„Wir haben immer nur den einen Moment: jetzt!“

Im Interview mit der  Ohrenkuss-Redaktion sprach der Sänger Andreas Bourani über Lebensfreude, Chancengleichheit und seine Lieblingswitze.

Bei einer Runde Crossboccia erholten sich Sänger Andreas Bourani und die Ohrenkuss- Redakteure nach dem Interview.

Acht gegen einen. Doch Andreas weiß auf alle Fragen eine Antwort.

Mir gefällt das Lied „Nur in meinem Kopf“. Wie ist Ihnen der Text zu dem Song eingefallen?

Mir ist aufgefallen, wie viel wir mit unserer Vorstellungskraft machen können. Jede Idee beginnt mit einer Wahrnehmung und dem Wunsch, etwas zu verändern. Ich wollte dieser Fähigkeit, unserer Fantasie, einen Song widmen.

„Auf uns“ ist das Jubiläumslied der Aktion Mensch. Haben Sie den Text selber geschrieben?

Ja, das habe ich. Ich sitze abends oft mit Freunden zusammen, und wir essen und trinken etwas Gutes und lachen viel. Und einmal haben wir auch aufeinander angestoßen. Diese Zeit ist uns sehr wichtig, hier entstehen auch viele Ideen für Texte. Zum Beispiel für „Auf uns“.

Wie alt sind Sie?

30.

Und wie alt fühlen Sie sich?

Unterschiedlich. An manchen Tagen fühle ich mich wie eine 70-jährige Oma. (Lachen) Dann gibt es Tage, da fühle ich mich wie ein achtjähriges Kind und könnte die ganze Welt umarmen. Ich feiere eigentlich nie Geburtstag und versuche, mich ein bisschen zeitlos zu halten. Im Grunde spielt das Alter ja auch keine Rolle. Wir haben immer nur den einen Moment: jetzt.

Wie lange wohnen Sie schon in Deutschland?

Ich bin hier geboren. Ich wurde zwar adoptiert, als ich vier oder fünf Tage alt war, und habe nordafrikanische Wurzeln. Aber ich habe nie woanders gelebt als in Deutschland. In Berlin wohne ich seit sechs Jahren.

Wie finden Sie das Ergebnis des Eurovision Song Contest? Wie gefällt Ihnen der Sänger Conchita Wurst?

Sie war gar nicht meine Favoritin. Ich hatte auf Dänemark getippt. Trotzdem Glückwunsch an Österreich und Conchita Wurst! Woher bloß dieser Name stammt? (Lachen)

Viele Menschen diskutieren über Conchita Wurst. Ist sie ein Mann? Ist sie eine Frau? Warum trägt sie einen Bart? Was sagen Sie zu diesem Thema? Brauchen wir Vielfalt?

Vielfalt zu haben, finde ich ganz wichtig. Egal, ob äußerlich oder auch, was sexuelle Orientierung angeht. Ich finde es mutig von Conchita Wurst, dass sie angetreten ist. Ich finde es klasse, dass sie gewonnen hat, und ich freue mich, dass aus Europa so viel Zuspruch kam. Das ist, glaube ich, auch ein Statement.

Was essen Sie gerne? Mögen Sie auch Döner?

Ja, mag ich. Esse ich aber nicht so gerne wie Schnitzel mit Pommes.

Was machen Sie so, wenn Sie mal frei haben?

Am wohlsten fühle ich mich in der Natur. Ansonsten mache ich, was alle machen: Ich treffe mich mit Freunden, geh ins Kino, mache Sport, lese ein Buch. Oder ich gehe in die Sauna.

An welchem Ort sind Sie besonders gerne?

In letzter Zeit bin ich tatsächlich gerne auf der Bühne. Die neue Platte ist fertig, und ich habe lange Zeit im Studio verbracht. Jetzt freue ich mich sehr, mit der Musik rauszugehen und sie den Leuten vorzuspielen. Zu spüren, wie sich die Lieder live anfühlen, wenn man sie mit der Band performt. Das ist ja noch mal ganz was anderes.

Warum haben Sie Ihre Haare so kurz geschnitten? Die andere Frisur fanden wir besser.

Habt ihr vorher darüber abgestimmt? Ich hatte für eine sehr lange Zeit
längere Haare. Als Teenager hatte ich sie schon einmal so kurz wie jetzt. Ich wollte einfach mal sehen, ob ich damit immer noch so gut aussehe. (Lachen) Nein, im Ernst: Ich hatte einfach mal Lust, sie abzuschneiden.

