Halb sieben ist für mich ausschlafen

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki sprach mit der Ohrenkuss-Redaktion unter anderem über seine Berufswünsche als Kind, ein verschwundenes Fässchen Kölsch und Gebete im Supermarkt.
 

Das Ohrenkussteam mit Paul Spitzeck, Anna-Lisa Plettenberg und Johanna von Schönfeld (ganz rechts) traf Kardinal Woelki in den Räumen des Erzbistums Köln im Zentrum der Domstadt.

Interview: Johanna von Schönfeld, Anna-Lisa Plettenberg, Paul Spitzek

Fotos: Sandra Stein

Woher kommen Sie gerade.  Wie war Ihr Tag bis jetzt?

Ich komme gerade von meinem Schreibtisch. Dort hatte ich noch einiges zu unterschreiben. Zuvor hatte ich ein Gespräch mit einer Gruppe von Priestern über wichtige seelsorgerische Fragen. Heute Vormittag hatte ich sehr viele Gespräche. Das erste um acht Uhr, das nächste um neun Uhr, dann um zehn Uhr und um elf Uhr. In der Mittagszeit saß ich am Schreibtisch.

Wie sollen wir Sie ansprechen?

Einfach: Herr Kardinal.

Nichts geht heute ohne I-Phone oder Smartphone - da sind sich der Kardinal und Johanna von Schönfeld einig.

Wollten Sie früher schon Kardinal werden? Was war Ihr Berufswunsch als Kind?

Ich wollte früher Priester werden, nicht Kardinal. Als Kind hatte ich auch die Idee, wie andere Kinder, Kapitän oder Lokführer zu werden. Als ich älter wurde, wollte ich auch mal Arzt werden oder Lehrer. Aber eigentlich auch durchgängig Priester. Als ich mit 55 Jahren Kardinal wurde, war ich der jüngste unter den Kardinälen.

Gibt es etwas, das Ihnen an Ihrer Arbeit keinen Spaß macht?

Die Arbeit am Schreibtisch ist etwas, was ich nicht so gerne mache. Da werden viele schwierige Anfragen und Probleme an mich herangetragen, auf die ich eine Antwort finden muss. Das ist dann schon mehr eine Herausforderung. Auch wenn Beschwerden kommen, macht mir eine solche Arbeit weniger Freude. 

Sie werden auf der Straße bestimmt oft erkannt. Wollen manche Leute ein Selfie mit Ihnen machen? Wurden Sie schon mal nach einem Autogramm gefragt?

Ja, das passiert immer wieder, dass mich Leute auf der Straße ansprechen, dass sie mich freundlich grüßen oder mich danach fragen, ob sie mit mir ein Foto oder ein Selfie machen können oder ob ich ihnen ein Autogramm geben kann. Auch jüngere Leute tun das, nicht nur ältere.

Besuchen Sie gerne den Papst in Rom?

Ja, ich habe auch in Rom eine ganze Reihe von Aufgaben und bin dort Mitglied in verschiedenen Räten und Kongregationen. Und dann gibt es auch oft die Gelegenheit, dem Papst zu begegnen. Ich bin eigentlich immer gerne in Rom. Weil ich die Stadt und die Art, wie man in Rom leben kann, mag.

Wir haben gelesen: Zu Ihrer Einführung ins Amt haben Sie ein Fass Kölsch bekommen. Haben Sie das schon getrunken?

Ich habe es während der Einführung überreicht bekommen und gleich danach ist es verschwunden. Ich habe es nie mehr gesehen. 

Im Juli möchte ich gerne zum Weltjugendtag nach Polen fahren. Ich möchte gerne mit anderen jungen Leuten reisen. Gibt es eine inklusive Gruppe, mit der ich reisen könnte?

Ich werde dir zumindest sagen können, wo du dich erkundigen kannst, nämlich bei unserem Diözesanseelsorger in Köln. Die organisieren das hier. 2005, als in Köln der Weltjugendtag war, haben wir sehr auf eine inklusive Gestaltung der Veranstaltung geachtet. Sodass ich jetzt einfach mal behaupte, dass das zu den Standards heute gehört. Ich gehe ganz fest davon aus, dass inklusive Reisegruppen existieren.

Paul Spitzek und Anna-Lisa Plettenberg bereiten die nächste Frage vor.

