Ich traue mich so ziemlich alles

Shary Reeves ist eine Alleskönnerin. Und das nicht nur in der Fernsehsendung „Wissen macht Ah!“. Im Interview erzählt sie von ihren versteckten Talenten, Rassismus und ihrer geliebten Oma.
 

Shary Reeves (links) und Julian Göpel (rechts) testeten die Sitze im Flieger, der Teil der „Wissen macht Ah!“-Kulisse ist. Mit an Bord: Ralph Caspers, der die Sendung gemeinsam mit Reeves moderiert.

Interview Johanna von Schönfeld und Julian Göpel
Fotos Martin Langhorst

Shary Reeves mit den Ohrenkuss-Autoren vor dem Fernsehstudio in Köln-Bocklemünd

Du hast Fotoassistentin gelernt, bist Schauspielerin, Musikerin, Buchautorin, Moderatorin, Produzentin, Fußballspielerin und Trainerin. Wie machst du das?
Ich mache grundsätzlich immer das, worauf ich Lust habe und lasse mich auf nichts festlegen. Es hängt immer so ein bisschen von der jeweiligen Lebensphase ab. Ich finde ganz viele Sachen spannend. Man hat ja nur dieses eine Leben, und wenn man die Möglichkeit hat, in diesem Leben viele verschiedene Dinge zu machen, dann sollte man das auch tun. Zumindest gilt das für mich. Viele Sachen, die man so macht, haben auch nicht unbedingt etwas mit Talent zu tun, sondern viel mehr mit Interesse. Wenn ich etwas gut finde, dann mache ich das eine Zeit lang. Aber dann reicht es mir auch, das so halb gut zu können. Ich muss dann kein Profi darin werden. Ich habe auch mal zwei Jahre lang ein Praktikum als Schreinerin gemacht, habe sogar schon eine komplette Küche gebaut, weil ich da einfach Bock darauf hatte.

Du machst auch jede Menge Sport: Fußball, Softball, Eishockey, Marathonlauf, Snowboard, Inlineskating, Ballett, Modern Jazz Dance. Was ist dein Lieblingssport?
Die einzige Konstante in meinem Leben ist Fußball. Aber ich weiß gar nicht, ob das meine Lieblingssportart ist. Von den Sportarten, die du jetzt aufgezählt hast, finde ich alle gut. Ich probiere mich immer wieder neu aus, habe vor einigen Jahren auch mit Kitesurfen angefangen und spiele seit etwa anderthalb Jahren Golf, weil das den Vorteil hat, dass man viel draußen in der Natur ist und sich sehr fokussieren muss. Es hilft einem beim Gehirntraining.

Stimmt es, dass du mal Lehrerin werden wolltest?
Ich habe mal in Bonn Amerikanistik, Kommunikationswissenschaft und Neu­ere Geschichte auf Lehramt studiert, aber nur kurz. Dann habe ich ziemlich schnell gemerkt, dass ich keine Lehrerin werden wollte.

Warum nicht?
Ich weiß ja, wie ich war als Schülerin. Da willst du keine Lehrerin sein.

Wenn du dir eine Schule wünschen dürftest, die Spaß macht, wie müsste diese Schule sein?
Ich glaube, dass man die Kinder zuerst mal dazu bringen müsste, wieder mehr zu lesen. Weil ganz viele von ihnen nicht mehr in der Lage sind, Fantasie und Kreativität zu entwickeln, weil sie die ganze Zeit nur auf ihr Handy starren. Das Lesen wäre für mich der erste Schwerpunkt. Der zweite Schwerpunkt wäre Ernährung und Klima. Die Menschen werden immer kränker vom Essen. Ich selbst bin gegen alles Mögliche allergisch. Der dritte Schwerpunkt wäre Sport. Viele Kinder chillen heute oft nur noch und bewegen sich einfach zu wenig. Das sind so die Dinge, die für mich an erster Stelle stehen. Und dann darf gerne Mathe kommen, denn das lernt man ja, um im Leben querzudenken. Außerdem gäbe es kein Mobbing auf meiner Schule. Es gäbe viel mehr Teamarbeit und eine Ansprechperson, mit der die Schüler immer reden können, wenn es ihnen schlecht geht.

Die Ohrenkuss-Autoren ließen sich von der Moderatorin durch das Studio von "Wissen macht Ah!" führen.

2016 hast du das Bundesverdienstkreuz bekommen. Herzlichen Glückwunsch dazu! Du hast geschrieben: „Es fühlt sich verdammt gut an.“ Wem würdest du gerne einen Orden verleihen?
Meiner Mutter. Sie kommt aus Tansania und hat dort auf dem Grundstück, das ursprünglich meinem Großvater gehört hat, eine Schule gegründet. Sie hat ganz viel Unterstützung bekommen und hat die Schule ehrenamtlich nach und nach über Jahre hin aufgebaut. Heute werden dort 300 Kinder unterrichtet. Sie bekommen Hausaufgabenbetreuung und auch zu essen, weil sie meistens zu Hause nicht genügend zu essen bekommen. Meine Mutter fliegt jetzt wieder für drei Monate dorthin, um nach dem Rechten zu sehen.