Aber schön sehen Sie trotzdem aus.

Danke.

Was macht Sie wütend?

Ungerechtigkeit macht mich wütend. Und Intoleranz. Wenn Leute diskriminiert werden.

Kleines Balltrainig auf der Treppe

Haben Sie ein Tattoo?

Ich hatte eigentlich immer vor, mir mal ein Tattoo stechen zu lassen. Aber dann hat mir jemand gesagt: „Du kannst doch alles, was dir etwas bedeutet, in die Musik legen. Du musst es dir doch nicht in die Haut stechen lassen. Die Musik wird sogar bleiben, wenn du nicht mehr da bist.“ Ich fand, das war ein sehr schöner Satz. Deswegen bin ich bis heute nicht tätowiert.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?

„Briefe an einen jungen Dichter“ von Rainer Maria Rilke. Das lese ich immer mal wieder. Darin schreibt Rilke an einen jungen Mann, der wissen will, wie man gute Bücher schreibt. Das Buch kann ich allen empfehlen, die schreiben oder dichten wollen.

Haben Sie Angst vor dem Tod?

Ja, schon. Keiner von uns weiß ja, wo die Reise hingeht. Und ob es überhaupt weitergeht. Und was dann passiert. Davor habe ich einfach Respekt – und ich lebe zu gerne!

Was glauben Sie: Was bleibt, wenn Sie gestorben sind? Welche Spuren hinterlassen Sie?

Die Musik bleibt auf jeden Fall. Und ich habe auch meine eigene Theorie: Ich glaube an Energien, die uns miteinander verbinden. Oft passieren Dinge, die man sich gar nicht anders erklären kann. Ich glaube, dass ein Teil von dieser Energie nach dem Tod wieder in einem großen Ganzen aufgeht. Ich weiß nicht, ob man „Seele“ dazu sagen sollte.

Können Sie uns Ihren Lieblingswitz erzählen?

Ich mag Flachwitze. Zum Beispiel: Was trinken Leute in der Führungsebene? Leitungswasser! (Lautes Lachen) Und einen hab ich noch: Japan oder Neinpan? (Lachen)

Was essen Sie morgens am liebsten zum Frühstück?

Ich esse gerne Rührei mit ein bisschen Obst oder Gemüse. Und dazu frisch gepressten Orangensaft.

Haben Sie ein Vorbild? Und wenn ja: Wer ist das?

Es gibt mehrere Leute, die ich toll finde, nicht nur eine Person, die alles für mich bedeutet. Zum Beispiel gibt es viele deutschsprachige Musiker, mit denen ich aufgewachsen bin und die mir wichtig sind. Zum Beispiel Herbert Grönemeyer. Oder große Rockbands wie U2 oder Coldplay.

Wie viele Schuhe haben Sie?

Über 50 Paare. Hauptsächlich Turnschuhe.

Haben Sie gute Freunde?

Ja, Gott sei Dank. Es sind nicht so viele, aber wir verstehen uns gut und haben eine tolle Verbindung. Ich habe sowohl Freundinnen als auch Freunde.

Was machen Sie eigentlich, wenn Ihnen mal langweilig ist?

Seit ich kein Kind mehr bin, langweile ich mich eigentlich nicht mehr. Langeweile ist für mich eine Beleidigung des Lebens. Es klingt total kitschig, aber ich bin wahnsinnig froh, am Leben zu sein. Und ich finde, dass es immer etwas zu tun und zu entdecken gibt.

Erklären Sie mal, was Inklusion ist! Am besten so einfach wie möglich.

Puh … gar nicht so einfach! Vielleicht so: Inklusion bedeutet, dass man gleiche Bedingungen für alle herstellt. Dass jeder, unabhängig von seiner Herkunft oder seinen körperlichen oder geistigen Möglichkeiten, die gleichen Chancen bekommt.

Sie setzen sich für Inklusion ein. Hat das einen besonderen Hintergrund?

Ich bin in Bayern aufgewachsen und habe dort durchaus ein wenig unter meiner Hautfarbe gelitten. Hin und wieder bin ich gehänselt worden. So habe ich ein Gespür für das Thema entwickelt. Jetzt habe ich ja die Möglichkeit, mich einzusetzen gegen Diskriminierung. Ich bin prinzipiell immer dabei, wenn es darum geht, Möglichkeiten für alle zu schaffen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Bourani!


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