Ich habe noch nie gute Musik geschrieben

Joey Kelly war am Nordpol und in Wüsten, er war Teil der Musikgruppe The Kelly Family und ist heute Motivationstrainer. Die Ohrenkuss-Autoren animierte er zum schweißtreibendsten Interviewtermin ever.
 

Langer Atem gefragt: Vor dem Interview joggten Redaktionsteam und Gastgeber erstmal eine Runde.

Interview  Julian Göpel, Verena Günnel, Daniel Rauers, Paul Spitzeck
Fotos Thomas Stachelhaus

Gemeinsam kann man einiges bewegen.

Du hast mal gesagt: „Ich würde nie auf die Idee kommen, meine Musik zu kaufen.“ Warum nicht?
Von der Kelly Family gibt es zwei Platten, die ich kaufen würde, aber nicht von Joey Kelly. Ich habe noch nie gute Musik geschrieben. Es ist nicht meine Leidenschaft und nicht meine Berufung, deswegen wird es auch keine Joey-Kelly-Musik geben.

Mein Lieblingslied der Kelly Family ist „An Angel“. Welches ist dein Lieblingslied aus deiner Musik-Karriere?
Es gibt einen Song meines Bruders Patrick, „Mama“. Den hat er über meine Mutter geschrieben, die uns leider sehr früh verlassen hat. Dieser Song gefällt mir sehr, weil er mich an sie erinnert.

Welche Musik hörst du sonst gern?
Ich mag Rockmusik, auch Heavy Metal. Das gefällt mir.

Singst du noch manchmal?
Ich singe schon lange nicht mehr. Aber das Singen mit der Kelly Family hat mir immer großen Spaß gemacht. Und wenn die Kellys wieder auf Tour gehen würden, wäre ich sofort dabei.

Hattest du mehr Fans als Musiker oder als Sportler?
In einer Umfrage, wer der beliebteste Kelly war, damals in der „Bravo“, lagen Paddy und Angelo auf den ersten Plätzen, und dann kam der Rest. Und der Letzte war ich. Nur zwei Prozent fanden mich gut, aber die meisten fanden mich doof. Also war ich sehr unbeliebt. Aber gut, ich hatte andere Ziele. Ich wollte Marathon laufen zum Beispiel. Ich denke, der Sport hat mir mehr Fans beschert.

Wer gewinnt? Joey Kelly mit Julian Göpel beim Armdrücken.

Du machst sehr viel Sport. Welche Sportart machst du am liebsten?
Ich mache sehr gerne Ausdauersport. Das ist etwas, das mich seit Jahren begleitet. Und ich brenne immer noch dafür. Jeden Tag aufstehen und weiterkommen und immer trainieren, lange Wüstenläufe, lange Radwettkämpfe, weltweit in verschiedenen Ländern und in Landschaften, in die man als Tourist nicht hinkommt. Vor vier Monaten sind wir über Hunderte von Kilometern durch Tansania gelaufen und haben Giraffen, Zebras und andere Tiere gesehen. Es war traumhaft. Davor war ich in Namibia, und davor gab es Wettkämpfe in Alaska, Amazonas, in Nepal, Patagonien, Chile, der Wüste Gobi, am Südpol, in den USA, in Kanada, Sibirien und überall in Europa. Ich habe mittlerweile fast die ganze Welt bereist.

Du bist Extremsportler. Wie ernährst du dich?
Ich ernähre mich vor den Wettkämpfen bewusster. Ich versuche, die Kohlehydrate zu reduzieren und Fett wegzulassen, konzentriere mich mehr auf Obst, Gemüse und Eiweiß. Ich esse gerne. Deswegen kämpfe ich auch  vor den Wettkämpfenimmer mit meinem Gewicht. Aber es gibt so viel tolle Nahrung. Damit kann man sich gesund und glücklich ernähren und nicht nur fettiges Junkfood essen, das ungesund und träge macht und wahrscheinlich auch den Kopf verstopft.

Hast du oft Kontakt zu deinen elf Geschwistern?
Ich habe Kontakt mit fast allen meinen Geschwistern. Mit einigen mehr und mit anderen weniger. Das war früher auch schon so. Jeder hat andere Interessen, andere Hobbys, andere Wünsche. Wir sind ja auch unterschiedlich alt. Ich bin ungefähr in der Mitte, habe einen Bruder, der ist zehn Jahre jünger, und eine Schwester, die ist zehn Jahre älter. Die sind fast aus einer anderen Generation, haben eine andere Zeit erlebt. Trotzdem verstehe ich mich mit allen ganz gut und mit einigen besser.

Bitte Lächeln! Ein Erinnerungs-Selfie zum Abschied.

Deine Schwester Maite kann gut tanzen. Ich habe sie bei „Let’s Dance“ gesehen. Kannst du auch gut tanzen?
Ich kann nicht gut tanzen. Ich war überrascht, wie gut Maite war, sodass sie zu Recht gewonnen hat. Ich wurde im letzten Herbst auch gefragt, ob ich bei „Let’s Dance“ mitmachen wollte. Ich habe es abgelehnt. Wenn ich zwei oder drei Jahre Vorbereitungszeit hätte, dann hätte ich vielleicht Chancen, vorne dabei zu sein. Aber nicht bei einem Vorlauf von nur drei Monaten. Auch habe ich eigentlich überhaupt keine Zeit, weil ich sehr viel arbeite. Und die Messlatte ist hoch, die meine Schwester gelegt hat. Dann würde ich immer mit ihr gemessen, und sie würden sagen: „Ja, Joey, das ist ja nichts!“ Ich glaube, wir lassen es dabei, dass Maite die Fahne für die Familie hochgehalten hat, und ich konzentriere mich auf die Dinge, die ich kann.

Du bist auch Motivationstrainer. Was macht ein Motivationstrainer eigentlich genau?
Ich halte Vorträge, hauptsächlich für Unternehmen. Das Thema ist: Wie schaffe ich mein Ziel? Mein Ziel ist, den Menschen Mut zu geben, ihren eigenen Weg verstärkt zu gehen. Für den Ausdauersport braucht man Ausdauer, Ziele, Mut, Leidenschaft. Alles das, was man auch beruflich braucht und teilweise auch privat. Das sind Themen, über die ich Vorträge halte, was mir auch großen Spaß macht. Ich mache das seit zwölf Jahren, europaweit, in Deutsch oder Englisch.

Hast du ein Smartphone? Und wenn ja, benutzt du es viel oder wenig?
Ich habe ein Smartphone und benutze es öfter, aber nicht so viel. Ich habe kein WhatsApp und erst seit acht Wochen Facebook, habe bloß 1.000 Follower. Im Netzbereich bin ich relativ weit zurück und will auch gar nicht so weit kommen. Mir geht es auch anders gut, sehr gut, besser vielleicht sogar.

Was findest du peinlich?
(denkt lange nach) Ich weiß nicht. Ich finde nicht so vieles peinlich. Wenn man man selbst ist und es passiert ein Fehler, das ist ja nicht schlimm. Wir sind alle Menschen. Und ich glaube, Fehler und Niederlagen gehören einfach zum Leben. Wenn ich einen Fehler mache, dann stehe ich dazu, entschuldige mich und versuche, ihn beim nächsten Mal zu vermeiden.

Das waren unsere Fragen. Haben wir vergessen, etwas zu fragen?
Nein, aber ich muss sagen, es war sehr angenehm für mich. Es war eine Ehre. Ihr wart gut vorbereitet, und ich finde es großartig, was ihr macht, dass ihr sportliche Journalisten seid!


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