Woher kommt Ihr Name Woelki?

Er kommt aus dem Ermland, einem Teil des ehemaligen Ostpreußen, heute Polen. Dort hießen Bauernhöfe, die außerhalb von Ortschaften lagen, Woelk. Die Menschen, die auf diesen Bauernhöfen wohnten und arbeiteten, nannte man Woelki oder Woelkis. Manche behaupten, dass der Name von Schweizern stammt, die im Mittelalter aufgrund einer Pest oder einer anderen schweren Epidemie nach Osteuropa geflohen sind. Aber die erste Version ist die wahrscheinlichere. Die meisten Woelkis gibt es in Berlin, weil sie nach dem Krieg dorthin geflohen sind.

Haben Sie ein Smartphone?  Nutzen Sie es viel oder wenig?

Hier ist es (hebt es hoch). Und ich benutze es eigentlich sehr viel. Weil es für mich vor allen Dingen ein Arbeitsmittel ist. Ich bekomme darauf E-Mails, ich kann damit telefonieren, wenn ich unterwegs bin, ich kann damit Zeitung lesen. Wenn meine Kolleginnen und Kollegen etwas haben, das sie mir schicken möchten, dann schicken sie es mir aufs iPhone. Dann bearbeite ich das von hier oder von meinem iPad. Das ist für mich also ein ganz wichtiges Hilfs- und Arbeitsmittel.

Schreiben Sie noch Postkarten und Briefe oder schicken Sie nur noch E-Mails?

Ich schreibe auch Briefe und Postkarten. Etwa wenn jemand Geburtstag hat oder wenn mir Menschen etwas Persönliches schreiben. Zum Beispiel hat mir gestern eine Mutter geschrieben, deren Kind schwer erkrankt ist. Ihr antworte ich mit einer Karte. Ansonsten schreibe ich auch E-Mails, SMS, nutze WhatsApp.

Wann stehen Sie morgens auf? Schlafen Sie manchmal aus?

In der Regel stehe ich so um halb sechs auf. Ausschlafen ist schwer möglich. Wenn man über lange Zeit so früh aufstehen muss, kann man nicht mehr so richtig lange schlafen. Ab und an versuche ich, samstags länger zu schlafen, und dann bin ich dankbar, wenn ich erst um halb sieben wach werde. Halb sieben ist ausschlafen.

Kardinal Woelki nahm sich viel Zeit, um alle Fragen des Ohrenkussteams zu beantworten.

Was finden Sie peinlich?

Meine Höhenangst.

Was machen Sie, wenn Sie sehr wütend sind und sich über etwas ärgern?

Wenn ich mich über etwas richtig ärgere oder wütend werde, dann werde ich ganz ruhig und dann ist es besser, wenn ich mich allein zurückziehe. Weil ich sonst auf Menschen, die eigentlich gar nichts dafür können, schon mal härter oder ungerechter reagieren würde.

Sie sind ja ein Fan vom 1. FC Köln. Gehen Sie auch ins Stadion?

Ja. Das stimmt. Ich gehe auch schon mal ins Stadion.

Wir haben gelesen: Sie gehen selbst einkaufen. Nutzen Sie einen Einkaufszettel? Was machen Sie, wenn Sie an der Kasse warten müssen?

Eigentlich weiß ich immer, was ich brauche: Brot, Butter, Käse oder so etwas. Dazu brauche ich keinen Einkaufszettel. Bananen esse ich gerne. Äpfel und Tomaten, das ist nicht so schwer. Oder Milch, das kann ich mir merken. Ansonsten schlendere ich durch den Laden und gucke mir die Regale an, besonders da, wo die Süßigkeiten stehen, und gucke, was mich anspricht. Dann lege ich das in den Einkaufswagen. Wenn ich an der Kasse warten muss, beobachte ich manchmal andere Leute. Manchmal kommt es auch zu einem Gespräch mit anderen Wartenden. Und manchmal spreche ich mit dem lieben Gott.

Wie machen Sie das?

Indem ich ein kleines Gebet spreche, zum Beispiel: Danke, dass ich lebe, danke, dass es mir gut geht, danke, dass ich jetzt hier einkaufen kann, dass ich nicht hungern muss und dass ich ausreichend Geld habe, um mir diese Dinge kaufen zu können.

Herr Kardinal, wir danken Ihnen für das Gespräch.


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