„Frau Köster, haben Sie ein Lieblingsschimpfwort?“

Von ihrem Schlaganfall hat sich Komikerin Gaby Köster nicht unterkriegen lassen. Bei ihrem Besuch in der Redaktion vom Ohrenkuss beweist sie, dass sie ihren Humor nicht verloren hat und (fast) noch die Alte ist.

Gaby Köster im Kreis von Ohrenkuss_Redakteuren

Offen und ehrlich: Gaby Köster - hier mit Ohrenkussredakteur Marc Lohmann - nahm beim Interview kein Blatt vor den Mund.

Können Sie uns etwas über Ihren Job erzählen? Was genau machen Sie da?
Als mein Sohn im Kindergarten war, sollten die Kinder einmal erzählen, was die Eltern so machen. Da hat er gesagt: Meine Mutter macht den ganzen Tag Quatsch und kriegt auch noch Geld dafür.

Mein Job ist chaotisch. Ständig rein ins Auto, raus aus dem Auto, laber, laber, wieder rein ins Auto und ab nach Hause. Und Drehen ist nervig, weil es oft nur eine Kamera gibt und deshalb jede Szene 30- bis 50-mal in unterschiedlichen Einstellungen aufgenommen werden muss. Den Text kann man dann hinterher rückwärts pfeifen. (Gelächter)

 

Was macht für Sie einen guten Witz aus?
Lachen ist ja ein Reflex wie Niesen oder Husten. Über einen guten Witz muss man nicht nachdenken. Wenn es einer ist, lacht man einfach los.

 

Finden Sie, es gibt Dinge, da darf man nicht drüber lachen, da ist Schluss mit lustig?
Eigentlich nicht. Natürlich gibt es schlimme Dinge wie Naturkatastrophen oder Kriege. Aber wenn eine gewisse Zeit verstrichen ist, finde ich es wichtig, dass man darüber lachen kann. Denn dadurch verarbeitet man ja auch die Dinge.

 

Sie haben schon viele Preise gewonnen. Über welchen haben Sie sich am meisten gefreut?
Über den Grimme-Preis und über den Publikums-Bambi, weil der eben von den Leuten kam und nicht von einer buckligen Jury.

 

Wie fallen Ihnen Ihre Geschichten ein?
Zum Beispiel, wenn mir etwas auffällt, was ich nicht gut finde. Dann überlege ich, wie man das auf die Bühne bringen kann. Dort kann man dann schön drüber schimpfen und die Leute hören zu.

 

Wie ist Ihre erste Geschichte fürs Radio entstanden?
Damals habe ich ja noch in der Kneipe gearbeitet. Das ist übrigens ein wunderbarer Studienort. Und da war ein Gast, der hatte ein neues hyperteures Fahrrad, mit dem er zur Kneipe kam. Aber bevor er reinkam, musste er erst mal den teuren Sattel und noch tausend andere Sachen abschrauben. Da hab ich gesagt, er soll sich beeilen, sonst sei die Wirtschaft zu. Das wurde mein erster Sketch.

Gaby Köster mit einem Ohrenkuss-Redakteur

Sind Sie mit dem Musiker Gerd Köster verwandt?
Ja.

 

Mögen Sie seine Musik?
Schätzchen, er ist mein Cousin, unsere Väter waren Brüder. Du glaubst doch jetzt nicht ernsthaft, dass ich sage, ich mag seine Musik nicht. (Gelächter)

 

Dürfen wir Ihnen auch einige private Fragen stellen?
Ich bitte darum.

 

Haben Sie einen Mann?
Ich arbeite dran. (Gelächter)

 

Wir haben gelesen, Sie haben mal eine Ausbildung gemacht.
Angefangen, ja. (Gelächter)

 

Fast bis zum Ende. Als Erzieherin. Drei Wochen vor dem Ende haben Sie damit aufgehört. Warum?
Das war damals in den 1980ern und die Dozenten wollten aus uns Kästchenmenschen machen. Das ging mit mir nicht. Ich habe einen Wutanfall bekommen, den Schreibtisch durch die Bude gekachelt und bin nach Hause gegangen.

 

Cool. Ich kenne das. Das mache ich auch manchmal.

 

Sie haben auch Bilder gemalt und Ausstellungen gemacht. Tun Sie das immer noch?
Im Moment leider nicht. Ich muss erst mal Zeit haben, wieder einige zu malen. Wenn ich 20 oder 30 gemalt habe, werde ich bestimmt auch wieder eine Ausstellung machen.

 

Was können Sie besser als andere?
Ich weiß nicht. Ich denke von mir selber, ich kann nicht so viel.

 

Ich kann Ihnen helfen: Sie können am besten fluchen!
(Lacht) Ja, besonders beim Autofahren.

 

Haben Sie ein Lieblingsschimpfwort?
Ja: Plackfisselige Puckelsprum (rheinisch für: herpesverseuchte Buckelpflaume). (Gelächter)

 

Sammeln Sie etwas?
Ja, leider zu viel. (Gelächter) Ich sammle Wahrsagekarten zum Beispiel. Und Wolle und Bücher. Ich bin halt leider eine Chaosfrau, das ist so.

 

Wie viele Schuhe haben Sie?
Unmengen. Ich habe im Keller sogar ein eigenes Zimmer für sie. Ich kann sie aber leider nicht anziehen, weil das linke Bein nicht so will, wie ich will. Also, wer von euch Größe 41 hat, bitte melden.

Gaby Köster mit sitzt im Kreis von Ohrenkuss-Redakteuren

Vor einigen Jahren waren Sie sehr krank. Sie hatten einen Schlaganfall. Hat sich Ihr Leben seitdem verändert? Sind Sie immer noch lustig und locker? Oder wieder? Oder denken Sie noch viel darüber nach?
Lustig war ich im Krankenhaus schon wieder. Nach dem blöden Schlaganfall war meine linke Seite ja gelähmt, und ich bekam Physiotherapie. Der Therapeutin habe ich gesagt, sie soll sich mal beeilen, ich sei Konzertpianistin und der Arm müsse bald wieder gehen. Ich finde es wichtig, dass man den Humor nicht verliert.

 

Das stimmt. Sie haben mal gesagt: „Ich habe beim lieben Gott angeklopft. Er hat mich zurückgeschickt. Er wird schon wissen, warum. Ich bin auf einem guten Weg. Ich weiß zwar nicht, wohin er führt, aber das macht mir nichts. Es gibt keine Grenzen. Wer in den Himmel schaut, sieht keine Grenzen mehr.“ Was haben Sie damit gemeint?
Damit habe ich gemeint, dass mich so schnell nichts mehr schocken kann. Und dass ich nicht weiß, wohin die Reise geht. Das weiß ja keiner von uns.

 

Wenn Sie aus dem Fenster schauen und der Himmel ist grau, sind Sie dann schlecht drauf?
Wenn es beispielsweise im Winter lange grau ist, geht mir das natürlich tierisch auf die Nerven. Deshalb habe ich mir vor einiger Zeit ein großes Bild gemalt, ungefähr ein mal ein Meter. Das hängt neben meinem Bett und ist wie so eine Art Fenster mit Meer und blauem Himmel und Palmen und schönen Hibiskusblumen. Und dann gucke ich darauf und denke: Ist doch alles gar nicht so schlimm.

 

Haben Sie ein gutes Leben?
Vor meiner Erkrankung war mein Leben besser. Aber inzwischen habe ich wieder ein gutes Leben. Ich geh mir nur manchmal selber auf den Geist, weil ich so langsam bin. Also, zum Beispiel Treppensteigen geht halt nur immer Stück für Stück, und dann bin ich mir zu langsam und werde ungeduldig. Ich würde gern mal wieder sprinten oder joggen. Deshalb kann ich mir auch alte TV-Serien nicht mehr so gut angucken, in denen ich durch die Gegend renne.

 

Nach dem Schlaganfall konnte man drei Jahre lang in den Medien nichts über Sie lesen. Die Presse hat Ihre Privatsphäre respektiert. Was haben Sie in dieser Zeit gemacht?
Die Journalisten haben meine Privatsphäre nicht respektiert, und die drei Jahre Ruhe haben wir mit einem Anwalt erstreiten müssen. Die Journalisten standen mit ihren Kameras vor dem Krankenhaus und wollten Fotos von mir. Deshalb habe ich mich zurückgezogen und habe gesagt, ich gehe erst wieder raus, wenn ich das will und nicht, wenn die Presse das will. Man muss ja erst mal Gelegenheit haben, gesund zu werden.

 

Sie haben ein Buch geschrieben mit dem Titel „Ein Schnupfen hätte auch gereicht. Meine zweite Chance“. Sind Sie nicht zu jung für eine Autobiografie?
Das schmeichelt mir ja. Aber erstens bin ich jetzt bald 53, also nicht mehr ganz so jung. Und ich denke, wenn man schon einiges erlebt hat, warum soll man das nicht aufschreiben?

 

Doch, das kann ich sagen. Mein Vater war Astronomieprofessor. Eines Tages wird sich die Sonne aufblähen und den ganzen Erdball verschlingen. Aber macht euch bitte keine Ängste. Das klingt ein bisschen hart, das weiß ich, aber das musste ich gerade sagen.
Aber vorher machen wir es uns hier noch schön, oder nicht?

 

Natürlich. Dafür sind wir ja hier.

 

Wie lange brauchen Sie morgens im Bad?
Früher zehn Minuten, mittlerweile etwas länger, weil ich erst mal in die Wanne rein- und rausklettern muss.

Gaby Köster mit zwei Ohrenkuss-Redakteuren

Und dann noch föhnen?
Nee, strubbel. Fertig. (Gelächter)

 

Welche Hobbys haben Sie?
Lesen, malen, stricken, mit den Hunden spielen, meinem Kind auf den Sack gehen. (Gelächter)

 

Machen Sie Sport?
Ich mach dreimal die Woche Therapie, nenn das aber Ballett, denn Therapie hört sich immer so krank an.

 

Haben Sie Angst vor grauen Haaren?
Nein, auch nicht vor Falten. Ich finde, man ist irgendwann wie ein altes Auto: Jede Beule und jeder Kratzer ist wie `ne schöne Erinnerung.

 

Wovor müssen Sie sich schützen?
Gute Frage. Vor zu viel Konsum von Schokolade. (Gelächter)

 

Was wäre das Erste, was Sie tun würden, wenn Sie unsichtbar wären?
Dann würde ich erstmal ins Krankenhaus fahren und allen Krankenschwestern, die mich damals dort gepiesackt haben, kräftig in den Hintern treten. (Gelächter)

 

Welches Verbrechen würden Sie begehen, wenn sicher wäre, dass es garantiert nicht rauskommt.
Ich würde alle Banken ausrauben und die Kohle verteilen an Leute, die sie brauchen.

 

Gibt es etwas, wofür Sie auf die Straße gehen würden?
Ja klar, das habe ich auch schon oft gemacht. Ich hasse Ungerechtigkeiten gegen andere Leute. In Köln gab es ja immer mal wieder Anschläge gegen Ausländer. So was finde ich grauenhaft und ekelhaft. Dagegen muss man auf die Straße gehen!

 

Haben Sie ein Lieblingslied?
Ja mehrere. Zum Beispiel von der Gruppe Brings „So lang wir noch am Leben sind“, weil es zum Ausdruck bringt, dass man sein Leben genießen und feiern soll. Und ich liebe alles von Stephan Jürgens und seiner neuesten CD“ Alles immer möglich“.

 

Welches Lied soll auf Ihrer Beerdigung gespielt werden?
„So lang wir noch am Leben sind“ und „Purple Rain“ von Prince. Das habe ich meinem Sohn auch gesagt, und seitdem darf ich zu Hause nicht mehr „Purple Rain“ hören.

 

Danke für das Interview. Haben wir noch etwas vergessen zu fragen?
Nein. Ich finde es unfassbar, wie toll ihr euch vorbereitet habt. Das war eines der besten Interviews, die ich je hatte.


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