"Ich bin da, wenn´s brennt"

Die Kölner Schauspielerin Mariele Millowitsch traf die Redakteure vom Ohrenkuss. Sie sprach mit ihnen über ihre Arbeit und über Privates. Unter anderem verriet sie, weshalb sie vor der Kamera weder raucht, noch schießt.
 

Bunte Truppe: Mariele Millowitsch (Zweite von rechts) mit den Redakteuren des Ohrenkuss-Magazins

Wer bringt hier wen zum Lachen?

 

Interview Julia Bertmann, Julian Göpel, Anne-Lisa Plettenberg, Paul Spitzeck
Fotos Ayse Tasci-Steinebach

 

Frau Millowitsch, Sie sind Schauspielerin, aber auch Tierärztin. Wie geht das?

Nach dem Abitur, so mit 18, da wusste ich noch nicht so genau, was ich machen will. Ich dachte: „Eigentlich willst du nicht Schauspielerin sein.“ Ich wollte etwas anderes machen. Mein Cousin ist Zoodirektor in Caracas. Und das habe ich auch in mir, mit Tieren umgehen zu wollen. Deshalb habe ich Veterinärmedizin studiert. Aber dann habe ich gemerkt: „Eigentlich willst du auch Schauspielerin sein.“ Ich habe nicht so den direkten Weg genommen. Das war oft so in meinem Leben. Also habe ich zu Ende studiert, und nach meiner Promotion habe ich dann wieder als Schauspielerin gearbeitet.

Haben Sie studiert, Schauspielerin zu sein? Oder haben Sie diesen Beruf gelernt?

Ganz ehrlich? Nein! Ich stehe schon ewig auf der Bühne, zum ersten Mal mit neun Jahren. Und auch als junges Mädchen habe ich immer sehr viel Theater gespielt. Später habe ich mal privat ein paar Stunden Schauspielunterricht genommen – aber studiert? Nein, das habe ich nicht. Ich hab’s einfach gemacht.

Was mögen Sie besonders an Ihrem Beruf?

Man arbeitet in einem Team. So wie Sie auch. Man trifft viele spannende Menschen, es kommen ja auch immer wieder neue hinzu. Ich mag es, zusammen mit anderen an etwas zu arbeiten.

Gibt es auch etwas an Ihrem Beruf, dass Sie nicht mögen?

Ich mag es nicht, wenn jemand seinen Text nicht gelernt hat. Das kann ich nicht leiden! Wenn jemand zum Set kommt und dann die ganze Zeit mit einem Zettel rumläuft, weil er den Text nicht kann. Das finde ich – um es offen zu sagen – unprofessionell.

Ein kurzer Blick auf die nächste Frage

Sie haben schon in vielen Filmen und Serien mitgespielt. Kamen darin auch mal Menschen mit Downsyndrom vor?

Ja, das gab es. Ich habe einmal für RTL eine Familienanwältin gespielt. Und da gab es mal eine Folge mit einer Kollegin mit Downsyndrom. Sie kam von der Berliner Theatergruppe RambaZamba und hat in der Folge die zweite Hauptrolle gespielt und war richtig gut. Es war kein leichtes Thema. Es ging darum, was es bedeutet, wenn das Downsyndrom pränatal diagnostiziert wird, also wenn die werdenden Eltern das vorher wissen.

In einer Serie spielen Sie eine Kommissarin. Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet?

Eine Sache habe ich vorher ausprobiert: Ich habe eine Waffe gehalten. Aber das sah total albern aus! Zwei Dinge kann ich nicht: rauchen – ich mit Zigarette, das geht einfach gar nicht – und eine Waffe halten. Ich habe ja in der Serie meinen Kollegen dabei, den jungen, schießwütigen, der macht das jetzt. Und alles andere, also rennen und böse Jungs fangen – das kann ich. Also, ich habe mich da nicht besonders vorbereitet.

Viele Menschen in Ihrer Familie waren Schauspieler. Ihr Vater war Willy Millowitsch. Er war sehr bekannt. Bestimmt wollen viele Menschen mit Ihnen über ihn sprechen. Wie geht es Ihnen damit?

Gut geht es mir damit. Es stimmt, es gibt viele Schauspieler in meiner Familie. Da ist der Willy, da ist mein Bruder Peter, und da bin ich. Willy ist ja jetzt schon 15 Jahre „oben beim Chef“. Oft kommen Menschen zu mir und erzählen mir von ihm, was sie mit ihm erlebt haben und wo sie ihn getroffen haben. Und das ist schön. Zum Glück hatte ich nie das Gefühl, aus seinem Schatten herauskommen zu müssen. Ich habe meinen Platz gefunden, und dadurch kann ich einfach stolz sein und mich freuen, dass ich seine Tochter bin.

Sie haben mal die Hauptrolle in der Fernsehserie „Nikola“ gespielt. War es anstrengend, immer auf Kommando Witze zu reißen und dabei ernst zu sein?

So ein Drehtag ist natürlich schon anstrengend. Nach zwölf Stunden falle ich dann echt müde ins Bett. Aber es ist auch ein großer Spaß. Das war ein tolles Team. Walter Sittler, der den Chefarzt gespielt hat, ist ein sehr guter Freund geworden. Und die Zusammenarbeit im Team war immer toll. Ich habe das sehr gerne gemacht. Das ist etwas, das ich mir bei meinem Vater abgeguckt habe. Ihm habe ich genau zugeschaut. Komödie machen, das kann ich.

Sie sind Mitglied bei „Ärzte ohne Grenzen“. Warum ist Ihnen das wichtig?

Das ist eine tolle Organisation. Die helfen wirklich, und sie bleiben auch auf Dauer. Wenn irgendwo eine Katastrophe passiert, dann sind erst alle Medien da. Und dann, kurze Zeit später, sind die Kameras wieder weg. Trotzdem gibt es da noch viel zu tun, und das tun die „Ärzte ohne Grenzen“. Und das unterstütze ich.

Mariele Millowitsch traf die Ohrenkuss-Redakteure in ihrem Kölner Liebelingslokal

Sind Sie gerade verliebt?

Nein, oder vielleicht doch – in meinen Hund. Ich habe einen Hund, den ich sehr liebe: Luigi Karl. Leider ist er gerade krank. Er hat so einen blöden Husten, seit sechs Wochen schon, den wird er nicht los. Deshalb musste er heute zu Hause bleiben.

Sind Sie gerne auf Reisen?

Absolut! Zum Beispiel „Das Traumschiff“ habe ich total gerne gemacht! Da waren wir am Panamakanal. Es war ein wirklich lustiges Team: Harald Schmidt hat meinen Ehemann gespielt. Wenn man so eine Folge dreht, dann sind das vielleicht zehn Drehtage. Auf dem Schiff ist man aber drei Wochen. Und das heißt dann: faul sein.

Worüber würden Sie gerne mehr wissen?

Über sehr viele Dinge! Haben Sie den Film „Avatar“ gesehen? Die konnten bei den Pferden so am Schweif andocken. Das könnte ich auch gerne! Einfach bei einem Menschen irgendwo andocken und dann wissen: Wie geht es dem gerade? Was ist da los? Vielleicht sogar: Was denkt der gerade? Das wäre toll! Und dann hätte ich gerne einen Knopf hier am Hals, an dem könnte man einfach drehen und alle Sprachen verstehen, zum Beispiel Mandarin. Und mit Tieren sprechen. Das fände ich super.

Warum, glauben Sie, sind Ihre Freunde mit Ihnen befreundet?

Das weiß ich nicht – das müssen Sie die fragen! Also, ich glaube, ich bin verlässlich. Ich mache die Feuerwehr: Ich bin da, wenn’s brennt.

Was gibt Ihnen Kraft?

Zum einen mein Humor. Das kann man ja nicht lernen. Da habe ich Glück gehabt. Den habe ich einfach mitbekommen. Das macht vieles leichter. Ich nehme die Dinge nicht so schwer. Und dann habe ich tolle Schwestern und einen tollen Bruder. Und wirklich gute Freunde. Das ist mir wichtig. Dadurch bin ich gut geerdet.

Sind Sie mutig?

Also ich würde jetzt nicht von der Deutzer Brücke springen, um einen Hund zu retten. Weil ich weiß: Das würde ich nicht überleben. Aber wenn ich an einem Strand wäre und jemand bräuchte Hilfe, ich glaube, da würde ich schon reinspringen. Ich denke auch gar nicht nach in solchen Momenten – ich mache einfach. Doch, ich glaube schon, dass ich mutig bin. Vielleicht kann man sagen: mutig, aber nicht leichtsinnig.

Liebe Frau Millowitsch, vielen Dank für das Gespräch!


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