Unterricht im Stadion

Der Verein Lernort Stadion nutzt die besondere Anziehungskraft des Sports, um sozial benachteiligte Jugendliche für gesellschaftliche Themen zu begeistern – unter anderem für Inklusion.
 

Marcel Wienands (Mitte) beim Training mit Sümeyra Yiğit und Para-Taekwondo-Europameister Hasim Celik.

Text Marcel Wienands 
Fotos  Guido Kirchner

Im Lernzentrum des Stadions von Borussia Dortmund hat sich eine Traube von Jugendlichen um Hasim Celik versammelt und saugt jedes Wort auf, das er sagt. Der 25-Jährige aus dem bayerischen Treuchtlingen ist der aktuelle Para-Taekwondo-Europameister und hat sogar schon einen Weltmeistertitel errungen. Bei den Paralympics 2020 in Tokio, wo Taekwondo erstmals Teil des Wettkampfprogramms sein wird, will er selbstverständlich dabei sein und eine Medaille gewinnen. Heute ist der Spitzensportler aber in pädagogischer Mission unterwegs. Im Rahmen der „Paralympischen Woche“ des Projekts Lernort Stadion stellt er seine Sportart vor. Dabei geht es nicht nur um Technik und Taktik. Besonderen Wert legt Hasim Celik auf das Thema Inklusion. „Ich möchte zeigen, dass Sport von Menschen mit Behinderung etwas ganz Normales ist“, sagt er. „Ich möchte anderen das, was ich alltäglich erlebe, vorführen und weitergeben.“

Das ist ganz wörtlich zu verstehen. Damit die jungen Teilnehmer einen Eindruck davon bekommen, wie Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen Sport ausüben, lässt Celik sie verschiedene Behinderungsarten simulieren. Für einige Übungen setzen die Jugendlichen beispielsweise Dunkelbrillen auf. Bei anderen ziehen sie ihre Zehen an, um nachempfinden zu können, wie das Kämpfen für Hasim Celik ist, der Fehlbildungen an einer Hand und den Füßen hat. Alle Übungen erklärt der Taekwondo-Kämpfer in Deutsch und Englisch, damit auch die Teilnehmer mit nicht deutscher Muttersprache problemlos mitmachen können.

Abschluss der „Paralympischen Woche“ am Lernort Stadion: Johannes Böing (links) vom BVB-Lernzentrum im Gespräch mit Dortmunds ehemaligem Profifußballer Ilkay Gündogan (Mitte) und Taekwondo-Europameister Hasim Celik.

Drei spannende Tage auf dem Rasen

Lernort Stadion ist ein Zusammenschluss von bundesweit zwölf Lernzentren, die in der Regel von den Fanprojekten der Profifußballvereine getragen werden. Insgesamt drei Lernzentren aus diesem Verbund haben die „Paralympische Woche“ als Ferienprojekt gemeinsam initiiert: Bielefeld, Bochum und Dortmund. Unterstützt wurden sie dabei von der Bundesliga-Stiftung in Kooperation mit der Aktion Mensch. Über verschiedene Sportarten näherten sich die Teilnehmer drei Tage lang dem Thema Inklusion: In der Bielefelder Stadionschule stand Blindenfußball auf dem Programm, in Bochum erhielten Jugendliche einen Praxiseinblick ins Para-Badminton und im Dortmunder BVB-Lernzentrum übten sich die Teilnehmer im Para-Taekwondo.

Bei den Angeboten von Lernort Stadion sollen den Teilnehmern – getreu dem Motto „Das schönste Klassenzimmer der Welt“ – in einem Mix aus pädagogischen und sportlichen Lerneinheiten Werte wie Respekt, Toleranz und Zivilcourage vermittelt werden. Inklusion zieht sich dabei als Querschnittsthema durch fast alle Veranstaltungen. „Die unmittelbare Nähe zum Fußball durch die Unterrichtseinheiten in den Fußballstadien schafft eine besondere Atmosphäre“, erklärt Johannes Böing, Leiter des BVB-Lernzentrums.

Zu spüren war dieses ganz besondere Flair bei der Abschlussveranstaltung der „Paralympischen Woche“. Denn als Stargast schaute Dortmunds ehemaliger Fußballprofi Ilkay Gündogan zu, als die jungen Sportler präsentierten, was sie in der „Paralympischen Woche“ alles erarbeitet hatten. Seit 2012 ist Ilkay Gündogan Pate des BVB-Lernzentrums und außerdem ein guter Freund von Hasim Celik. Beide kennen sich seit ihrer gemeinsamen Schulzeit in Nürnberg. „Ich bin stolz darauf, mit zwei verschiedenen Kulturen und zweisprachig aufgewachsen zu sein“, erzählte Gündogan den Jugendlichen. Die Karrieren der beiden Profisportler und die drei Tage der „Paralympischen Woche“ von Lernort Stadion zeigen: Sport kann Barrieren abbauen. Die verschiedenen Sprachen der Kinder, ob mit oder ohne Behinderung – all das rückt beim gemeinsamen Sport in den Hintergrund. 


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