Offen und herzlich: Das Familiencafé „Kinderleicht“

In Gütersloh bietet das von der Aktion Mensch geförderte Familiencafé „Kinderleicht“ Eltern und Großeltern in schwierigen Lebenslagen eine offene Anlaufstelle zum Austausch und zur Beratung.
 

Platz zum Spielen für die Kleinen - Austausch, Beratung und Hilfen für die Großen: Das Familiencafé "Kinderleicht in Gütersloh bietet beides.

Text: Sandra Strang
Fotos: Evi Blink

Der Frühstückstisch ist liebevoll gedeckt. Bunt gestreifte Gardinen zieren die großen Fenster, und auf dem hellen Parkett liegen allerlei Spielsachen – Bauklötze, Bücher, Spielautos, Kuscheltiere sowie ein quietschgrünes und blaues Pony in Miniaturgröße. In der einen Ecke hockt eine junge Ehrenamtlerin mit einem zierlichen blonden Mädchen, sie schauen sich ein Bilderbuch mit unterschiedlichen Obstsorten an. Gemeinsam wiederholen sie langsam die Namen der zum Teil exotischen Früchte.

Die gemütliche Atmosphäre sorgt dafür, dass Hemmschwellen gar nicht erst entstehen.

Benachteiligung entgegenwirken

An der anderen Seite des Raumes sitzen mehrere Frauen und trinken Kaffee. Dazwischen toben Kleinkinder herum, es ertönt Gelächter und immer mal wieder der Ruf nach einer der Mamas. Eine gemütliche, herzliche Atmosphäre: Alltag im Familiencafé "Kinderleicht".

Seit einem halben Jahr wird das Café vom Kinderschutzbund betrieben. Das Angebot richtet sich an Mütter, Väter und Großeltern mit Babys und Kleinkindern im Alter von null bis drei Jahren. „Wir versuchen, gerade die Eltern und Großeltern anzusprechen, die wenig soziale Kontakte haben und die Unterstützungsmöglichkeiten vor Ort noch nicht kennen“, sagt Brigitte Ahrens, Projektleiterin des Familiencafés und Diplom-Sozialpädagogin. Besonders wichtig sei es, der sozialen Benachteiligung von Kindern möglichst frühzeitig entgegenzuwirken.

Viermal die Woche öffnet das Café „Kinderleicht“ vormittags die Türen. In einem lockeren und offenen Umfeld können die Gäste kostenlos frühstücken, Probleme ansprechen und alltägliche Fragen klären, die das Leben mit einem kleinen Kind mit sich bringen kann – zum Beispiel, wenn man alleinerziehend ist, wenig Geld hat oder die deutsche Sprache gerade erst erlernt.

Ein offenes Ohr für alle

Brigitte Ahrens und ihre sechs ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen geben erste Tipps und informieren über weitere Angebote. Ein kleiner Nebenraum dient vertraulicheren Beratungsgesprächen. Der sogenannte „caféfreie“ Vormittag in der Woche ist ganz für Beratungssprechstunden reserviert.

Obwohl das Familiencafé erst Anfang Juni dieses Jahres eröffnet wurde, wird es sehr gut angenommen. „Eine vergleichbare Einrichtung gibt es in Gütersloh oder der näheren Umgebung nicht. Hier kann ich mit meinem Sohn mehrmals die Woche hinkommen. Er blüht richtig auf, und ich kann mich mit den anderen Müttern austauschen. Das ist wirklich wertvoll“, erzählt die 28-jährige Evelyn Kniepkamp, die das Café mit ihrem 17 Monate alten Sohn Kristian regelmäßig besucht. Auch Lydia Derksen, die mit dem 13 Monate alten Erik oft vorbeikommt, ist froh über die Einrichtung. „Im Café haben alle ein offenes Ohr. Und auch für die Kinder ist es schön, sich regelmäßig zu sehen. Die freuen sich mittlerweile richtig aufeinander."

Nur locker plaudern oder sich Beratung holen – beides geht im „Kinderleicht“. Leiterin Brigitte Ahrens (links), hier im Gespräch mit Lydia Derksen, hat immer ein offenes Ohr.

Kurse, Beratung, konkrete Hilfen

Einmal im Monat gibt es außerdem fachliche Vorträge und Kurse. Örtliche Einrichtungen stellen sich vor, eine Hebamme kommt zu Besuch, oder es wird ein Erste-Hilfe-Kurs für Kleinkinder angeboten. Das Familiencafé ist eng vernetzt mit Frühförderstellen, familienunterstützenden Diensten und anderen sozialen Einrichtungen in Gütersloh und der näheren Umgebung. Auch mit der in der direkten Nachbarschaft liegenden „Lebenshilfe“ findet ein regelmäßiger Austausch statt.

Das Café „Kinderleicht“ will sich künftig für einen noch größeren Besucherkreis öffnen und verstärkt Eltern mit behinderten Kindern oder Flüchtlinge mit Kleinkindern ansprechen. „Außerdem überlegen wir, das Café an einem gesonderten Tag für andere Gruppen zu öffnen. Zum Beispiel könnten hier Väter, die ihre Kinder im begleiteten Umgang nur unter Aufsicht sehen dürfen, mit ihnen zusammenkommen“, erzählt Ahrens zu möglichen Zukunftsplänen.

Während sich die anderen Kinder größtenteils in die Spielecke mit Kissen und Decken verzogen haben, spielen Kristian und Erik gemeinsam gebannt mit einem Holzpuppenhaus. Das zierliche blonde Mädchen widmet sich mittlerweile ihrer Puppe und legt sie behutsam in ein Puppenbett. Alle werden allmählich müde, das Gelächter wird etwas leiser und Mamas Schoß zum begehrten Platz zum Ausruhen. Um 12 Uhr schließt das Familiencafé „Kinderleicht“. Zeit für den Mittagsschlaf.


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