"Die Zukunft muss ja etwas Spannendes bleiben!"

Profifußballer Simon Rolfes von Bayer 04 Leverkusen verrät im Interview, dass er nicht gut tanzen kann, gern in die Vergangenheit reisen würde – und wie sein Duschgel riecht.
 

Interview Julian Göpel, Anne-Lisa Plettenberg, Daniel Rauers, Paul Spitzeck
Fotos Martin Langhorst

Statt Trikot-Tausch: Julian Göpel überreicht Simon Rolfes einen Ohrenkuss-Kalender.
 

Viele Menschen wollen als Kinder Fußballer werden. Sie spielen schon Fußball, seit sie vier Jahre alt sind. Hatten Sie nie einen anderen Berufswunsch?

Mein Traumberuf war immer der Fußball. Aber man kann ja nicht immer vorhersehen, ob das auch klappt. Deshalb habe ich mir gedacht, wenn nicht Fußballer, dann werde ich Ingenieur. Aber zum Glück hat es als Fußballer funktioniert.

Sie sind Mitglied in der Gewerkschaft für Fußballer. Was tun Sie da? Was ist Ihre Aufgabe?

Die Gewerkschaft für Fußballer ist ganz wichtig, besonders für Spieler der 3. oder 4. Liga, wenn die zum Beispiel von ihrem Verein nicht bezahlt werden oder arbeitslos werden. Die Gewerkschaft unterstützt sie dabei, dass sie einen Verein finden und dass ihr Verein auch den Vertrag erfüllt. Wir als Erstligaspieler haben es in diesen Dingen etwas einfacher, und deshalb ist es eine wichtige Aufgabe für uns, die Spieler in den unteren Ligen zu unterstützen.

Wir haben gelesen: Bald hören Sie auf mit dem Fußball – am 30. Juni 2015. Haben Sie schon Pläne für danach? Wie geht es dann weiter?

Ich werde mich selbstständig machen im Karrieremanagement für Sportler. Ich werde also versuchen, meine Erfahrungen aus meiner Karriere an andere Sportler weiterzugeben.

Haben Sie noch Wünsche für Ihre letzten Monate als aktiver Spieler?

Ich möchte in den letzten Monaten noch viel Freude haben mit der Mannschaft. Mein Traum ist natürlich, das Pokalfinale in Berlin zu erreichen. Das findet ganz am Ende der Saison statt und wäre dann mein letztes Spiel. Das wäre toll.

Haben Sie den Wunsch, nach Ihrer Fußballkarriere einen anderen Sport zu machen? Oder wollen Sie mal richtig faul sein?

Nein, ich habe Sport immer geliebt, schon als Kind, und werde sicher weiter Sport treiben. Tennis zum Beispiel, das spiele ich gerne, aber als Fußballer bleibt wenig Zeit dazu. Wenn man jahrelang intensiv trainiert hat, muss man danach auch weiter Sport machen, damit der Körper langsam wieder runterfährt.

Ungewöhnlicher Ort für ungewöhnliche Fragen: Auf der Ersatzbank am Spielfeldrand werden Fußballer wohl nur selten befragt.

Bestimmt schreiben viele Zeitungen über Sie als Sportler. Lesen Sie das alles?

Nein. Manchmal ist es auch besser, nicht alles zu lesen – gerade nach schlechten Spielen. Mittlerweile wird ja so viel geschrieben, auch im Internet. Man sollte sich gar nicht immer damit beschäftigen, ob die Medien das, was man macht, gut finden oder nicht. Sondern man sollte einfach das tun, was man selbst gut findet.

Was würden Sie machen, wenn Sie einen Tag lang unsichtbar wären?

Da könnte man sicher viele Leute überraschen. Ich bin gar nicht sicher, ob das so gut wäre, was man dann mitkriegen würde. Lustig wäre es sicher auf dem Fußballplatz. Dann gäbe es kein Abseits und der Ball geht trotzdem rein.

Wenn Sie einmal eine Zeitmaschine benutzen dürften, würden Sie dann lieber in die Zukunft oder in die Vergangenheit reisen?

Lieber in die Vergangenheit. Die Zukunft muss ja etwas Spannendes bleiben. Über die Vergangenheit mehr zu erfahren, fände ich schon interessant. Zum Beispiel zu wissen, wie es im Wilden Westen zuging.

Gibt es etwas, das Sie vermissen, wenn Sie auf Reisen sind?

