Einzigartig Wohnen

Ein Besuch bei der Behindertenhilfe der St. Augustinus-Kliniken im Rhein-Kreis Neuss.

Michael Englert

Bei ihrem Ihren Besuch im Haus St. Matthias hat Claudia Reckermann im Tischkickerduell mit Bewohner Willi Knuppertz keine Chance.

Claudia Reckermann schirmt mit der Hand die Augen gegen die Sonne ab und blickt auf die rote Fassade. „Wow“, sagt sie anerkennend, „so modern hab ich mir das gar nicht vorgestellt.“ Neben ihr steht Barbara Seehase, Referentin der St. Augustinus-Behindertenhilfe. Das Haus St. Matthias, auf das beide schauen, gehört zu einer der Wohneinrichtungen für Menschen mit psychischer Behinderung, die von den St. Augustinus-Kliniken gebaut und durch die Aktion Mensch gefördert wurden. Die Wohnanlage im Stadtteil Kaarst ist die letzte von mehreren Stationen, die die beiden Frauen heute besucht haben.

Seit knapp fünfzehn Jahren besitzt Claudia Reckermann ein Los der Aktion Mensch. Bislang hat sie ein paar kleinere Beträge gewonnen. „Das ist für mich voll okay“, sagt die 51-Jährige. „Ich finde das System der Soziallotterie der Aktion Mensch sinnvoll. Generell bin ich Spenden und Fördersystemen gegenüber aber skeptisch eingestellt.“ Deshalb möchte sie heute auch gerne hautnah erleben, wohin die Fördergelder aus den Loseinnahmen der Aktion Mensch wirklich fließen. Allein für den Bau von Haus St. Matthias in Kaarst immerhin 250.000 Euro.

Michael Englert

Das Haus St. Matthias, im Neusser Stadtteil Karst, ist die neue Heimat für 16 Menschen mit psychischer Behinderung, die zuvor in einem Heim untergebracht waren. Es ist eines der neuen gemeindenahen betreuten Wohnprojekte der St. Augustinus-Kliniken, die durch die Aktion Mensch gefördert wurden.

Im Schatten vor dem Eingang im Hof sitzen Willi Knuppertz und Alfred D´Heur und rauchen. „Guten Tag die Herren!“, sagt Reckermann mit einem Lächeln. Die beiden stehen auf und schütteln ihr die Hand. „Ja, dann kommt mal gucken“, gluckst Willi Knuppertz und geht vor. Drinnen empfängt Einrichtungsleiter Stephan Könen die Gruppe. „Das Wohnkonzept im Haus St. Matthias wird deutschlandweit noch sehr selten realisiert“, erklärt er während des Rundgangs. „Wir können hier zwei Arten der Wohnbetreuung anbieten. Es gibt die stationären Wohngruppen mit Intensivbetreuung rund um die Uhr und Einzelapartments für Mieter mit ganz individuellem Betreuungsumfang.“ Zurzeit wohnen sechzehn Bewohner mit chronischen Erkrankungen in der betreuten Wohngemeinschaft. Die meisten von ihnen lebten zuvor dauerhaft auf einer Krankenstation. „Das muss doch eine riesige Umstellung gewesen sein“, fragt Reckermann erstaunt in die Runde. „Und ob!“, brummt Knuppertz. Wo früher Vorhänge die Betten voneinander abtrennten, gibt es jetzt komfortable Einzelzimmer. Auf der Station wurde das Essen gebracht, heute kochen die Bewohner selbst in der Gemeinschaftsküche. „Wir wollen die Bewohner durch unsere Unterstützung befähigen, ein selbstständiges Leben zu führen“, fasst Könen zusammen. Das neue Wohnkonzept bewährt sich. „Mir gefällt es hier richtig gut“, sagt Alfred D´Heur. „Nur die Spülmaschine ausräumen geht mir auf die Nerven.“ Alle lachen.

Nach dem gemeinsamen Kaffee laden Alfred D´Heur und Willi Knuppertz Claudia Reckermann ein, sich ihre Zimmer anzuschauen. Willi Knuppertz´ ganzer Stolz: sein eigener Tischkicker. Die Einladung auf eine Partie nimmt Claudia Reckermann gerne an. „Ich spiele aber gut, aufgepasst!“, warnt Knuppertz, bevor er 7 zu 0 gewinnt. Claudia Reckermann nimmt die Niederlage gelassen. Die Verabschiedung im Hof fällt kurz, aber herzlich aus. „Vielen Dank, dass ich mir hier alles anschauen durfte“, sagt sie zufrieden. „Das war wirklich toll.“

 

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