichtiges betriebliches Thema ist, plant der Betriebsrat die Einrichtung einer sich wöchentlich treffenden Betriebssportgruppe.“ wird dann so etwas wie „Unserer Firma ist es wichtig: / Alle Mit-Arbeiter sollen gesund bleiben. / Darum soll es bei uns bald eine Sport-Gruppe geben. / Das bedeutet: / Mit-Arbeiter treffen sich. / Und zwar einmal in der Woche. / Sie machen zusammen Sport. / Jeder darf mit-machen.“

Penibel ist besser. In Zweifelsfällen schlagen die Prüfer in den Regeln für Leichte Sprache nach.

Informationsbarrieren

Das NachrichtenWerk ist Teil von antonius, einem Netzwerk aus dem osthessischen Fulda, das Projekte zur Förderung von Inklusion durchführt. Auf Inklusion zielt auch die Verwendung von Leichter Sprache ab. „Menschen mit Lernschwierigkeiten oder eingeschränkten geistigen Fähigkeiten“, erklärt Anne Kramer, Übersetzerin für Leichte Sprache, „können Texte in schwerer Sprache oft nicht so gut verstehen. Wie für einen Rollstuhlfahrer der zu hohe Bordstein kann für sie ein Text zu einer Barriere werden, zu einer Informationsbarriere. Man kann aber nur wirklich an der Gesellschaft teilhaben, wenn man Informationen zur Verfügung hat.“

Solche Informationen soll die Leichte Sprache liefern. Formulare, Wahlinformationen, Nachrichten, Veranstaltungshinweise, Gebrauchsanweisungen, Broschüren von Behörden: Die verschiedensten Alltagstexte können durch sie zugänglicher gemacht werden. Um zu garantieren, dass die Texte des NachrichtenWerks tatsächlich gut zu verstehen sind, arbeiten in einem Übersetzungsteam neben den Übersetzern auch Prüfer. Sie gehören selbst zur Zielgruppe der Texte, wissen also genau, ob das Geschriebene verständlich ist. „Unsere Aufgabe ist“, erklärt Prüferin Annika Klüh, „zu sagen, ob ein Satz wirklich leicht ist oder nicht. Wenn wir ihn nicht leicht finden, dann überlegen wir zusammen mit dem Übersetzer, wie wir ein Wort erklären können. Oder wir schreiben den ganzen Satz um. Oder wir suchen ein anderes Wort.“ Jeder Satz, manchmal jeder Begriff, wird darum ganz genau unter die Lupe genommen. So wie im Fall von „Vertrag“.

„Wie wäre es dann mit ‚schriftliche Vereinbarung‘?“, schlägt Kramer vor. „Das ist besser“, meint Roman Hein. Ulrike Guhr schüttelt den Kopf. „Also, ich denke immer noch, dass das manche nicht so gut verstehen.“ Kramer wieder: „Wie wäre es mit ‚schriftliche Abmachung‘?“ – „Das finde ich gut“, erwidert Klüh. – „Ich auch“, bestätigt Hübner. Zustimmendes Nicken von Guhr. Kramer lächelt zufrieden und notiert die Änderung auf ihrem Blatt. Wieder ist ein Satz durch die Arbeit des Teams vom NachrichtenWerk ein bisschen einfacher geworden.


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