Ja, meine Familie, also meine Frau und meine Kinder – mein Zuhause.

Stellen Sie sich vor: Sie bestellen im Sommer ein Eis mit zwei oder drei Kugeln. Welche Sorten nehmen Sie?

(Lacht) Ich nehme immer Himbeere. Im Sommer muss es ja was Fruchtiges geben. Wenn es warm genug ist, gibt’s auch noch Zitrone und Erdbeere dazu.

Gibt es etwas, das Sie unbedingt erlebt oder gemacht haben wollen, bevor Sie sterben, und möchten Sie uns eine Sache davon verraten?

Eine richtig große Safari: mal Elefanten und Löwen sehen, nicht im Zoo, sondern in der freien Natur.

Wir haben gelesen: Sie interessieren sich für die Börse. Sie besitzen Aktien. Was finden Sie daran spannend?

Ich finde spannend, dass man Anteile an Unternehmen kaufen kann. Es hat mich schon immer fasziniert, wie Leute ihr Geschäftsmodell umsetzen, versuchen, erfolgreich zu sein, und dabei teilweise eine tolle Erfolgsgeschichte gemacht haben.

Können Sie gut mit Geld umgehen?

Ja, ich denke schon. In dem Punkt habe ich eine Menge von zu Hause mitgegeben bekommen: sparsam zu sein, gut auf das Geld zu achten.

Und solche Fragen, wie sie ihm von den Ohrenkuss-Autoren gestellt wurden, hatte Simon Rolfes auch noch nicht gehört.

Waren Sie schon mal in richtiger Lebensgefahr?

Ich habe mal als kleines Kind eine Steckdose angefasst, die lose war, und versucht, die Kabel auseinanderzuziehen. Dabei habe ich einen Stromschlag bekommen und kam nicht mehr vom Kabel los. Nach ein paar Sekunden hat mein Bruder mich mit aller Kraft losgerissen. Das wäre bestimmt nicht gut gewesen, wenn ich noch länger an dem Kabel gehangen hätte.

Gibt es etwas, das Sie sich gerne abgewöhnen würden?

Eigentlich fällt mir da nichts ein. Klar gibt es ein paar Dinge, von denen meine Frau sagt, dass ich sie mir abgewöhnen sollte. Aber ich glaube, da ist nichts wirklich Schlimmes dabei.

Sind Sie mutig?

Ich versuche eher ausgewogen zu agieren. Aber bei ein paar Entscheidungen in meinem Leben war ich sicherlich mutig. Und am Ende war es auch gut so, wie ich sie getroffen habe.

Wozu fehlt Ihnen der Mut?

Ich habe ein gewisses Sicherheitsbedürfnis. Und manchmal hindert mich das daran, bei Entscheidungen noch mutiger zu sein.

Können Sie tanzen?

Nicht so gut. Das kann meine Frau leider auch bestätigen.

Über die Frisuren von Fußballern wird viel gesprochen. Was war die schlimmste Frisur, die Sie je hatten?

(Lacht) Als 18-Jähriger hatte ich mal ganz kurze Haare. Das sah gar nicht gut aus. Das kann man noch auf meinem Führerscheinfoto sehen. Heute werden meine Haare ab und zu zu lang, weil ich nicht gerne zum Friseur gehe. Ich finde es da immer schrecklich langweilig.

Wie hätten Ihre Eltern Sie genannt, wenn Sie ein Mädchen geworden wären?

Ich weiß nur, dass meine drei Brüder und mein Vater gerne gewollt hätten, dass ich Jakob heiße. Meine Mutter war für Simon. Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass sich, wie immer, die Frau durchgesetzt hat.

Sammeln Sie etwas?

Eigentlich nicht. Höchstens ein paar Trikots von Spielern, gegen die ich gespielt habe und mit denen ich mich gut verstehe.

Wonach riecht Ihr Duschgel?

(Lacht) Heute war es etwas mit Honig, glaube ich. Honig-Milch vielleicht.

Sind Sie neugierig?

Auf jeden Fall. Nicht Dinge über andere zu erfahren, sondern selber Neues dazuzulernen. Diese Neugierde habe ich immer behalten.

Wobei können Sie sich so richtig gut entspannen?

Eigentlich wirklich beim Sport. Was ich auch liebe, ist, wenn wir sonntags mal nicht trainieren müssen und kein Spiel haben, dann lange mit der Familie zu frühstücken. Das sind ganz besondere Tage, wenn man weiß, man hat frei und muss nirgendwohin.


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