Du hast ein Buch geschrieben mit dem Titel „Ich bin nicht farbig“. Warum heißt dein Buch so?
In erster Linie, weil meine Haut in vielen europäischen Ländern in der Regel als „farbig“ bezeichnet wird. Ich bin aber nicht bunt, ich bin braun. Der zweite Grund ist der, dass es für Menschen wie mich manchmal sehr schwierig ist, in bestimmte Berufsfelder reinzukommen. Auch im Alltag gibt es manchmal Probleme, weil wir aufgrund unserer Hautfarbe nicht sehr nett behandelt werden.

Deine Oma war einer der wichtigsten Menschen in deinem Leben. In welchen Momenten erinnerst du dich an sie?
Zum Beispiel heute auf der Fahrt hierher. Meine Oma war so ein lieber reiner Mensch, die überhaupt nichts Böses in sich hatte. Sie hat viel gelacht, war immer freundlich und auch unvoreingenommen. Und das findet man sehr selten auf der Welt. Ich vermisse sie beinahe jeden Moment. An manchen Tagen muss ich sogar weinen, weil ich sie so sehr vermisse und weil sie für mich auch ein Anker war. Du wusstest, du könntest jederzeit hinfahren und dann war es wie früher, als du klein warst. Und das geht jetzt nicht mehr. In meinen Gedanken ist sie aber noch da, und ich weiß, dass sie viel aus dem Universum steuert für mich.

Hast du Angst vor grauen Haaren?
Nein. Ich freue mich total darauf. Mal ganz ehrlich: Gibt es einen geileren Kontrast?

Bist du mutig? Gibt es etwas, wozu dir der Mut fehlt?
Ich bin mutig. Ich traue mich eigentlich so ziemlich alles.

Was würdest du gerne noch lernen?
Geige. Ich habe mal angefangen. Dabei kann ich gar keine Noten lesen. Die eigentliche Begabung ist ja, nach Gehör zu spielen und nicht Noten abzulesen, was jeder lernen kann. Ich kann sehr gut nach Gehör spielen. Ich höre etwas und spiele es sofort nach. Und deswegen hat das sehr gut funktioniert. Zwei Jahre habe ich das gemacht und dann aus zeitlichen Gründen aufgehört. Ich stehe total auf Klassik. Mein Lieblingskomponist ist Bach, und deswegen wäre Geige für mich richtig.

Wen rufst du an, wenn es dir schlecht geht?
Niemanden. Ich mache vieles mit mir selber aus.

Hast du eine Schokoladenseite, und welche ist das und warum?
Ich habe zwei Schokoladenseiten!

Was macht dir bei „Wissen macht Ah!“ besonderen Spaß?
Die Arbeit mit dem Team macht mir sehr großen Spaß. Ich finde es gut, dass wir uns hier nicht verstellen müssen. Wir dürfen so sein, wie wir sind. Und die Tatsache, dass es Groß und Klein gucken, dass es immer wieder neue spannende, interessante Fragen gibt und dass wir immer etwas Neues lernen.

Möchtest du uns noch etwas fragen?
Ja! Ist der Job anstrengend für euch?

Julian Göpel: Nö, überhaupt nicht.

Johanna von Schönfeld: Für mich schon. Und ich möchte auch eine Alleskönnerin und eine Klugscheißerin werden wie du.


Weitere Ohrenkuss-Interviews:

Ich wollte Trapezkünstlerin werden

Am Flughafen Köln-Bonn sprach Vielfliegerin Ulla Schmidt mit dem Ohrenkuss-Team über frühe Berufswünsche und lange Nächte im Bundestag.

Interview mit Ulla Schmidt
Ich habe noch nie gute Musik geschrieben

Mit dem Extremsportler und früheren Musiker Joey Kelly erlebten die Ohrenkuss-Autoren den bislang schweißtreibendsten Interviewtermin ihres Lebens.  

Gespräch mit Joey Kelly
Halb sieben ist für mich ausschlafen

Im Gespräch mit dem Ohrenkuss-Team beantwortete der Kölner Erzbischof Kardinal Woelki Fragen, die ihm zuvor noch keiner gestellt hatte.

Gespräch mit Kardinal Woelki

Was du tun kannst

Gutes tun und gewinnen

Mit einem Los der Aktion Mensch

Jetzt Los kaufen

So kannst du beitragen

Freiwillig engagieren oder Projekt starten

Über Inklusion informieren

Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen